Muster bei der Partnerwahl: Die kenn ich doch!

Von Daniel Haas

Männer haben ein bewährtes Beuteschema: Sie werden glücklich mit Frauen, die ihren Müttern ähneln. Das behauptet zumindest eine Studie. Wohin aber führt das, wenn man das Prinzip historisch zu Ende denkt?

Bekannte Muster: "Du bist wie meine Mutter" als Kernaussage der PartnerwahlZur Großansicht
Corbis

Bekannte Muster: "Du bist wie meine Mutter" als Kernaussage der Partnerwahl

Das Jahr geht zu Ende. Weihnachten kommt, wer jetzt allein ist, kann sich warm anziehen, emotional gesehen. Besser noch mal richtig ranklotzen bei Parship oder elitepartner. Aber machen wir uns nichts vor: zu viel Auswahl, zu viel Angebot, zu viele Nieten. Man ist womöglich selber eine, für die andern eben. "Ich dachte, du stehst auf Sport", sagt sie beim ersten Date, und spätestens jetzt fliegt auf, dass für dich ein Spaziergang, der länger als 30 Minuten dauert, schon Zirkeltraining ist.

Die Zeit läuft, diese Woche ist schon Nikolaus, und vielleicht ist das die Rettung: Der Philosoph Christian Thiel (neues Buch: "Wer passt zu mir?") rät, bei der Partnerwahl auf die eigenen Eltern zu schauen. Zitiert wird eine Studie, der zufolge Männer am ehesten mit einer Frau glücklich werden, die sie an die eigene Mutter erinnert.

Das macht die Sache einfach: Ich suche von nun an nur noch Frauen, die Twinsets tragen, süchtig Wiederholungen von "Denver Clan" anschauen und aus dem Effeff einen Hölderlin-Vers zitieren können. Wenn sie dann noch sagt: "O ja, ich liebe Pop, von Glenn Miller kann ich nicht genug kriegen!", dann bin ich restlos zufrieden.

Die Sache hat einen Haken. Zum einen ist es schwierig, Frauen zwischen 35 und 45 zu finden, die nicht mit Schwangerschaft, Twittern, Twittern über ihre Schwangerschaft oder einer Zweit- bzw. Drittkarriere beschäftigt sind. Natürlich ist das alles legitim, fortschrittlich und gesamtgesellschaftlich gesehen sicher wünschenswert.

Aber ich suche ja wie gesagt meine Mutter, also eine Frau, die mit 40 Erich Fromms "Die Kunst des Liebens" für ein umstürzlerisches Meisterwerk hielt, Gloria von Thurn und Taxis als "dieses verrückte Ding!" bezeichnet und nie, nie, niemals eine Modemarke namens Acne (sprich: Akne) akzeptieren würde.

Paradiesische Wahl

Und dann das Konzept selbst - die Wahl der Partnerin nach dem Vorbild der Erzeugerin. Wenn man die Sache ordentlich durchdenkt, kann einem schwindelig werden. Ich wähle eine Frau, die meiner Mutter ähnlich ist. Die Frau, die meiner Mutter ähnelt, entspricht nun jener Frau, die offensichtlich mein Vater gewählt hat. Weil nun mein Vater bereits ein smarter Knabe war, hat er auch schon nach einer Frau gesucht, die seiner Mutter ähnlich war. Die wiederum ähnelte der Frau seines Vaters, der in seiner Gattin wiederum die Mutter gefunden hatte.

Was folgt, ist ein potentiell unendlicher Regress, in dem alle Männer am Ende dieselbe Frau begehren (bei Christen wäre das Eva, bei allen anderen irgendein ungewaschener Schimpanse). "Du bist wie DEINE Mutter!": Dieser Satz wird in Beziehungsstreitereien weiterhin als schlimmste Schmähung gelten. "Du bist wie MEINE Mutter!" aber ist von nun an das größte Kompliment. Denn es heißt: Du bist die Frau, hinter der bereits 75 Generationen Männer her sind.

Therapeuten schlagen nun Alarm: So ein ausgelebter Ödipuskomplex führt bestenfalls zu Woody-Allen-Filmen, schlimmstenfalls in die Katastrophe. Den Vater, also das Über-Ich, entsorgen und an Mami geistig-seelisch kleben bleiben - auf diese Weise entstehen kaputte Typen. Männer, über die Frauen twittern: "Erstes Date. Dreimal rief Mami an. Loser."

Die 68er hatten es einfacher. Sie haben den Generationenvertrag komplett aufgekündigt, hassten Väter wie Mütter gleichermaßen und suchten nach Frauen, die aussahen wie Uschi Obermaier und sich benahmen wie eine in marxistischer Theorie geschulte Pornodarstellerin auf LSD.

Meine Mutter ist übrigens eine 68erin, aber die Zeit ist ideologisch fast spurlos an ihr vorübergegangen. Sie bleibt den vorhergehenden Generationen verbunden, was sie heute paradoxerweise modern erscheinen lässt. Sie freut sich, dass Kinder jetzt wieder Karl, Franz und Luise heißen, auch wenn das früher Dienstbotennamen waren. Die von Zigarette zu Zigarette wachsende Liebe der Deutschen zu Helmut Schmidt muss man ihr nicht erklären, der Mann ist in jedem Fall plausibler als "diese Politikerin mit den komischen Kostümen". Und biozertifizierte Ernährung, ja, da ist sie auch dafür. Als ostelbisches Flüchtlingskind kam sie bei Bauern unter: "Da gab es alles frisch vom Acker."

Deshalb suche ich im Netz eigentlich nicht meine Mutter, sondern meine Großmutter. Niemals werden wir über Tattoo-Entfernung sprechen müssen, auch Paarcoaching, Schweige-Retreats oder gemeinsame Yoga-Kurse werden kein Thema sein. Wenn alle von den Kulissen der Serie "Mad Men" schwärmen, wird sie mir einen Cocktail reichen und sagen: "Diese Eames-Stühle, da hab ich noch vier im Keller." Und auf ihren Jugendfotos sieht sie aus wie Lana Del Rey. Die sich als Hannelore Kohl verkleidet hat. Oder umgekehrt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, der Studie zufolge würden Männer am ehesten mit Frauen glücklich, die ihren Müttern gleichen. Buchautor Christian Thiel legt Wert darauf, dass dies so nicht korrekt ist: Es handle sich um Frauen, die den Müttern der Männern ähneln. Zudem ist Thiel nicht Psychologe, sondern Philosoph. Beides haben wir korrigiert.

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insgesamt 32 Beiträge
kl1678 05.12.2012
aber letztlich entscheiden doch die Frauen, dachte ich bisher. Obwohl das wohl auch nícht wesentlich origineller abläuft. Was mir bei Paaren immer wieder auffällt, ist deren äußerliche Ähnlichkeit., z.B. bzgl. der Haarfarbe. [...]
Zitat von sysopMänner haben ein bewährtes Beuteschema: Sie werden glücklich mit Frauen, die ihren Müttern gleichen.(...)
aber letztlich entscheiden doch die Frauen, dachte ich bisher. Obwohl das wohl auch nícht wesentlich origineller abläuft. Was mir bei Paaren immer wieder auffällt, ist deren äußerliche Ähnlichkeit., z.B. bzgl. der Haarfarbe. Das erscheint im heterogenen Europa ja statistisch nahezu ausgeschlossen, wird aber trotzdem häufig knallhart durchgezogen. So als habe der Mensch eine angeborene Neigung zum Klonen. Könnte da nicht auch ein bisschen Narzissmus dahinterstecken?
!!!Fovea!!! 05.12.2012
Quatsch!
Zitat von sysopMänner haben ein bewährtes Beuteschema: Sie werden glücklich mit Frauen, die ihren Müttern gleichen. Das behauptet zumindest eine Studie. Wohin aber führt das, wenn man das Prinzip historisch zu Ende denkt? Warum Männer glücklich werden mit Frauen, die ihrer Mutter gleichen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/leute/warum-maenner-gluecklich-werden-mit-frauen-die-ihrer-mutter-gleichen-a-870800.html)
Quatsch!
pismo 05.12.2012
Meine Frauen waren optisch wie charakterlich immer das absolute Gegenteil von meiner Mutter. Alle! Ausnahmslos! Mutter hellblond, Freundinnen schon seit der Schulzeit immer mindestens brunette. Sogar die Hautfarbe wurde mit den [...]
Meine Frauen waren optisch wie charakterlich immer das absolute Gegenteil von meiner Mutter. Alle! Ausnahmslos! Mutter hellblond, Freundinnen schon seit der Schulzeit immer mindestens brunette. Sogar die Hautfarbe wurde mit den Jahren immer dunkler. Sollte ich mir jetzt professionelle Hilfe holen?
Alles schon gehabt. Mal mit Kind, mal ohne Kind, mal vermögend, mal nicht vermögend, mal groß, mal klein, mal älter, mal jünger als ich... die Passende war bisher leider nicht dabei.
Alles schon gehabt. Mal mit Kind, mal ohne Kind, mal vermögend, mal nicht vermögend, mal groß, mal klein, mal älter, mal jünger als ich... die Passende war bisher leider nicht dabei.
SignorMacchina 05.12.2012
Grundsätzlich ist das Schema, nach Ähnlichkeiten zu suchen (bei Sympathie zu den Eltern(teilen)) bzw. diese auszugrenzen (bei gespanntem Verhältnis zu Eltern(teilen)), konsequent und logisch. Ich würde dieses aber nicht bei [...]
Grundsätzlich ist das Schema, nach Ähnlichkeiten zu suchen (bei Sympathie zu den Eltern(teilen)) bzw. diese auszugrenzen (bei gespanntem Verhältnis zu Eltern(teilen)), konsequent und logisch. Ich würde dieses aber nicht bei allen Personen über einen Kamm scheren, da dann doch die Eigenschaften, die man an seinem Partner / seiner Partnerin schätzt und die NICHT bei den Eltern zu finden waren, die jenigen oftmals überwiegen, die bei diesen vorhanden sind. Es geht eben darum, ein möglichst genau passendes Gegenstück zu sich selbst mit ähnlichen, aber auch konträren Interessen zu finden, wobei der Blick auf die Eltern einen genau ratlos rücklässt wie man es auch schon vorher war. Ach und übrigens: Lana del Rey wird mit ey, nicht ay geschrieben... ;)
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  • Mittwoch, 05.12.2012 – 13:54 Uhr
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Muster bei der Partnerwahl

Mal unter uns, wie ist das bei Ihnen?

  • Ne. Mutti ist die Beste.
  • Ja, naja. In manchen Situationen ähneln sich die beiden sehr.
  • Völliger Quatsch. Meine Frau ist ganz anders.
  • Isch 'abe gar keine Frau.






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