Vaterschaftsklage Leichnam von Schachspieler Fischer wurde exhumiert

Der Leichnam des US-Schachgenies Bobby Fischer ist in Island exhumiert worden. Der Grund: eine Vaterschaftsklage. Mit einer DNA-Probe soll geklärt werden, ob ein philippinisches Mädchen seine Tochter ist.

DPA

Reykjavik - Zu Lebzeiten machte Bobby Fischer mit seiner Genialität als Schachspieler Schlagzeilen, aber auch mit seiner Exzentrik und seinem an Verfolgungswahn grenzenden Argwohn. Vielfach bot Fischer Anlass zu Kontroversen, vor allem weil er sich - obwohl selbst Amerikaner jüdischer Herkunft - wiederholt antiamerikanisch und antisemitisch äußerte.

Auch nach seinem Tod sorgt Fischer für Aufruhr: Mit einer DNA-Probe soll nun geklärt werden, ob der Anfang 2008 auf Island gestorbene Schach-Star tatsächlich Vater eines Mädchens namens Jinky ist, wie deren philippinische Mutter Marilyn Young behauptet.

Zu diesem Zweck wurde Fischers Leichnam in Island exhumiert. Wie der Internetdienst NFI am Montag berichtete, haben die Behörden in der Stadt Selfoss damit eine Anordnung des Obersten Gerichtshofes des Landes ausgeführt.

1943 als Robert James in Chicago geboren, wurde Fischer achtmal hintereinander US-Champion. 1972 gewann er bei einem legendären Match gegen den Russen Boris Spasski den Weltmeister-Titel in Reykjavik - und wurde damit in den Zeiten des Kalten Krieges ein amerikanischer Nationalheld. Als Fischer drei Jahre später zu einem Turnier gegen Anatolij Karpow nicht antrat, wurde ihm der Titel aberkannt.

Fast 20 Jahre lang lehnte Fischer alle Partien ab, bis er 1992 mit einem Paukenschlag auf die öffentliche Bühne zurückkehrte: Er nahm gegen seinen alten Rivalen Boris Spasski am Spieltisch Platz - und zwar im damals wegen des Bosnienkrieges von den USA und vielen anderen westlichen Ländern geächteten und mit einem Embargo belegten Jugoslawien.

Weil er gegen die Sanktionen der USA verstoßen hatte und ihm dort die Verhaftung drohte, blieb er zuerst in Europa. Später lebte Fischer abwechselnd in Japan und auf den Philippinen. Dabei verwandelte sich der Amerikaner jüdischer Herkunft in einen USA-Hasser und Antisemiten. Die USA schlossen ihn aus dem Schachverband aus und erklärten seinen Reisepass für ungültig.

2004 wurde Fischer bei dem Versuch, Japan zu verlassen, festgenommen. Aber bevor er in die USA abgeschoben werden konnte, verlieh ihm das Parlament in Reykjavik im März 2005 per Gesetz die isländische Staatsangehörigkeit.

Fortan lebte Fischer zurückgezogen auf der Insel, wo er am 17. Januar 2008 an Nierenversagen starb.

siu/dpa/Reuters



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