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Warnung von Scotland Yard: Museum entfernt Nackt-Kinderfoto von Brooke Shields

Die Schauspielerin Brooke Shields war gerade mal zehn Jahre alt, als sie halbnackt für einen Fotografen posierte. Das Londoner Museum Tate Modern wollte eines der Motive nun in einer Ausstellung zeigen. Nach einer Warnung von Scotland Yard verzichtet die Galerie nun wohl darauf.

Brooke Shields: Kein Entkommen aus der blauen Lagune Fotos
Getty Images

London - "Pop Life: Art in A Material World" heißt die Ausstellung des New Yorker Malers und Fotografen Richard Prince in der Londoner Tate Modern. Und bereits vor ihrer offiziellen Eröffnung am Donnerstag hat sie für reichlich Wirbel gesorgt. Der Grund: Ein Bild, das die zehnjährige Brooke Shields mit offenem Haar zeigt, das über ihren entblößten Oberkörper fällt.

Die Besucher der Ausstellung werden das Motiv nun jedoch wohl nicht zu Gesicht bekommen. Die Tate Modern entfernte es vorläufig, wie der "Guardian" berichtete. Zuvor habe Scotland Yard die Warnung ausgesprochen, dass das Bild möglicherweise gegen Obszönitäts-Gesetze verstoßen könnte. Beamte der Metropolitan Police suchten dem Bericht zufolge die Räume des Museums auf.

Dort war man sich offenbar der Brisanz des Brooke-Shields-Motivs bewusst. Wie die Tageszeitung "Daily Telegraph" berichtete, war das Bild in einem Sonderraum untergebracht, an dessen Eingang sich ein Schild mit der Warnung befindet, manche Besucher könnten das Motiv als "problematisch" empfinden.

Auf Brooke Shields trifft das sicher zu. Die amerikanische Schauspielerin, 44, hat in der Vergangenheit vergeblich versucht, die Rechte an den Fotos vor Gericht einzuklagen. Vorsichtshalber, so der "Telegraph", konsultierte die Tate vor Beginn der Ausstellung mehrere Anwälte, um sich vor etwaigen Ansprüchen zu schützen.

Dem "Guardian" bestätigte ein Sprecher des Museums, dass das Motiv "vorübergehend entfernt" und der Ausstellungskatalog vom Verkauf zurückgezogen wurde. Eine Scotland-Yard-Quelle teilte der Zeitung mit, die Aktionen der Polizeibeamten sollten jeglichem Gesetzesbruch vorbeugen. Das Shields-Foto sei möglicherweise bedenklich, da es eine Zehnjährige zeige und als sexuell provokativ wahrgenommen werden könnte.

"Die Ausstellungsmacher sollten sich schämen"

Das umstrittene Bild ist die Kopie eines Original des Fotografen Gary Gross, der die damals zehnjährige Shields auf Geheiß von deren Mutter Teri ablichtete. Die vermarktete ihre Tochter in den siebziger und achtziger Jahren als Kino-Lolita.

So spielte Shields in dem Louis-Malles-Film "Pretty Baby" 1975 ein Mädchen, das in einem Bordell aufwächst. Ihr bekanntester Streifen ist bis heute "Die blaue Lagune", der 1980 in die Kinos kam - eine voyeuristische Robinsonade, die ebenfalls mit reichlich Nacktszenen aufwartete.

"Wenn man das Bild eines nackten Kindes in einer Ausstellung zeigt, dann beutet man dieses Kind aus", sagte die Gründerin der britischen Kinderschutzorganisation "Kidscape", Michele Elliott, dem "Telegraph". "Es ist geradezu so, als benutze man das Kind als Köder. Die Ausstellungsmacher sollten sich schämen. Dass man das Bild in einen Sonderraum hängt und es mit einer Warnung versieht, ist ein Magnet für Pädophile."

"Ein Körper mit zwei unterschiedlichen Geschlechtern"

Der Künstler Richard Prince begründete die Auswahl des Shields-Motivs damit, dass darauf "ein Körper mit zwei unterschiedlichen Geschlechtern" zu sehen sei und "ein Kopf, der ein ganz anderes Alter zu haben scheint".

Der Richter in dem Copyright-Verfahren, das Shields und ihre Mutter 1981 anstrengten, befand übrigens, das Kind von damals sei "unglückliches Opfer" eines Vertrages, in den "zwei gierige Erwachsene" es gezwungen hätten.

Prince zeigte das abfotografierte Gross-Motiv unter dem Titel "Spiritual America" bereits im Jahr 2000 im New Yorker Whitney Museum of American Art.

wit/pad

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