Ehrenpräsidentschaft: WWF Spanien entthront König Juan Carlos

Die Farce hat ein Ende: Die Tierschutzorganisation WWF hat Spaniens König Juan Carlos nach 44 Jahren den Titel des Ehrenpräsidenten der spanischen Sektion aberkannt. Der Monarch hatte zuvor an einer Elefantenjagd teilgenommen.

Juan Carlos (r.) vor einem erlegten Elefant in Botswana: WWF-Amt verloren Zur Großansicht
SIPA/ Rann Safaris

Juan Carlos (r.) vor einem erlegten Elefant in Botswana: WWF-Amt verloren

Madrid - König Juan Carlos hat wegen seiner umstrittenen Elefantenjagd sein Amt als Ehrenpräsident der spanischen Sektion der Umweltschutzorganisation WWF verloren. 94 Prozent der Mitglieder von WWF Spanien beschlossen am Samstag bei einer außerordentlichen Hauptversammlung in Madrid, das Ehrenamt abzuschaffen, wie die Organisation mitteilte. Juan Carlos war seit 1968 Ehrenpräsident des spanischen WWF.

Der 74 Jahre alte Monarch war wegen seines Jagdausflugs im April im afrikanischen Botswana heftig kritisiert worden. Auch wenn diese Art von Elefantenjagd legal sei, hielten viele WWF-Mitglieder sie für "unvereinbar mit dem Ehrenvorsitz einer internationalen Organisation für den Schutz der Natur und der Umwelt", hieß es in der Erklärung weiter. Viele WWF-Mitglieder hatten aus Protest ihren Austritt aus der Organisation erklärt.

In Spanien wurde dem König insbesondere vorgehalten, dass er in einer Zeit der Krise mit einer Rekordarbeitslosigkeit seiner kostspieligen Leidenschaft nachgegangen sei.

Auch im Ausland musste der Monarch heftige Kritik hinnehmen. Brigitte Bardot, die sich als Tierschützerin engagiert, verglich Juan Carlos in einem Brief mit Wilderern. "Ihre Majestät, ich wünsche Ihnen keine zügige Genesung, wenn dies dazu führt, dass Sie Ihre mörderischen Reisen nach Afrika oder anderswohin fortsetzen, aber ich hoffe, dass dieser Sturz Ihre Gedankenwelt wieder in Ordnung bringt", schrieb die 77-Jährige in einem Brief, der von Bardots Stiftung verbreitet wurde.

Die Safari des Monarchen war ruchbar geworden, weil sich der 74-Jährige dabei die Hüfte gebrochen hatte und für eine Notoperation sofort nach Spanien geflogen werden musste. Der König entschuldigte sich und erklärte, er habe einen Fehler gemacht, der "nicht mehr vorkommen" werde.

mbe/AFP/dpa

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insgesamt 78 Beiträge
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1. für mich
Steinwald 21.07.2012
In meinen Augen sind diese Jagden, bei denen es nur ums Killen geht, pervers, entsprechend gestört finde ich die, die an solchen Jagden teilnehmen, ob mit oder ohne Krone. Da geht es nur ums Töten und Abschlachten, ums Befriedigen eines der schlimmsten Triebe des Menschen - bzw. mancher Menschen. Ich weiß, Tourismus blbala, man kann die Viecher auch per Kamera jagen, aber das ist den Blutfanatikern eben nicht genug. Insofern ist die Entscheidung des WWF an dieser Stelle zu begrüßen. Hut ab. Bzw. Krone.
2.
JuliusGrief 21.07.2012
Ich finde es in der Tat nicht unbedingt angemessen, dass der König mitten in Zeiten von Jugendarbeitslosigkeit und Sparpaketen in Afrika Elefanten abschießt. Der gute Mann leidet wohl an Realitätsverlust und lebt völlig abgehoben hinter den Palastmauern. Als Spanier würde ich mich fragen, ob ich einen solchen König überhaupt noch alimentieren wollen würde.
3. zu spät
aquarelle 21.07.2012
Zitat von sysopDie Farce hat ein Ende: Die Tierschutzorganisation WWF hat Spaniens König Juan Carlos nach 44 Jahren den Titel des Ehrenpräsidenten de
Gut, dass das etwa drei Monate gedauert hat, bis der WWF reagiert. Dass dort erst Massen an Mitgliedern austreten müssen, damit sich jemand rührt, passt in das Bild, was ich von dieser Organisation habe.
4. König
hubertrudnick1 21.07.2012
Zitat von JuliusGriefIch finde es in der Tat nicht unbedingt angemessen, dass der König mitten in Zeiten von Jugendarbeitslosigkeit und Sparpaketen in Afrika Elefanten abschießt. Der gute Mann leidet wohl an Realitätsverlust und lebt völlig abgehoben hinter den Palastmauern. Als Spanier würde ich mich fragen, ob ich einen solchen König überhaupt noch alimentieren wollen würde.
Dieser König macht doch nur das was der Adel schon immer tat. Warum hält man an solchen Leuten noch fest? HR
5.
ratzfatzz 21.07.2012
Wie sagte bereits Theodor Heuss (1. Präsident der Bundesrepublik Deutschland): "Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit." Dazu Ralf Schumacher (Rennfahrer und Jäger): "Jäger sind Heger. Die Natur kann sich ja schlecht selbst regulieren. Dafür ist der Mensch da." Darüber kann Franz-Josef Strauß nicht mehr sinnieren. Dieser hat bekanntlich bei einer Hirschjagd seinen letzten Atemzug gemacht.
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