Verkommene Filmbranche Armin Mueller-Stahl macht Schluss

Exorbitante Gagen, miserable Schauspieler - so sieht die schillernde Welt der Filme inzwischen aus, findet der Schauspieler Armin Mueller-Stahl. Er will da nicht mehr mitmachen. Noch zwei, drei Rollen, dann sei für ihn Schluss, erklärte der 75-Jährige der "BamS".


Hamburg - "Ich spiele noch zwei, drei Rollen, dann sage ich der Schauspielerei Adieu", sagte Schauspieler Armin Mueller-Stahl der "Bild am Sonntag". Er müsse nicht mehr mit hängender Zunge von einem Film zum nächsten rennen und auch niemandem mehr beweisen, dass er noch gut im Geschäft sei, so der 75-Jährige. Der ehemalige DDR-Bürger, der inzwischen an der kalifornischen Pazifikküste lebt und auch die US-Staatsbürgerschaft hat, der Malerei, will sich dann ganz der Musik und der Förderung junger Künstler widmen.

Ausnahmetalent Mueller-Stahl: "Das hat mit meiner Auffassung des Berufes nichts zu tun"
DPA

Ausnahmetalent Mueller-Stahl: "Das hat mit meiner Auffassung des Berufes nichts zu tun"

So wie die Schauspielerei heute funktioniere, könne er sie nicht ernst nehmen, erklärte Mueller-Stahl: "Wenn ich jemanden von der Straße hole, in eine Serie setze, und der wird anschließend berühmt, hat das mit meiner Auffassung dieses Berufs nichts zu tun." Bizarr sei auch, wenn US-Stars 30 Millionen Dollar pro Film verlangen könnten. Seien sie außerdem am Verkauf beteiligt, kämen sie auf 300 Millionen Dollar. "Und es ist vollkommen absurd, dass ein Produzent noch viel mehr verdienen kann", beschwerte sich Mueller-Stahl.

Der gebürtige Ostpreuße aus Tilsit wurde in der DDR zunächst als Star gefeiert, in den sechziger und siebziger Jahren wurde er dort zum bestbezahlten und beliebtesten Schauspieler mit rund 60 Hauptrollen in Kino- und Fernseh-Filmen. Damals wurde der examinierte Konzertgeiger mit Auszeichnungen geradezu überschüttet. Doch mit der Gunst der DDR-Oberen war es Ende 1976 schlagartig vorbei, als Mueller-Stahl zu den prominentesten Unterzeichnern der Resolution gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann gehörte. Danach gab es erstmal keine Rollenangebote mehr, immerhin aber konnte Mueller-Stahl 1980 vom Osten in den Westen Berlins übersiedeln.

Dort konnte er seine Karriere fast nahtlos fortzusetzen. Bereits 1981 hatte er ein dankbare Rolle in Rainer Werner Fassbinders Film "Lola", wo er einen "pedantischen Moralisten" spielte. Vor einigen Jahren verkörperte er in dem mehrteiligen Fernsehfilm "Die Manns" den Schriftsteller Thomas Mann. Auch ausländische Regisseure engagierte das dramatische wie komödiantische Talent oft genug, um ihm - knapp 60-jährig - noch den Weg nach Hollywood zu bahnen.

1989 gab er dort in dem Justiz-Drama "Music Box" sein Debüt. Von da an war Mueller-Stahl immer wieder in amerikanischen Produktionen zu sehen, meist jedoch nur in Nebenrollen. Auch der Schauspieler selbst gesteht ein: Vor allem das angenehme kalifornische Klima und die Gewissheit, in der Ferne "neue Freunde ohne DDR-Vergangenheit" gefunden zu haben, gaben den Ausschlag für die Wahl der neuen Heimat.

ase/AP



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