Prominente zum Wahl-Ausgang "Heult nicht rum"

Wut, Ekel, Entsetzen: Prominente Clinton-Fans zeigen sich nach dem Wahlsieg Trumps schockiert. Sängerin Katy Perry will aber nicht resignieren.


Nicht überrascht, aber entsetzt - so könnte man die Mehrzahl der Reaktionen von Prominenten nach der US-Präsidentschaftswahl zusammenfassen. "Die Welt wird nie wieder dieselbe sein", schrieb Sängerin Cher auf ihrem Twitteraccount. Trump sei nicht mehr wert als die Toilette, die sie für ihn bei Twitter immer als Symbol gewählt habe. Schon während des Wahlkampfs hatte Cher betont, wenn Trump Präsident werde, müsse sie "den Planeten verlassen".

Im Wahlkampf hatte die Demokratin Hillary Clinton deutlich mehr Stars auf ihrer Seite als Trump. Mehrere Prominente hatten wie Cher angekündigt, das Land zu verlassen, falls Trump gewinnt - darunter Sängerin Barbra Streisand und Komikerin Amy Schumer.

Dem Magazin "People" sagte Cher: "Er hat uns auf so vielfältige Weise gezeigt, wer er ist. Er macht sich über Leute mit Behinderungen lustig. Er ist ein Rassist. Er glaubt, Frauen seien Körperteile." Auch die narzisstischen Züge des Politikers seien für jeden unübersehbar gewesen: "Er sieht in jedem Menschen nur seine eigene Wirkung auf das Gegenüber. Wir sind nur ein Spiegel für ihn." Sie sei sehr traurig und mache sich Sorgen um die jungen Leute im Land, so die 70-Jährige.

Katy Perry hatte die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton aktiv unterstützt. Sie machte ein sehr persönliches Geständnis: "Heute Abend haben meine Eltern für Trump gestimmt. Aber wisst ihr was? Wir werden trotzdem alle zu Thanksgiving noch am selben Tisch sitzen."

Perry zeigte sich kämpferisch: "Sitzt nicht still. Heult nicht rum. BEWEGT EUCH", forderte sie ihre Follower auf. "Wir sind keine Nation, die es dem Hass erlaubt, uns zu führen."

Als sich abzeichnete, dass Trump die Wahl gewinnen würde, zeigten sich viele Stars schockiert. "Noch irgendjemand, der kotzen möchte?", fragte US-Schauspielerin Kristen Bell via Twitter und retweetete einen Kommentar des Publizisten Steven Weintraub: "Halb Amerika hat dieses Monster gewählt."

Die Sängerin und Schauspielerin Ariana Grande erklärte via Twitter, sie sei in Tränen aufgelöst. Die Aussicht auf mindestens vier Jahren mit dem Republikaner Trump als US-Präsident sei "total furchteinflößend".

Schauspielerin Jessica Chastain konstatierte: "Das Positive ist, dass wir nun nicht mehr so tun können, als seien wir frei von Rassismus und Sexismus. Die Frage ist: Was tun wir jetzt?" Das scheint aktuell niemand so genau zu wissen. Denn Trump gilt als unberechenbar.

Sängerin Ariana Grande
REUTERS

Sängerin Ariana Grande

So darf man gespannt sein, ob er seine Idee, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu errichten, tatsächlich realisieren wird. "Was für ein Land, wie peinlich, was für ein Land", schrieb der mexikanische Hollywoodstar Gael Garcia Bernal fassungslos auf Twitter.

Der frühere Schach-Weltmeister Garri Kasparow glaubt, er könne von seinen Erlebnissen mit dem russischen Präsidenten Putin profitieren: "Wenn Sie Hilfe dabei brauchen, Ihrem Kind zu erklären, warum Ihr Präsident ein böser Typ ist und es patriotisch ist, gegen ihn zu kämpfen, ich habe einige Erfahrung …"

Man müsse den Kindern erklären, dass Macht allein nicht bedeute, dass jemand recht habe. Es gebe "moralische Gesetze, für die man kämpfen muss, die wichtiger sind als ein Präsident oder seine Gesetze". Opposition sei Bürgerpflicht.

TV-Sternchen Khloé Kardashian bezeichnete den Verlauf der Wahl als "Geschichte auf eine schlechte Weise". Die gestandene TV-Moderatorin Ellen DeGeneres ließ sich nicht verunsichern. Sie postete: "Hillary, egal, wie das endet, ich bin so stolz auf dich und so geehrt, deine Freundin zu sein."

Auch Lady Gaga, eine der engagiertesten Unterstützerinnen von Clinton, hat beschlossen, auch in schwierigen Zeiten an ihren Idealen festzuhalten:

Trump hatte prominente Unterstützung unter anderem von Wrestling-Ikone Hulk Hogan bekommen. "Ich bete für ein Wunder heute Nacht", schrieb Hogan. Sehr angetan zeigte sich Clint Eastwood vom Sieg Trumps: "Danke Amerika, ich werde nicht mehr lange leben, aber jetzt weiß ich, dass die letzten paar Jahre großartig sein werden."

Filmstar Ben Stiller bezeichnete den Ausgang der Wahl als "seltsamen Traum", übte sich aber in Optimismus: "Jetzt ist es an der Zeit, voranzugehen und zu hoffen, dass unser Land zusammenkommt."

Die überraschenden Ergebnisse erinnerten den britischen Entertainer James Corden, der auch im US-Fernsehen erfolgreich ist, an das Brexit-Votum in seiner Heimat. "Brexit feelings", schrieb er. Seine Landsfrau Lily Allen antwortete: "Canada feelings". Berichten zufolge war die Webseite der kanadischen Einwanderungsbehörde während der US-Wahl mehrfach wegen Überlastung nicht aufzurufen.

Über ein anderes Wahlergebnis freute sich hingegen Rapper Snoop Dogg: "Wir haben in Kalifornien gerade Marihuana legalisiert." Dazu schrieb er als Hashtag: "Raucht jeden Tag Weed." Kurz darauf überkam auch den Musiker der große Katzenjammer:

Video-Kommentar: Wir sind im Zeitalter des Populismus angekommen

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ala/dpa



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