Vorwurf der Vergewaltigung: Kachelmann wird Haftrichter vorgeführt

Von Simone Utler

Jörg Kachelmann beteuert seine Unschuld, doch der Vorwurf wiegt schwer: Der Moderator soll seine langjährige Freundin vergewaltigt haben. Ihr Anwalt präzisierte nun die Anschuldigungen. Jetzt entscheidet der Haftrichter, ob der Wetterexperte freikommt.

Mannheim - Es steht Aussage gegen Aussage: Jörg Kachelmanns langjährige Freundin hat ihn wegen Vergewaltigung angezeigt, die Anwälte des 51-Jährigen weisen die Vorwürfe als "frei erfunden" zurück. Und doch sitzt der populäre TV-Wetterexperte in Untersuchungshaft, seit Samstag.

Die Staatsanwaltschaft und das Amtsgericht Mannheim sehen einen dringenden Tatverdacht. "Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Angaben der Frau stimmen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Grossmann, SPIEGEL ONLINE. Die Frau sei ausführlich vernommen worden. "Sowohl die Polizei als auch das Gericht schätzen ihre Aussage als glaubhaft ein", so der Staatsanwalt.

Der Aussage zufolge soll Kachelmann mehrere Jahre mit der Frau zusammengewesen sein und sie Anfang Februar nach einem Streit in ihrer Wohnung im Rhein-Neckar-Kreis mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Kachelmanns Anwälte, die am Montag Akteneinsicht erhalten hatten, erklärten am Dienstagnachmittag, ihr Mandant sei unschuldig.

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Jörg Kachelmann: Die Karriere eines Wettermanns
Die Landespolizei Hessen hatte den Journalisten und Moderator am vergangenen Samstag am Frankfurter Flughafen bei der Einreise verhaftet. Am Mittwoch um 10.30 Uhr kommt er nun vor den Haftrichter, bestätigte ein Sprecher des Amtsgerichts Mannheim.

Der Vorwurf wird nach Angaben des Anwalts der Frau durch eine gerichtsmedizinische Untersuchung erhärtet. "Meine Mandantin ging unmittelbar nach der Tat zur Polizei und erstattete Anzeige", wird Strafrechtler Thomas Franz in der "Bild"-Zeitung zitiert. Bei einer Untersuchung in der Gerichtsmedizin seien die Vergewaltigung und Verletzungen festgestellt worden, so der Anwalt in dem Blatt.

Die Staatsanwaltschaft wollte zu einer gerichtsmedizinischen Untersuchung keine Auskunft geben. Üblicherweise sei es so, dass Polizei oder Staatsanwaltschaft die Gerichtsmedizin beauftragen könne, wenn der Verdacht auf eine Tat bestehe, sagte Staatsanwalt Grossmann SPIEGEL ONLINE.

Fluchtgefahr wegen hoher Strafandrohung

Dass Kachelmann in Untersuchungshaft sitzt, begründet die Staatsanwaltschaft mit Fluchtgefahr - vor allem aufgrund des möglichen Strafmaßes. "Für Vergewaltigung drohen zwei bis 15 Jahre", so Grossmann. Außerdem komme hinzu, dass der Schweizer Journalist in Deutschland keinen festen Wohnsitz habe. Vermutlich, so Grossmann, wäre aber angesichts der Höhe des möglichen Strafmaßes auch dann ein Haftbefehl ausgestellt worden, wenn ein Verdächtiger einen festen Wohnsitz in der Region habe. Weder Kachelmanns Strafverteidiger Reinhard Georg Birkenstock noch sein Medienanwalt Ralf Höcker waren am Dienstag für eine direkte Stellungnahme zu erreichen, sie gaben am Nachmittag lediglich folgende gemeinsame Presseerklärung ab:

"Jörg Kachelmann ist unschuldig. Er hat die ihm vorgeworfene Tat nicht begangen. Herr Kachelmann setzt auf die Objektivität von Staatsanwaltschaft und Gericht und wird vorläufig nur diesen gegenüber Stellung zu den konkreten Tatvorwürfen beziehen. Insbesondere wird er nicht der Unsitte folgen, nun eine mediale Schlammschlacht zu beginnen, denn hierunter würden alle Beteiligten nur noch zusätzlich zu leiden haben. Am morgigen Mittwoch wird sich Herr Kachelmann gegenüber Staatsanwaltschaft und Gericht umfassend zu den Vorwürfen äußern."

Opfer-Anwalt Thomas Franz präzisiert die Anschuldigungen am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Tat, so Franz, folgte "spontan, unvermittelt und unvorhersehbar" einer Diskussion und Streitigkeiten. Zuvor habe es in der Beziehung nie Gewalttaten gegeben. "Die Partnerschaft bestand über elf Jahre. Es war der Lebensgefährte meiner Mandantschaft, und es kam für sie völlig überraschend. Sie ist völlig verzweifelt darüber, dass die Partnerschaft so ihr Ende gefunden hat", so Franz.

Gleichzeitig nahm er seine Mandantin in Schutz: "Es gibt eine Vielzahl von Unterstellungen, sie würde das machen, um Geld abzuziehen, ... aus verschmähter Liebe, aus Rache". Doch man dürfe davon ausgehen, dass der Haftrichter "nicht einfach so auf Zuruf" einen Haftbefehl erlasse - "gerade wenn es sich um eine so bedeutende Persönlichkeit handelt", so Franz.

"Wettermän" engagierte sich gegen häusliche Gewalt

Kachelmann machte sein Hobby, die Meteorologie, 1990 zum Beruf. Er gründete in Bächli bei St. Gallen den Wetterdienst Meteomedia, der SWR engagierte den autodidaktisch ausgebildeten Meteorologen als "Wettermän", mit dem Start des ARD-Frühstücksfernsehens im Jahr 1992 begann seine Fernsehkarriere. Kachelmann baute sein Unternehmen zu einem der größten privaten Wetterdienstleister in Europa aus, mit inzwischen rund 100 Mitarbeitern. Mittlerweile produziert Meteomedia unter anderem Wetterberichte für die ARD.

Kachelmann versuchte sich auch in der TV-Unterhaltung: Einige Jahre moderierte er die MDR-Talkshow "Riverboat". Keinen Erfolg hatte er als Quizmaster, als er 1998 die Neuauflage der legendären Show "Einer wird gewinnen" übernahm, die Hans Joachim Kulenkampff berühmt gemacht hatte.

Der 51-Jährige setzte sich in der Vergangenheit gegen häusliche Gewalt ein. Mitte Dezember hatte der Wetterexperte in Berlin beim Start einer Kampagne gegen die Misshandlung von Kindern ein Plakat mit der Aufschrift "Gewalt hinterlässt Spuren" präsentiert.

Die Wettermoderationen in der ARD wird in dieser Woche Claudia Kleinert für Kachelmann übernehmen, wie die ARD-Programmdirektion in München mitteilte. Über den Moderationsplan der kommenden Woche sei noch nicht entschieden.

mit Material von dpa, apn, Reuters

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