Schauspülerin Veronica Ferres macht Putzen "tierisch" Spaß

Emanzipation oder was? Während Menschen auf der ganzen Welt für ein neues Frauenbild kämpfen, schickt Veronica Ferres uns in einem Interview auf eine skurrile Zeitreise.

imago/ Michael Wigglesworth

Schauspielerin Veronica Ferres hat der "Neuen Osnabrücker Zeitung" verraten, dass ihr Putzen "tierisch" Spaß macht. "Das Erfolgserlebnis ist doch so groß - man sieht ja sofort, wie schön und anders es danach aussieht", sagte die 52-Jährige. Am liebsten möge sie Staub wischen und Böden reinigen.

So weit könnte man ja noch meinen, Ferres würde einfach über eine persönliche Leidenschaft ins Schwärmen geraten. Warum auch nicht. Manche lieben Fußball, andere Sticken oder Gruppenkuscheln im Tierkostüm. Doch dann dreht die Schauspielerin die Uhr mit leichter Hand auf die Fünfzigerjahre zurück, beschreibt ihr Verhältnis zu ihrer Küchenspüle und erklärt auch direkt, was die Optik des Waschbeckens über sie - ja, über alle (Haus-)Frauen - erzähle.

Die Handschrift einer Hausfrau

"Meine Mutter hat immer gesagt: Die Handschrift einer Hausfrau erkennst du daran, wie ihre Spüle aussieht", sagte Ferres. Und legt nach: Bei ihr fänden sich keine Essensreste in der Spüle.

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Fotostrecke: Ferres und das Geheimnis der Spüle

Einen kleinen Trumpf hat Veronica Ferres trotzdem in der Hinterhand: Sie habe eine "großartige Haushälterin, die mir den Rücken freihält, aber ich kann auf das alles auch verzichten." Was ihre Mutter dazu sagen würde, verrät sie nicht.

Als Tochter einer Marktverkäuferin und eines Kohlen- und Kartoffelhändlers in Solingen habe Ferres immer schon im Haushalt anpacken müssen. In der Küche musste sie helfen, "seit ich über den Herd gucken konnte". Sobald sie aus der Schule gekommen sei, habe sie Kartoffeln schälen und kochen, den Tisch decken, Salate oder auch mal Soßen machen müssen.

In ihrem neuen Film "Unter deutschen Betten" spielt Ferres ein Schlagersternchen, das sich nach einer gescheiterten Karriere mit Putzen über Wasser halten muss. Ob Ferres sich mit dieser Rolle identifizieren konnte? Im Interview klingt sie ein bisschen wie eine gescheiterte Hausfrau, die sich als Schauspielerin durchschlagen muss.

bma/afp

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
dbrown 01.10.2017
1. Als wenn
diese Frau zuhause einen Finger krümmen würde. Wer in dieser Finanzklasse noch selber Staub wischt hat etwas falsch gemacht.
nesmo 01.10.2017
2. 2. Versuch
Ein großartiger Artikel. Frau Ferres ist gar keine Schauspielerin sondern eine sogenannte Hausfrau, die wie alle Hausfrauen dauernd vom Putzen träumt. Ihre Rolle in dem neuen Film hat sie auch nur deshalb angenommen, weil sie dort allen Hausfrauen aus dem Herzen sprechen kann. Dies phantastisch entlarvende Interview sagt ja nun alles.
Newspeak 01.10.2017
3. ...
Hach, diese Frauengeschichten. Da emanzipiert man sich 24/7 und dann kommt eine Geschlechtsgenossin daher und brabbelt alles wieder in Grund und Boden. Aber vermutlich werden sich andere Frauen nur so auf das Interview stuerzen. Wenn die Emanzipation je erfolgreich sein wird, dann wird man das daran erkennen, dass Frauenzeitschriften verschwinden. Sieht aber nicht danach aus, als ob das jemals passieren wird.
karlheinzhepperle 01.10.2017
4. Schöne Lügenwelt
Das ist doch nur Marketing für ein weiteres ihrer Filmchen, die die Welt nicht braucht. Damit werden die einfachen Menschen in diesem Land vorgeführt. In Wirklichkeit macht sie keinen Finger krumm, sondern last sich bedienen während ihr Ehemann Menschen abzockt und rücksichtslos ins Elend treibt. Selbst der Staat wird mit Cum-Ex Deals um Millionen betrogen. Schön dass wenigstens die Kommentarfunktion aktiv ist damit deren Scheinwelt nicht unkommentiert verbreitet wird.
Larnaveux 01.10.2017
5.
Was für ein belangloser Artikel. SPON bedient Themen der Yellow Press, aber natürlich politisch korrekt, indem deutlich gemacht wird, dass auch nur jeglicher Anschein, dass einer Frau auch nur annähernd Teile von Hausarbeit Spaß machen könnten (Konjunktiv), sofort als verrufen und antiemanzipatorisch dargestellt wird. Und das geht natürlich gar nicht im heutigen Mainstream, in dem Menschen nur so zu sein haben, wie es eben der Mainstream möchte. Früher hat man sich darüber aufgeregt, dass Frauen die Heimchen am Herd zu sein haben (zu Recht), aber heute müssen Frauen Vollpowerwesen sein, die natürlich locker Beruf und ggf. Mutterschaft unter einen Hut bekommen, beides natürlich zu 150% (und wenn nicht, ist die Gesellschaft Schuld). Was mich wirklich aufregt, ist, dass offenbar der Mainstream niemals mehrere Lebensmodelle akzeptiert, ganz losgelöst davon, wie realistisch das Bild einer putzenden und schrubbenden Veronica Ferres nun sein mag. Gleichzeitig frage ich mich, wer hat denn das Interview eigentlich in Gänze gelesen? Die Fragen kamen übrigens nicht von Frau Ferres, sie hat das Thema also nicht gelenkt, nur ihre Antworten werden nun genüsslich ausgebreitet, und das ist einfach nur schlechter Journalismus durch SPON. Man fragt sich auch: Darf eine emanzipatorische Frau überhaupt putzen? Oder ist sie so erfolgreich, dass sie eine Putzfrau (halt, ist ja auch eine Frau, also eher einen Putzmann) haben muss? Dürfen Spülen im Haushalt einer emanzipatorischen Frau nicht sauber sein? Und bin ich jetzt richtig, wenn ich als Mann zu Hause das Klo putze, und meine Frau auch? Fragen über Fragen nach einem überflüssigen Ich-erkläre-Euch-wie-die-Welt-zu-sein-hat-Mainstream-Artikel.
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