Volksmusik-Entzug Outlaw Heino fordert ZDF und GEZ heraus

Der Volksmusikanhänger gilt als konservativ, wenig aufmüpfig, geradezu harmoniesüchtig. Er kann auch anders. Heino, Lichtgestalt der Szene, ruft die Fans des Mitschunkel-Liedgutes zur Revolte auf - weil das ZDF eine Blasmusikshow aus dem Programm kippen will.

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Hamburg - Solche Töne ist man von Heino nicht gewohnt. Der Interpret so eingängiger Weisen und Wahrheiten wie "Ja, ja so blau, blau, blau ist der Enzian" oder "Schwarzbraun ist die Haselnuss" mobilisiert die Anhänger der Volksmusik zum Volksaufstand.

Stein des Anstoßes ist die trachten-trächtige Schunkelshow "Die lustigen Musikanten", die das ZDF nach 36 Jahren aus dem Programm kippen will - der Sender hat die betagteste Zuschauerstruktur aller TV-Kanäle und sucht sich zu verjüngen.

Zuvor war bereits einer Ikone des Schlagerwesens der Sendesaft abgedreht worden. Dieter Thomas Heck, 69, Moderator der "Goldenen Stimmgabel" und "Melodien für Millionen", wurde in den Ruhestand geschickt.

Zwei Maßnahmen, die den populärsten Volksmusikstar Deutschlands auf den Plan rufen. Heino, 68, animierte heute per "Bild"-Zeitung dazu, einen Euro der GEZ-Gebühr einzubehalten, um so zum Ausdruck zu bringen, dass das ZDF seine programmatischen Entscheidungen gegen den Willen der Gebührenzahler fälle. Er selbst werde den Euro ebenfalls einbehalten.

"Gerade die älteren Zuschauer über 60 sind es doch, die dem ZDF bei Volksmusiksendungen immer hohe Einschaltquoten gebracht haben. Volksmusik darf im Fernsehen nicht in die Ecke gestellt werden", sagte Heino der "Bild"-Zeitung.

"Wir können uns nicht vorstellen, dass Heino das macht"

Achtung, Heino! Wie ARD-Sprecher Christian Bauer gegenüber SPIEGEL ONLINE betont, begibt sich der sonnenbebrillte Publikumsliebling mit dieser Aktion ins Schattenreich der Rechtswidrigkeit. "Derjenige, der Rundfunkgeräte zum Empfang bereit hält und die fällige Rundfunkgebühr ganz oder teilweise nicht leistet, begeht eine Ordnungswidrigkeit." Und: "Wer zu einer Ordnungswidrigkeit aufruft, handelt bereits ordnungswidrig."

Beim ZDF mag man nicht glauben, dass ein rechtschaffener Verwahrer deutschen Liedgutes zum Outlaw wird. "Wir können uns nicht vorstellen, dass Heino das wirklich macht", sagt ZDF-Sprecher Peter Bogenschütz SPIEGEL ONLINE. Schließlich begehe Heino mit seinem Aufruf ganz klar einen Rechtsverstoß. Es gebe keinen Rechtsanspruch auf irgendein Programm: "So einfach kann der Rundfunkteilnehmer nicht aus der Gebühr aussteigen."

Es scheint überdies fraglich, ob Heino eine breite Phalanx revoltierender Kollegen hinter sich scharen kann. Jürgen Evers, Manager des Volksmusik-Duos "Marianne & Michael", die die "Lustigen Musikanten" moderieren, äußert sich SPIEGEL ONLINE gegenüber vorsichtig: "Unsere Verhandlungen mit dem ZDF laufen noch. Wir beteiligen uns nicht an der Debatte und werden kein Öl ins Feuer gießen."

Auf Unterstützung kann Heino zumindest bei einer Hälfte der ob ihres Körperumfangs und putziger Kostümierung ungemein beliebten "Wildecker Herzbuben" rechnen. "Ich gehe mit Heino konform", sagt "Herzbuben"-Sänger Wilfried Gliem SPIEGEL ONLINE. "Es ist eine Schweinerei, dass das ZDF alleine entscheidet, was die Zuschauer sehen wollen. Nur weil irgendwelche Marktforschungserhebungen ergeben, dass das Publikum, das Volksmusik mag, nicht in die werberelevante Gruppe fällt – das mag ja auch so sein, aber die zahlen doch auch die Gebühren! Es ist nicht zu begreifen, was die Sender für Entscheidungen fällen, die Einschaltquoten belegen doch, dass Volksmusiksendungen gern gesehen werden."

Gliem befürchtet Konsequenzen für seinen blonden Kollegen: "Dass Heino zum Protest aufruft, ist gut, aber ich bezweifle, dass das der richtige Weg ist. Das wird vielleicht auch juristische Folgen haben." Dann fügt er wacker hinzu: "Meine Unterstützung hat Heino trotzdem."

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