Victoria's-Secret-Show in London Das Apple der Schlüpferindustrie

Die Wäschemarke Victoria's Secret weiß genau, wie das Verkaufen von Träumen funktioniert: teuer sein, glamourös tun, aber massentauglich bleiben. Alle haben was davon. Das Unternehmen, der Konsument und auch wir. Sie werden sicher gleich lesen - äh, schauen.

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London - Man kann die Modenschau als nettes Spektakel betrachten: hübsche Frauen in hübscher Unterwäsche, etwas Harmloses fürs Auge. Man kann in der Modenschau auch den Inbegriff der Oberflächlichkeit sehen: dürre Models in knappsten Outfits, etwas Sexistisches zum Aufregen. Victoria's Secret polarisiert. Und das kann dem Unternehmen nur Recht sein, denn es garantiert Aufmerksamkeit. Mit den funkelnden BHs, den spitzenverzierten Höschen und riesigen Flügeln ist die Modenschau vor allem eins: ein sehr lukratives Geschäft. Für die Models, für die Firma.

47 Frauen waren an diesem Abend auf dem Laufsteg in London zu sehen. Wer für das Unternehmen engagiert wird, darf sich Engel nennen. Sie sind damit erhaben, sie sind oben angekommen. Der Laufsteg als Modeolymp. Bevölkert von langhaarigen Frauen mit durchtrainierten Körpern.

Die Größten der Branche reißen sich um einen Platz in dieser Riege. Tyra Banks. Karolina Kurkova. Gisele Bündchen. Adriana Lima. Miranda Kerr. Sie alle schmücken sich mit dem Titel. Und die Deutsche Heidi Klum wurde zwar nie für die großen Couture-Schauen gebucht, aber als Victoria's-Secret-Engel hat sie jahrelang funktioniert: breit grinsend, in die Kamera zwinkernd, Luftküsse hauchend. So tun, als würde auf dem Laufsteg gerade die Party des Jahres steigen - das müssen die Engel perfekt beherrschen.

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Show von Victoria's Secret: Die Engel laufen wieder
Dass die Unterwäsche-Schau selbst für erfahrene Topmodels ein Ereignis ist, war auch in den vergangenen Wochen zu beobachten. Via Twitter und Instagram verbreiteten die Frauen Fotos aus Fitnessstudios, vom Workout im knappen Trainingsoutfit. Jeder soll sehen, wie hart es ist, ein Engel zu sein. Noch wenige Stunden vor Beginn der Londoner Schau schrieb Model Lily Aldridge: "Heute ist der große Tag" und postete dazu ein Foto von sich und Kollegin Doutzen Kroes aus dem Fitnessraum. Karlie Kloss schrieb, sie habe eben noch ein Mitternachts-Workout eingelegt, um sich auf die Show vorzubereiten: "Einsatz... oder Wahnsinn?"

Die Show ist ein Spektakel, das auch im US-Fernsehen übertragen wird. Auf der Homepage des Unternehmens lief ein Countdown, der die Minuten bis zur Ausstrahlung herunterzählte. Im vergangenen Jahr, als Model Candice Swanepoel den Zehn-Millionen-Dollar-Fantasy-Bra präsentierte, schalteten rund zehn Millionen Zuschauer ein. In Deutschland wird die Laufstegschau am 21. Februar im Pay-TV zu sehen sein.

Taylor Swift darf zweimal ran

Für das Unternehmen zahlt sich die PR aus. Es wurde 1977 gegründet, inzwischen gehört die Firma zum börsennotierten Konzern Limited Brands. Im vergangenen Jahr machte Victoria's Secret eigenen Angaben zufolge 6,7 Milliarden Dollar Umsatz und erreichte 390 Millionen Kunden. Wer will nicht gern ein Engel sein?

Der Besuch in einer der Filialen ist allerdings ein sehr irdisches Vergnügen und - abgesehen von den Preisen - sehr gewöhnlich. Verkauft werden bei schummrigem Licht Spitzenwäsche, Baumwoll-Pantys, Bodylotion, Schlafanzüge. Da wird jede fündig.

Die jährliche Modenschau findet ganz bewusst in der Vorweihnachtszeit statt, üblicherweise in New York, jetzt zum ersten Mal in London. Laut "Stern" kostet die Show etwa 15 Millionen Dollar, Eintrittskarten würden meist unter der Hand gehandelt - für mindestens 12.500 Euro. Dafür bekommen die Zuschauer neben Models und Mode auch noch Musik geboten. In der Vergangenheit waren schon Justin Bieber, Rihanna, Jay-Z, Justin Timberlake oder Seal dabei.

Dieses Mal hatte unter anderem Taylor Swift erneut die Ehre - als erste Sängerin wurde sie zweimal hintereinander engagiert. Nach ihrem ersten Auftritt für Victoria's Secret twitterte sie: "Wahnsinn. Glitzernder Laufsteg. Ist dies das echte Leben?" Ist es nicht.

aar

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