Rassismusdebatte über TV-Köchin Paula Deen und das N-Wort

Paula Deen ist eine der bekanntesten TV-Köchinnen der USA. Sie hat zugegeben, früher rassistische Ausdrücke benutzt zu haben und damit eine Debatte losgetreten. In einem TV-Interview wehrte sich die 66-Jährige jetzt - als geglückt lässt sich der Auftritt aber trotzdem nicht bezeichnen.

AP/ NBC

New York - Ist Paula Deen eine Rassistin oder nicht? Über diese Frage diskutiert Amerika derzeit. Deen ist eine TV-Köchin, bekannt für ihre Südstaatenküche. Die 66-Jährige und ihr Bruder Bubba Hiers werden von der früheren Managerin eines ihrer Restaurants verklagt. Die Frau behauptet, in dem Lokal in Savannah in Georgia sei sie sexuell belästigt worden. Zudem habe eine feindselige Atmosphäre von Anzüglichkeiten und rassistischen Verunglimpfungen geherrscht.

Deen wurde Gelegenheit gegeben, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Dabei wurde sie vom Anwalt der Klägerin gefragt, ob sie jemals das N-Wort benutzt habe. "Ja, selbstverständlich", sagte sie. "Das war vor langer Zeit." Jetzt benutze sie es nicht mehr. Sie gab auch zu, manchmal Witze rassistischen Inhalts zu erzählen. Zudem geht aus der Niederschrift ihrer Aussage hervor, dass sie überlegt haben soll, für die Hochzeit ihres Bruders 2007 nur schwarze Kellner zu buchen. Deen sagt, sie habe die Idee quasi sofort verworfen.

Eine Entscheidung in dem Prozess steht noch aus, doch manche scheinen bereits ihr Urteil gefällt zu haben. Ihre Sendung im Koch-Spartensender Food Network wurde abgesetzt, sie verlor Werbeverträge.

Der Fall Deen hat in den USA eine Debatte ausgelöst. Eine "Wir unterstützen Paula Deen"-Seite auf Facebook hat mehr als 415.000 "Likes". Auf der anderen Seite kommentierte das Magazin "Slate", Deen sei "Amerikas rassistische Oma".

Tränenreicher Auftritt bei Matt Lauer

Nun hat Deen - vielleicht zu spät - die Flucht nach vorn angetreten. In einem Interview mit Matt Lauer von der "Today"-Show sprach sie tränenreich über die Vorwürfe und verteidigte sich. Sie sei keine Rassistin und würde nie jemanden absichtlich verletzen.

Sie habe das N-Wort nur einmal benutzt - als sie erzählt habe, wie ein schwarzer Räuber ihr eine Waffe an den Kopf gehalten habe. Möglicherweise sei das Wort auch vorgekommen, als sie Gespräche schwarzer Mitarbeiter in ihren Restaurants wiedergegeben habe.

Deen bat Zuschauer darum, das Food Network nicht zu boykottieren. Und sie sagte, sie selbst hätte jemand anderen in ihrer Position nicht gefeuert. Auf Lauers Frage, ob sie das Erzählen von Witzen mit dem N-Wort als gemein ansehe, fand sie lange keine Antwort. "Das ist schwierig", sagte sie. Sie wisse nicht, was andere Personen als anstößig empfänden. "Ich bin, wer ich bin, und ich ändere mich nicht", sagte sie.

So weit hätte man den Auftritt noch als halbwegs geglückt bezeichnen könne. Aber Deen fragte noch, ob im Publikum niemand sei, der jemals etwas früher Gesagtes bereut habe. Wenn das der Fall sei, "nehmt bitte einen Stein, werft ihn so stark ihr könnt und tötet mich". Lauer war dies sichtlich unangenehm.

ulz/AP



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.