Italien Venedigs erste Gondoliera ist jetzt ein Mann

Alexandra Hai war vor zehn Jahren die erste Frau am Ruder einer venezianischen Gondel. Nun mischt die Deutsche die 900 Jahre alte Branche erneut auf - als Mann. Der sagt: "Ich werde, wer ich bin."

Alex Hai (im März 2007)
DPA

Alex Hai (im März 2007)


Zehn Jahre ist es her, dass Alexandra Hai eine Revolution in Venedig auslöste. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa beschwörte 2007 einen "Sturm auf dem Canale Grande" und warnte vor Hais Einbruch in die männliche Berufsdomäne. Nach jahrelangem Kampf begann Hai damals, als Gondelfahrerin in der Lagunenstadt zu arbeiten. "Es ist das erste Mal, dass eine Vertreterin des schönen Geschlechts mit der Gondel Touristen befördern darf", schrieb Ansa damals.

Seitdem hat Hai den seit 900 Jahren von Männern dominierten Berufsstand aufgemischt - und tut es nun erneut: Die Deutsche hat ihr bisheriges Geschlecht abgelegt. Aus Alexandra wurde Alex. Das verriet er zwei Reportern des New Yorker Senders Radiolab, die sich eigentlich nach dem Leben der Alexandra Hai erkundigen wollten.

Als Hai zehn wurde, bekam er einen kleinen Bruder, wie er den Journalisten erzählt. "Das war ein Schock, weil es bestätigte, dass meine Mutter gern einen Jungen gehabt hätte, mich aber nicht als ihren Sohn akzeptierte." Dabei habe sich schon das Mädchen Alexandra von klein auf als Junge gefühlt, im Stehen gepinkelt und den Barbies die Arme rausgerissen.

"Ich werde, wer ich bin"

"Es war ein Drama zu Hause, der konstante Versuch meiner Mutter, mein Verhalten aus mir rauszubekommen", sagte Hai dem Sender. Die Eltern, beide Ärzte, hätten darum gewusst. "Aber sie unterstützten mich nicht." Hai riss von zu Hause aus, schlug sich in Hamburg-St.Pauli durch, hatte einen Job beim Film. In Venedig war er von den Gondeln und dem Beruf der Gondoliere fasziniert.

Mit 35 schließlich durfte Hai die Gäste einer kleinen Hotelkette befördern. Der stolze Titel "Gondeliere" blieb Alexandra nach mehreren durchgefallenen Fahrprüfungen jedoch verwehrt.

Der Kampf gegen die Männer, die ihn stets belächelt hätten, machte müde, wie er Radiolab sagte. Es folgten eine Testosteronbehandlung, eine Operation, die Namensänderung. "Ich ändere mich nicht, ich werde, wer ich bin", erklärt Hai die Geschlechtsumwandlung seinen Kunden. "Die Menschen sehen mich als ersten weiblichen Gondoliere, da musste ich etwas dazu sagen."

Was die Geschlechtsumwandlung für seinen Job bedeutet, sagt Alex, wisse er noch nicht. Ob die Kunden ihn nun als Mann akzeptieren? Eine neue Schlacht schlagen wolle er nicht, sagt er. "Aber wenn es nötig wird, kann ich es."

apr

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