Aufregung um Erotikfotos Armer Präsident und sexy Sekretärin

Assistentinnen von Politikern spielen in der öffentlichen Wahrnehmung normalerweise keine Rolle. In Uruguay ist das anders: Fabiana Leis sitzt im Vorzimmer von Präsident José Mujica und sorgt nun mit Erotikfotos für Aufregung.

DPA/ Alfredo Leiros

Montevideo - In der argentinischen Zeitschrift "Noticias" erschienene Erotikfotos der Präsidentensekretärin Fabiana Leis sorgen derzeit in Uruguay für Aufregung. "Ich hätte nie erwartet, dass man mich aus so vielen Orten anrufen würde", wunderte sich das Model über das unerwartete internationale Echo. Tatsächlich hatte sie die Aufnahmen im Vorfeld ordentlich beworben, unter anderem mit einem Video, auf dem sie beim Shooting am Strand im Bikini zu sehen ist.

"Ich muss mich für gar nichts schämen. Ich bin stolz auf meine Leistungen", schreibt die 33-Jährige auf Twitter.

Mit Staatsgeschäften und nationaler Imagepflege hat sie allerdings wenig am Hut: Leis gab im Gespräch mit "Noticias" offen zu, total unpolitisch zu sein. Der Grund: Sie müsse halt mit jeder Regierung klarkommen, die die Wahlen gewinnt. Dennoch lobte sie den seit 2010 amtierenden José Mujica: "Pepe ist einer aus dem Volk. Als er sein Amt antrat, haben die Leute ihm zugejubelt. Es ist beeindruckend, wie sehr die Menschen ihn lieben."

"Man kann zwei Karrieren miteinander kombinieren"

Es sei sonnenklar, dass ihr Fall nur Aufsehen erregt habe, weil sie für den Präsidenten arbeite. "Man kann zwei Karrieren miteinander kombinieren, wenigstens in diesem Land", sagte die vielbeschäftigte Frau. "Von dem ganzen Medienrummel erhoffe ich mir, dass er wenigstens Jobs generiert", so Leis, die gern verstärkt im Ausland arbeiten würde.

Während sich die Sekretärin im frivolen Sinne unkonventionell gibt, ist ihr Chef eine der echten Ausnahmefiguren unter den Präsidenten dieser Welt.

Wegen seiner Zugehörigkeit zur linken Guerilla-Bewegung der Tupamaros wurde Mujica zweimal verurteilt und verbrachte einen Großteil seiner 14 Jahre Haft in einer Einzelzelle. Gleich zweimal gelang ihm die Flucht aus dem Knast. 1985 kam er dank einer Amnestie frei und wurde Gründungsmitglied der MPP, der Bewegung für die Beteiligung des Volkes. Bei der jüngsten Präsidentschaftswahl setzte er sich für das Mitte-links-Bündnis Frente Amplio mit 53 Prozent gegen den neoliberalen Gegenkandidaten und Ex-Präsidenten Luis Alberto Lacalle durch.

"Pepe" war in seiner Jugend begeisterter Radrennfahrer, der Legende zufolge auch mal Blumenzüchter. Er fährt einen betagten VW-Käfer und einen Opel Corsa - und hat sich auch sonst einige sozialistische Grundwerte bewahrt. Sein Präsidentengehalt von 12.500 US-Dollar im Monat soll Mujica angeblich zu 90 Prozent spenden, an kleinere Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen. Seinen Präsidentenwohnsitz hat er verkauft und den Erlös für den Bau einer Schule bereitgestellt.

Auch ansonsten geht es in Uruguay liberal zu: Das Land ist seit Einführung eines neuen Gesetzes Mitte Dezember der erste Staat der Welt, in dem die Regierung den Anbau, Verkauf und Konsum von Marihuana kontrolliert. José Mujica hatte die Initiative angestoßen. Seine Sekretärin fühlt sich in ihrer Heimat offenbar nicht frei genug. Nach der Aufregung um ihre Erotikfotos sagte sie leicht pikiert: "Leider gibt es in Uruguay keine Lebenskunst."

ala

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