Wettstreit der Bruni-Biografen: Katze, Affe, Schlange

Von , Paris

Was ist das Geheimnis Carla Brunis? Zwei neue Biografien versprechen, das Rätselhafte ihres Wesens zu enthüllen. Stattdessen bieten sie vor allem Klatsch über die Gattin von Präsident Sarkozy - von der Versöhnung mit der Ex-Frau ihres Mannes bis zu Drohungen an unliebsame Zeitungsmacher.

Carla Bruni-Sarkozy: Ein weiblicher Don Juan Fotos
AFP

Sie ist reich, schön und musikalisch, wird als Modell geschätzt, als Sängerin gefeiert, sogar als Symbol Frankreichs verehrt - Carla Bruni, 42, Gattin des Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Welch eine märchenhafte Geschichte, der Aufstieg einer italienischen Geld-Aristokratin vom Schlageridol zur "ersten Dame" der Nation, welch legendäre Karriere zwischen den Stars und Gliterati der Welt, mit einem romantischen Gipfel als treue Ehefrau im Elysée. Wunderbar.

Brunis Konterfei ziert die Hochglanzseiten von "Paris Match", "Gala" und "Figaro-Madame", die Klatschpresse von "Closer", "Entrevue" bis "Voici" lässt keine Gelegenheit verstreichen, um mit testosterontreibenden Bildstrecken ordentlich Auflage zu machen. Selbst politische Magazine versuchen sich in psychologischem Tiefgründeln, um den Einfluss der - früher einmal - eher links gewirkten Dame auf den Präsidenten zu erforschen, die mit ihrer Präsenz jeden Staatsbesuch zum prestigeträchtigen Event erhebt. Beneidenswert.

Oder nicht? Alles nur Schein, nur Fassade?

Ist die luchsäugige Amazone nur eine geehelichte Staatsschauspielerin im Kreise von Michelle Obama ("meine Freundin") oder Angela Merkel, ein Jacqueline-Kennedy-Verschnitt in hautenger Haute Couture - und dabei bloß Statistin auf Zeit?

Ein Gesichtsverlust, der sich in Minuten messen lässt

Ach, Carla Bruni hat es schwer, zumindest in jüngster Zeit. Kaum hat sich die Präsidentengattin ebenso engagiert wie politisch korrekt gegen die unmenschliche Steinigung einer Iranerin ausgesprochen, da fallen schon die die Mullahs in Teheran über sie her und diffamieren Madame schlichtweg als "Hure". Fast genauso rufschädigend sind die Gerüchte über ihre verunglückten schauspielerischen Versuche in einem Woody-Allen-Film; nachdem es für eine Szene mit der Amateur-Mimin offenbar 35 "Takes" bedurfte, überlegt der amerikanische Star-Regisseur angeblich, den Bruni-Auftritt radikal zusammenzuschneiden. Allen dementiert - aber den Imageschaden hat die Meldung schon angerichtet.

Und jetzt, zum Auftakt der literarischen Herbstsaison, erscheinen fast zeitgleich zwei Enthüllungsbiografien, die versprechen natürlich alle, wirklich alle Rätsel um die sagenhafte "Première Dame" zu lüften.

Schon das Konterfei auf dem Titel verspricht Auflage: Selbst wenn das Verhältnis der Franzosen zu Sarkozys Gattin durchaus zwiespältig ist - sie gilt als ebenso würdevoll wie distanziert - der Appetit nach Anekdötchen aus dem Elysée ist unersättlich, die Beschäftigung mit Carla zahlt sich aus. Immer.

"Was über sie geschrieben wird, ist immer sympathisch, nie kritisch"

"Carla, ein geheimnisvolles Leben", nimmt sich vor, die Ikone der Pariser Linken zu entlarven, tiefgründiger zu sein als Hunderte Illustrierten-Titel, aufschlussreicher als all die formatierten Interviews, in denen Madame seit 25 Jahren ihre verbalen Spuren hinterlässt.

Besma Lahouri, laut Klappentext Expertin für "sensible Nachforschungen" und ausgewiesen durch einen Titel über Frankreichs Kickeridol Zinedine Zidane ("Ein geheimnisvolles Leben"), müht sich auf 292 Seiten, Licht in die bislang unerforschten Bereiche von Carla Brunis Leben zu bringen. "Was über sie geschrieben wird, ist immer sympathisch, nie kritisch", heißt es - das soll sich nun also ändern. Mit diesem Anspruch wird das Buch werbewirksam zur "nicht autorisierten Biografie".

"Totschweigen" möchte der Elysée das Werk am liebsten, so das Magazin "Marianne", doch "die Masken fallen, eine nach der anderen". Erstaunlich.

Das Journalisten-Duo Michael Darmon und Yves Derai kann sich hingegen damit rühmen, das Objekt der publizistischen Begierde persönlich einvernommen zu haben. "Carla und die Ehrgeizigen" nimmt auf 167 Seiten für sich in Anspruch, "eine Persönlichkeit zu entdecken, fern der Zurückhaltung", die Bruni in der Öffentlichkeit so gern zelebriert: "Die schöne Italienerin weiß durchaus mit der Faust auf den Tisch zu schlagen und lässt es zur Kraftprobe mit gewissen Beratern ihres Mannes kommen, um ihre Ansichten durchzusetzen." Parbleu, will sagen: Donnerlittchen!

"30 Liebhaber…"

Innenansichten der First Lady also, gespickt mit Einlassungen, welche die Autoren laut Eigenwerbung "aus dem inneren Zirkel der Macht" zusammentrugen. Erkenntnisse über eine "Frau mit tausend und einem Gesicht" (Lahouri) und ihre wahre Geschichte, die "jetzt auch die unsrige geworden ist." Herzergreifend.

Was hat sie nicht alles hinter sich: Eine behütete Kindheit im Schoß der Großindustriellen-Familie Tedeschi aus Turin, eine Karriere als gefragtes Fotomodell, die Wandlung zur trällernden Gitarrenspielerin, dazu die üblichen Exzesse der Jeunesse dorée und, wie sie selbst bescheiden singt: "30 Liebhaber…"

Das alles ist nicht neu, die Liste ihrer illustren Lover ist bekannt, Sänger, Stars und Szene-Sternchen, der Philosoph Raphael Enthoven, nebst Vater Jean-Paul, und war da noch was mit Rolling-Stones-Oldie Mick Jagger, Immobilien-Millionär Donald Trump und dem Sänger Eric Clapton? Ach ja, zwischen Anwalt Arno Klarsfeld, Sohn des berühmten Nazi-Jägers Serge, und Carla "flogen manchmal die Teller". Entlarvend?

Rührende Versöhnung mit Cécila

Auch die Romanze zwischen Sarkozy und Bruni ist längst bis in jede Verästelung bekannt. Vom Auszug von Carlas Vorgängerin Cécilia bis zu Abenddinners im Elysée, bei denen Sarkozy-Freund Jacques Séguéla, der die Vorliebe des Präsidenten für Rolex-Uhren teilt, nette und willige Damen defilieren ließ - bis bei Carla Bruni der Funken übersprang. "Ich war dabei", vertraute der Freizeit-Kuppler des Staatschefs einst dem SPIEGEL an, "es war Liebe auf den ersten Blick". Ach.

Trotz aller Schlagzeilen bieten die beiden Neuerscheinungen in erster Linie nur Aufgüsse von Affären und Skandälchen, die längst passé sind. So wie die Fehde zwischen Carla Bruni und Sarkozys Ex Cécilia, die bei Lahouri im Detail geschildert wird; bei der Hagiografie von Darmon/Derai endet der Schlagabtausch zwischen den beiden Damen hingegen mit einer rührenden Versöhnung in Cécilas New Yorker Appartement.

Immerhin, wir erfahren, dass das Ehepaar Sarkozy in einer bordeauxroten Limousine zum Kaffeekränzchen fuhr und der Präsident allen Angestellten im Haushalt Cécilias die Hand gab. Packend.

Und sonst? Wir lernen vom "humanitären Engagement" Carla Brunis, deren Stiftung allerdings eher mit sich selbst befasst ist, wir werden informiert über ihren Zoff mit Protokollchefs, Sicherheitsbeamten oder Elysée-Beratern: Chef-Diplomat Jean-David Levitte verweigert gar die Schokoladen von Madame. Mon Dieu!

"Du weißt, Nicolas ist noch ein paar Jahre hier"

Natürlich widmen beide Biografien der doppelbödigen Hass-Liebe des Promi-Paares zu den Medien längliche Schilderungen, wir wissen jetzt, dass Carla nur noch mit Journalisten spricht, die sie mag oder dass unbotmäßige Zeitungsbosse zum Abwatschen in den "Palast" einbestellt werden.

So geschehen mit dem Chef von "Prisma Presse", dessen bunte Blätter es gewagt hatten, dreimal die Ex-First Lady mit der neuen Frau im Élysée zu vergleichen. Die Ansage an Fabrice Boé ist eindeutig: "Du weißt, Nicolas ist noch ein paar Jahre hier". Diese Drohung stößt Bruni aus, just als - ganz zufällig - auch Präsident Sarkozy zur Abmahnung erscheint. "Wenn du mit uns in gutem Einvernehmen arbeiten willst, dann hörst du auf damit." Boé kuscht.

Der Verdacht liegt nahe, dass die Autoren mit ihren "Enthüllungen" in Wirklichkeit nur auf der Carla-Bruni-Welle surfen und dabei ordentlich Kasse machen. "Carla ist verführend wie eine Katze, schlau wie ein Affe und kalt wie eine Schlange", schreibt Basma Lahouri.

Dem Gegenstand ihrer Berichterstattung bleibt sie tatsächlich jedoch fern. Wer Carla jenseits der Anekdötchen ist, bleibt den Autoren verborgen. Lahouri schiebt den Schwarzen Peter der First Lady zu: "Ich glaube, sie weiß selbst nicht, wer sie ist", so der peinliche journalistischen Offenbarungseid. "Ich habe nur eine Gewissheit: Die Carla, die die Franzosen sehen, ist nicht die wahre." Was zu beweisen war.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
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1. kein Interesse...
raju1956 16.09.2010
Zitat von sysopWas ist das Geheimnis Carla Brunis? Zwei neue Biografien versprechen, das Rätselhafte ihres Wesens zu enthüllen. Stattdessen bieten sie vor allem Klatsch über die Gattin von Präsident Sarkozy*- von der Versöhnung mit der Ex-Frau ihres Mannes bis zu Drohungen an unliebsame Zeitungsmacher. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,717788,00.html
Diese Frau ist doch sowas von unwichtig! Soll die Presse doch drum streiten, mit wieviel Männern sie so im Bett liegt. Wen interessierts? Den politisch bewussten Bürger bestimmt nicht!
2. wer die Bruni ist?
göpgöp 16.09.2010
Man schaue nur die Bilder an. Solche Konstelationen gibts unter normalen Bürgern nicht. Nur da oben wo es bestimmte Interessen gibt. "Liebe" für gewisse Interessen haben für mich nur eine Bezeichnung. Vielleicht ist es wahre Liebe? Wer glaubt noch an den Weihnachtsmann
3. Wettstreit der Bruni-Biografen
Montanabear 17.09.2010
Sie glauben also Denjenigen, die den Holocaust leugnen. Ist es Ihnen nicht in den Sinn gekommen, dass der iranische Geifer vielleicht eher mit der Tatsache zusammenhängt, dass Sarkozy die Burka verboten hat, als mit Fakten ?
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