Hamburg - Die Familie von Whitney Houston will zeigen, wie sie mit dem frühen Tod des Popstars umgeht - und wählt dafür einen durchaus umstrittenen Weg: Sie drehte eine Doku-Soap. Die Serie mit dem Titel "The Houstons: On Our Own" versammelt unter anderem Whitneys Mutter Cissy, ihre Tochter Bobbi Kristina, Whitneys älteren Bruder Gary und dessen Frau Pat. Vier Monate lang wurde die Familie von Kameras begleitet.
Bei der Premiere der Serie betonte Regisseur Zo Wesson am Montagabend in New York, das Filmteam habe versucht, keinen Einfluss zu nehmen oder zu inszenieren, sondern habe die Geschehnisse einfach laufen lassen. "Es ist einiges passiert, was mich zum Weinen gebracht hat, und einiges, worüber ich mich gewundert habe", so Wesson. Er lobte den Mut und die Bereitschaft der Familie, sich so privat zu zeigen.
Fraglich ist, wie sehr es dabei tatsächlich um die Verarbeitung des Verlusts geht. Ein Fokus der Doku-Soap liegt auf der umstrittenen Beziehung von Bobbi Kristina zu ihrem Verlobten Nick Gordon. Dieser lebte seit zehn Jahren bei der verstorbenen Sängerin, dementiert aber Behauptungen, er sei von der Familie adoptiert worden. Er und Kristina seien viele Jahre Freunde gewesen, bevor sie ein Liebespaar geworden seien.
Die ersten Reaktionen von US-Medien auf die Serie, die ab Mittwoch bei dem Kabelsender Lifetime zu sehen sein wird, sind jedoch sehr kritisch: Kein Zuckerguss überdecke die Übelkeit, die die Serie hervorrufe, heißt es in einer Besprechung bei Variety.com. Autor Brian Lowry kritisiert vor allem Pat Houston, die zusammen mit ihrem Mann Bobbi Kristina unter ihre Fittiche genommen hat. Pat lamentiere in einer Szene darüber, dass Whitneys Tochter so im Fokus der Öffentlichkeit stehe - gleichzeitig ziehe sie Bobbi Kristina für eine Sendung vor die Kamera, die das Privatleben zu einem TV-Drama mache. Nicht zufällig sei Pat Houston Co-Produzentin der Serie, so Lowry.
Keine Zeit für Fehltritte, keine Zeit zum Trauern
Die Familie hätte ihre Aktionen einer genauen Prüfung unterziehen sollen - gerade im Hinblick darauf, dass Doku-Soaps eigentlich dafür geschaffen wurden, Konflikte und Probleme in den Mittelpunkt zu stellen. Egal wie man das ganze drehe, es bleibe eine Botschaft: "Houstons, wir haben ein Problem."
In einer Kritik von Newsday.com heißt es: Kameras hinter jeder Ecke ließen Bobbi Kristina keine Zeit für Fehltritte - "aber auch keine Zeit zu trauern oder jemanden zu ehren, den man sehr geliebt hat". Eine TV-Soap sei ein schrecklicher Weg, um einen Teenager zu erziehen und noch schlimmer, um jemanden zu ehren, der kürzlich verstorben sei. Das Newsday-Urteil über die Sendung: "einige emotionale Momente, ansonsten kühl, Ich-bezogen und fast komplett losgelöst von dem einzigen Grund, warum die Serie ausgestrahlt wird: Whitney Houston."
Houston war im Februar im Alter von 48 Jahren gestorben. Eine Mitarbeiterin hatte die Sängerin leblos und mit dem Gesicht nach unten in der Badewanne ihres Hotelzimmers in Beverly Hills entdeckt. Laut Abschlussbericht der Gerichtsmediziner war es ein Unfall. Im Blut der Diva, die immer wieder mit schweren Drogenproblemen zu kämpfen hatte, war Kokain nachgewiesen worden. Die Gerichtsmediziner stellten auch eine Herzerkrankung mit Arterienverkalkung fest.
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