Sexuelle Gewalt: Adoptivtochter wirft Woody Allen Missbrauch vor

Vorwürfe gegen Woody Allen: "Was, wenn es dein Kind gewesen wäre, Cate Blanchett?" Fotos
AFP

In einem offenen Brief hat Woody Allens Adoptivtochter Dylan Farrow dem Regisseur sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Sie schildert im Detail, dass und wie sie als siebenjähriges Mädchen missbraucht worden sei.

New York - Woody Allens Adoptivtochter Dylan Farrow hat dem US-Regisseur in einem offenen Brief sexuellen Missbrauch vorgeworfen. Detailliert schildert die heute 28-Jährige darin Übergriffe, die sie als kleines Mädchen ertragen habe. Veröffentlicht wurde der Brief in der Sonntagsausgabe der "New York Times".

Farrow äußert sich erstmals schriftlich zu den Missbrauchsanschuldigungen, die indes nicht neu sind: In den neunziger Jahren hatte die US-Schauspielerin Mia Farrow ihrem langjährigen Partner Allen vorgeworfen, er habe die gemeinsame Adoptivtochter sexuell missbraucht. In einem Interview mit dem Magazin "Vanity Fair" im vergangenen Oktober beschuldigte Dylan Farrow ihren Adoptivvater, er habe sich an ihr vergriffen.

In ihrem offenen Brief beschreibt die Adoptivtochter nun unter anderem einen Vorfall, der sich 1992 in einem "dunklen Dachbodenraum" des Elternhauses ereignet haben soll. Damals sei sie sieben Jahre alt gewesen. "Er sagte mir, dass ich mich auf den Bauch legen und mit der elektrischen Eisenbahn meines Bruders spielen soll. Dann missbrauchte er mich sexuell", schreibt Farrow. Er habe ihr dabei zugeflüstert, das dies ihr Geheimnis sei. "So lange ich mich erinnern kann, hat mein Vater Dinge getan, die ich nicht mochte", führt sie weiter in Einzelheiten aus. Sie wolle nicht länger schweigen.

Sorgerecht verloren, Ermittlungen eingestellt

Mia Farrow und Allen hatten sich 1992 nach zwölf Jahren getrennt. In einem Sorgerechtsprozess erhob die Schauspielerin den Verdacht, Allen habe das Mädchen sexuell missbraucht. Der Regisseur verlor das Sorgerecht, die Ermittlungen wurden aber eingestellt. Der vierfache Oscar-Preisträger wies die Vorwürfe stets zurück. Allen ging damals eine Beziehung zu Farrows erwachsener Adoptivtochter Soon-Yi ein. Sie sind seit 1997 verheiratet und haben zwei - ebenfalls adoptierte - Töchter.

Hollywood habe die "Augen verschlossen", hält Farrow in ihrem Brief der Filmgemeinde vor. Woody Allen sei "davongekommen" und als Künstler hofiert worden. "Was, wenn es dein Kind gewesen wäre, Cate Blanchett?", wendet sich Farrow an die australische Schauspielerin, die in Allens Film "Blue Jasmine" die Hauptrolle spielt. Sie spricht auch andere Stars aus Allen-Filmen direkt an, unter ihnen Alec Baldwin, Emma Stone, Scarlett Johansson und Diane Keaton.

Sie selbst habe viele Jahre stark unter den Missbrauchsfolgen gelitten, schreibt Farrow. Nun wolle sie anderen Opfern Mut machen, die Wahrheit zu sagen.

Allen selbst sei der "lebende Beweis" dafür, wie die Gesellschaft Opfer sexuellen Missbrauchs im Stich lasse, fügt Farrow hinzu. "Stellen Sie sich Ihre siebenjährige Tochter vor, wie sie von Woody Allen auf den Dachboden geführt wird. Stellen Sie sich vor, wie ihr lebenslang übel wird, immer wenn sie seinen Namen hört. Stellen Sie sich eine Welt vor, die Ihren Peiniger feiert."

Nach Angaben der "New York Times" lehnte es Allen ab, den Brief seiner Tochter zu kommentieren. Auch sein Management sei für eine Stellungnahme nicht zu erreichen gewesen, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Erst kürzlich hatte Allen bei den Golden Globes einen Preis für sein Lebenswerk erhalten. Sein Film "Blue Jasmine" ist dreimal für den Oscar nominiert.

rls/dpa/AP

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