Starfriseur Vidal Sassoon tot: Der Friseur, der die Frauen befreite

Vidal Sassoon erfand den "Bob" und gilt als Revolutionär der Haarmode. Der Starfriseur, Unternehmer und Mäzen starb nun im Alter von 84 Jahren in Los Angeles. Seine große Errungenschaft: Er behandelte Haar wie Stoff - und erfand Schnitte, die das Frisieren überflüssig machten.

Starfriseur Sassoon: Der Erfinder des "Bob" Fotos
Getty Images

Los Angeles - Die Geschichte der modernen Friseurkunst kennt zwei Epochen: Die Jahre vor und die Jahre mit Vidal Sassoon. In der alten Zeit machten heiße Trockenhauben, ziepende Toupierkämme, juckende Lockenwickler und zementierendes Haarspray den Gang zum Friseur für Millionen Frauen zur Tortur. Dann tauchte Vidal Sassoon mit der Schere in der Hand auf und sorgte für die große Befreiung auf den Köpfen. Der Brite revolutionierte die Haarmode. Am Mittwoch starb Sassoon im Alter von 84 Jahren in Los Angeles. Nach Informationen der "Los Angeles Times" litt er an Leukämie.

Als Sassoon sein Handwerk lernte, trugen die Frauen ihr Haar hochgesteckt, die Frisuren waren überladen. Sassoon befreite die Frauen von dieser Last, seine Kreationen waren einfach, leicht zu pflegen und trotzdem schick. Die Sechziger waren das Jahrzehnt, in dem die Frauen sich aus der Unterdrückung zu befreien begannen - und Sassoon lieferte die Haarschnitte dafür. "Er hatte ein perfektes Gespür für den richtigen Moment", sagte Linda Wells, Chefredakteurin der Modezeitschrift "Allure". "Sassoon war ein wirklicher Feminist."

Nachdem er 1948 als freiwilliger Soldat im israelischen Unabhängigkeitskrieg gekämpft hatte, kehrte Sassoon nach England zurück und widmete sich ganz der Friseurkarriere. Mitte der fünfziger Jahre eröffnete er den ersten Laden in der mondänen Bond Street. Schnell wurden seine stark konturierten Schnitte berühmt, er verhalf Mary Quant zu einem neuen Look, sie war als Modedesignerin der Star ihrer Zeit und machte den Minirock berühmt.

Geometrische Schnitte, neue Techniken

"Ich hatte die Idee, Frisuren eine Kontur zu geben, das Haar wie Stoff zu behandeln und alles wegzulassen, was überflüssig war", sagte Sassoon 1993. "Die Frauen gingen zurück zur Arbeit, kämpften für ihre Rechte und hatten keine Zeit mehr, ewig unter der Trockenhaube zu sitzen."

Lange experimentierte er mit neuen Schneidetechniken und geometrischen Schnitten. Sassoons Interesse galt nicht nur den Haaren, auch Kunst und Architektur - vor allem der Bauhaus-Stil - hatten es ihm angetan. "Mein Traum war das Haar im Reich der Geometrie: Quadrate, Dreiecke, Rechtecke und Rhomben." Mit dem "Bob" setzte er diese Vision um, sie wurde sein größter Erfolg.

Anfang der sechziger Jahre schuf Sassoon den aufsehenerregenden Haarschnitt mit gerader, kinnlanger Konturlinie - flippig und einfach zugleich. Die "Schüttelfrisur" wurde zum perfekten Accessoire der Swinging Sixties und ist bis heute eine der häufigsten Anfragen in den Salons der Welt.

Mia Farrows Haare machten ihn berühmt

1966 entwickelte Sassoon einen lockigen Look, für den er sich von Clara Bow inspirieren ließ, einem Filmstar der zwanziger Jahre. Hollywood-Produzenten ließen ihn daraufhin von London nach Los Angeles einfliegen, um Mia Farrow die Haare für "Rosemary's Baby" zu machen. Mit Aktionen wie dieser, für die Sassoon die damals astronomische Summe von 5000 Dollar erhalten haben soll, festigte er seinen Ruhm als Starfriseur.

Sassoon erwies sich nicht nur als Trend-Genie, sondern entwickelte sich auch zum cleveren Geschäftsmann. Er eröffnete erfolgreiche Geschäfte in den USA, gründete eine internationale Salonkette, mehrere Friseurakademien, kreierte 1974 eine Haarpflegeserie - und wurde selbst zum Multimillionär. Stars zahlten viel für einen Schnitt beim Maestro. Sassoons wohlklingender Name wurde zur Marke und war bald hauptsächlich als Shampoo bekannt.

Mit seiner vierten Frau Rhonda, die er 1992 geheiratet hatte, lebte Sassoon in Los Angeles. In den vergangenen Jahren war es still geworden um den Herrn mit dem silbergrauen Haar.

"Ich war und bin ein großer Fan von Vidal Sassoon. Er hat uns Friseuren viel geholfen und viel gelehrt", sagte der Berliner Starfriseur Udo Walz über den Tod des Kollegen. Sassoon sei der erste gewesen, der auf Lockenwickler und Dauerwelle verzichtet habe. "Er hat mit seinen spektakulären Schnitten die Friseurszene total umgewandelt."

jbr/dapd

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Viel Älter
Despair 10.05.2012
Der Bob ist keine Erfindung von Sassoon. Er wurde um die Jahrhundertwende entwickelt und war vor allem in den 20ern sehr beliebt. Sassoon had ihn aufgegriffen (wofür ihm sicher auch der im Text erwähnte Dank gehört) und sicher auch viele Varianten hinzugefügt, aber er ist nicht der Erfinder des Bob.
2.
Celestine Trueheart 10.05.2012
Minimale Recherche bei SPON wäre doch wieder mal fällig gewesen. Der bob cut war mitnichten die Erfidung von Vidal Sassoon, er hat nur seine eigene Version kreiert. Bob cut - Wikipedia, the free encyclopedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Bob_cut)
3. ....
retmar 10.05.2012
Zitat von sysopEr... erfand Schnitte, die das Frisieren überflüssig machten.
Sagen wir mal so: er wollte vielleicht die Frauen befreien. . Wenn man den Farben- und Formkult beobachtet, den die Frauen um ihre Zotteln machen, nur um den tatsächlichen Zustand dieser zu verbergen, dann ist das Frisieren ein wichtiges und wesentliches Bedürfnis der Damenwelt. Es liegt, sozusagen, in der weiblichen Natur.
4. Befreiung?
airbubble 10.05.2012
Zitat von sysopVidal Sassoon erfand den "Bob" und gilt als Revolutionär der Haarmode. Der Starfriseur, Unternehmer und Mäzen starb nun im Alter von 84 Jahren in Los Angeles. Seine große Errungenschaft: Er behandelte Haar wie Stoff - und erfand Schnitte, die das Frisieren überflüssig machten. Vidal Sassoon ist gestorben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,832378,00.html)
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern habe ich den Eindruck, dass diese Kurzhaarfrisur in Deutschland für Frauen, die älter als 40-45 Jahre sind sehr beliebt ist. Ich frage mich allerdings immer warum? Persönlich finde ich Frauen jenseits der 45 Jahren mit langen Haaren sehr attraktiv und weiblich. Glauben möglicherweise Frauen ab 45 in Deutschland, dass sie ihre Weiblichkeit verstecken müssen oder gar nicht mehr weiblich sind/sein dürfen? Oder gar, dass lange Haare ein Zeichen geringer Emanzipation ist? Ich hoffe doch sehr, dass letzteres nicht der Fall ist. Wäre schade das Thema Emanzipation auf äußere Merkmale zu reduzieren...
5.
mocki 10.05.2012
Diese Schnitte machen nicht das frisieren überflüssig, diese Schnitte kann man nicht mal mehr durch frisieren retten.
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