Trevor Noah vs. französischer Botschafter Afrika, der wahre WM-Gewinner

Glückwunsch an Afrika zum WM-Gewinn: Diese Aussage von TV-Talker Trevor Noah war witzig gemeint. Der französische Botschafter in den USA kann darüber nicht lachen. Das ist nun auch schriftlich dokumentiert.

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Es begann mit einem Witz. "Afrika hat die WM gewonnen", sagte Travor Noah, Gastgeber der "Daily Show", nachdem Frankreich im Finale der Fußballweltmeisterschaft Kroatien besiegt hatte. Damit spielte er darauf an, dass viele der französischen Spieler Vorfahren in Afrika haben.

Er begreife, dass es immer heiße, es sei die französische Mannschaft, sagte Noah. "Aber schaut euch diese Kerle an." So eine Bräune bekomme man nicht, wenn man in Südfrankreich abhänge.

Ist das lustig? Das Publikum fand es offenbar amüsant. Ein Zuschauer aber nicht: Gerard Araud, Frankreichs Botschafter in den USA. Der Diplomat war so erzürnt, dass er einen Brief an Noah schrieb. Darin wirft er dem Moderator vor, rassistische Ideologien zu legitimieren und den Spielern ihr "Französischsein" abzusprechen. Und das, selbst im Scherz, legitimiere eine Ideologie, wonach Franzose zu sein bedeute, weiß zu sein.

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Trevor Noah: Post vom Botschafter

Es stimme, dass die Eltern mancher Spieler aus anderen Ländern kämen. Aber 21 der 23 Fußballer im Weltmeisterkader seien in Frankreich zur Welt gekommen, schreibt Araud: "Sie wurden in Frankreich ausgebildet, sie haben in Frankreich das Fußballspielen gelernt, und sie sind französische Bürger. Sie sind stolz auf ihr Land, Frankreich."

Falls der Botschafter gehofft haben sollte, Noah werde sich entschuldigen, sah er sich getäuscht. Der Moderator las den Brief im Studio mit gespieltem französischen Akzent vor und kommentierte einzelne Passagen.

Schwarze in aller Welt hätten den Afrika-Bezug der französischen Spieler gefeiert: "Schaut auf diese Afrikaner, sie können Franzosen werden", sagte Noah.

Er sehe, was Politiker über Migranten aus Afrika sagten, wenn sie arbeitslos seien, wenn sie womöglich eine Straftat begingen, wenn man sie für zwielichtig halte. Dann sei von "afrikanischen Immigranten" die Rede. Wenn ihre Kinder Frankreich einen WM-Sieg schenkten, sei wieder nur von Frankreich die Rede.

Er wolle niemandem das Französischsein absprechen, sagte Noah. Er wolle die Spieler in sein Afrikanischsein einschließen. "Ich sage: 'Ich sehe dich, mein französischer Bruder afrikanischer Herkunft.'" Er finde es seltsam anzunehmen, dass manche Menschen nicht afrikanisch und französisch sein könnten. "Und wenn Franzosen sagen, das geht nicht, dann haben sie ein Problem und nicht ich."

ulz/AP



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