Wut über US-Fernsehpsychologen: "Zu betrunken zum Twittern"

Fernseh-Therapeut "Dr. Phil": Kummerkasten-Onkel erzürnt Netzgemeinde Fotos
AP

Normalerweise beweist der US-Psychologe Phil McGraw in seiner TV-Sendung "Dr. Phil" jede Menge Feingefühl. Doch nun zog er den Zorn der Twitter-Gemeinde auf sich - mit einem anstößigen Tweet zum Thema Vergewaltigung.

Hamburg - Phil McGraw ist der Fernseh-Kummerkasten-Onkel der USA. Auf seiner Couch therapiert er erfolgreich übergewichtige Teenager und hysterische Ehefrauen. Er spendete schon den Opfern des Hurrikans im Jahr 2005 im Fernsehen Trost und erstellte Ferndiagnosen über Britney Spears. Mit großem Erfolg, seine Sendung "Dr. Phil" ist bei den Amerikanern fast so beliebt wie die Show von Über-Moderatorin Oprah Winfrey.

Mit seiner gutmütigen Erscheinung gilt der 66-Jährige als weitgehend familientauglich. Ein Mensch eben, dem man gerne seine Probleme anvertraut. Doch nun hat sich Dr. Phil einen Fauxpas geleistet, der so gar nicht zu seinem onkeligen Image passt.

Auf Twitter unterhält der Fernsehpsychologe seine Follower mit Lebensweisheiten. Zwischendurch versucht er, mit Fragen wie "Würdest du fremdgehen, wenn es nie jemand erfahren würde?" Material für seine Sendungen zu sammeln.

Doch nun wurde laut "Washington Post" von seinem Account ein Tweet abgesetzt, der bei vielen Menschen auf Kritik stieß: "Wenn ein Mädchen betrunken ist, ist es dann okay, Sex mit ihr zu haben? Antworte mit ja oder nein an @drphil #teensaccused."

"@DrPhil ist ein verdammter Feigling"

Es dauerte nicht lange, bis eine Welle der Empörung über ihn hereinbrach. "Wenn Dr. Phil betrunken ist, ist es dann ok für ihn zu twittern?", hieß es in einer der vielen Nachrichten. Der Tweet suggeriere, dass Vergewaltigung in Ordnung sei. Als der Protest wuchs, griff der Zeitung zufolge Dr. Phil oder sein Social-Media-Team zu dem einzigen Mittel, das einem Shitstorm noch mehr Wind gibt: Der Tweet wurde gelöscht.

Ein Schachzug, den die Twitter-Gemeinde prompt wütend quittierte. "@DrPhil ist ein verdammter Feigling und hat deswegen den Tweet gelöscht", heißt es in den netteren Kommentaren. Genützt hatte das Löschen ohnehin nichts, Screenshots von seinem Tweet machten die Runde.

Die Aufregung wurde immer größer, mehr als 2000 Menschen unterschrieben eine Online-Petition, in der der TV-Therapeut aufgefordert wird, sich zu entschuldigen. Schließlich sah sich das Team zu einer Stellungnahme genötigt. Der Tweet sei dazu bestimmt gewesen, eine Diskussion zu einem ernsten Thema in einer der kommenden Sendungen zu entfachen, teilte ein Sprecher dem Sender CNN mit. "Dr. Phil hat den Tweet gelöscht, in dem Moment, in dem er ihn gesehen hat." Man wolle sich dafür entschuldigen, dass der Post zweideutig gewesen sei.

Die Kritiker beruhigte das jedoch nicht. Die Entschuldigung sei nicht über seinen offiziellen Twitteraccount gelaufen. Und ohnehin: Eine persönliche Entschuldigung von Dr. Phil fehle nach wie vor.

gam

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