Marihuana-Kommentar über Dreadlocks Das riecht nach Rassismus

Zendaya Coleman trug zur Oscar-Verleihung ein schulterfreies, weißes Kleid; für mehr Aufsehen sorgten allerdings ihre langen Dreadlocks. Die Schauspielerin müsse damit nach Gras riechen, kommentierte eine TV-Moderatorin. Und wird nun heftig kritisiert.

AFP

Hamburg - Giuliana Rancic merkte schnell, dass ihr Kommentar daneben war. Für den TV-Spartensender "E!" moderiert sie die Sendung "Fashion Police", und nach der Oscarverleihung ging es dort selbstverständlich um die Outfits der Stars, um die Kleider, den Schmuck, das Make-up. Auch die 18-jährige Schauspielerin Zendaya Coleman lief über den roten Teppich. Doch was Rancic über sie zu sagen hatte, sorgt noch Tage später für heftige Kritik.

Disney-Star Coleman trug ein weißes, schulterfreies Kleid von Designerin Vivienne Westwood. Bemerkenswerter war aber vor allem ihre Frisur: Colemans lange Dreadlocks reichten ihr bis weit über die Brust. Und was sagte Rancic? "Ich habe das Gefühl, sie riecht nach Patschuli-Öl... oder nach Gras. Yeah, vielleicht nach Gras." Autsch.

Auf Twitter und Instagram reagierte Coleman auf die Bemerkung - und wird für ihre Worte nun gefeiert. "Der Grat zwischen Witz und Beleidigung ist schmal", schreibt sie. Zu behaupten, eine 18-jährige Frau mit Dreadlocks rieche nach Patschuli-Öl und Gras sei nicht nur ein gewaltiges Stereotyp, sondern extrem beleidigend. Dann führt Coleman die Namen einiger Frauen auf - darunter Professorinnen sowie Oscar- und Grammy-Nominierte - die alle eins gemeinsam haben: Dreadlocks. "Und keine von ihnen riecht nach Marihuana", schreibt Coleman.

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Afroamerikanische Frauen würden in der Gesellschaft aufgrund ihrer Haare ohnehin kritisiert, "auch ohne die Hilfe von ignoranten Menschen, die andere anhand ihrer Haarstruktur bewerten". Sie habe ihre Frisur bei den Oscars getragen, um Dreadlocks in ein positives Licht zu rücken. Sie seien ein Symbol für Stärke und Schönheit, "wie die Mähne eines Löwen".

Auf Twitter wurde Colemans Beitrag bisher mehr als 76.000 Mal geteilt. "Die Leute sollten erwachsen werden und begreifen, dass wir 2015 haben - und so handeln. Sehr schön geschrieben", twitterte Schauspielerin Chloe Grace Moretz. Kollegin Kerry Washington schrieb: "Gut gemacht, Schöne."

Reality-TV-Sternchen Khloe Kardashian twitterte an Coleman: "Du bist eine wunderschöne, intelligente junge Frau. Ich liebe alles, wofür du stehst." Twitter-Nutzerin Hannah Lynch wandte sich mit ihrem Post direkt an Moderatorin Rancic: "Vielleicht riecht Giuliana Rancic nach kulturellem Stereotyp und einer Prise Rassismus. Zendaya sah umwerfend aus."

Das fand auch die "Vogue": Dort wurde Coleman für ihren Oscar-Auftritt gefeiert - und für ihre "fließenden Dreadlocks". Der Look sei "ein Teil Lisa Bonet, ein Teil Venus von Milo, und insgesamt sehr erwachsen (und damit sehr Disney-untypisch). Wir werden dich im Auge behalten, Zendaya."

Als eine der ersten reagierte Moderatorin Rancic selbst auf das Statement von Coleman - und entschuldigte sich bei der 18-Jährigen. Sie habe niemanden beleidigen wollen, der Kommentar habe nicht auf Colemans Hautfarbe gezielt, schrieb sie bei Twitter. "Ich habe mich auf einen Bohemian-Chic-Look bezogen."

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Später wurde bei "E! News" noch ein Video der Moderatorin veröffentlicht, in dem sie sich ausführlicher entschuldigt. "Es war nicht meine Absicht, jemanden zu verletzen. Aber ich habe gelernt, dass es nicht um die Absicht geht, sondern um das Resultat. Und das Resultat ist, dass Menschen verletzt sind, Zendaya eingeschlossen - und das ist nicht okay." Es tue ihr sehr, sehr Leid.

Coleman hat die Entschuldigung inzwischen akzeptiert, wie sie auf ihrem Instagram-Account schreibt. Das dürfte auch Rancics Co-Moderatorin Kelly Osbourne freuen, die ebenfalls in der "Fashion Police"-Jury sitzt - und eigenen Angaben zufolge mit Coleman befreundet ist. Sie überlege nach dem Vorfall ernsthaft, die Show zu verlassen, twitterte Osbourne.

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aar

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
pepe-b 25.02.2015
1. Nun ja
Kein Klischee, keine Schublade entsteht ohne Grund. Irgendwie ist immer ein Funken Wahrheit dabei. Allerdings nicht in Bezug auf jeden Einzelfall. Hätte man privat so einen Spruch gemacht, würde man wohl eher lachen. Öffentlich hält man sich wohl besser damit zurück :-)
karlaschnikow 25.02.2015
2. Twitter
Der Beitrag bestärkt mich in meiner Beobachtung, dass diese Twitter Damen und Herren in drei Kategorien denken: 1. Ich, 2. Ich, 3. Ich! Anstatt sich ständig beleidigt zu fühlen und echte "Randgruppen" zu instrumentalisieren um dies anzuprangern, sollte man seinen Ruhm evtl. nutzen, um sich zu echten Gesellschaftlichen Problemen zu äußern. So könnte man statt dem eigenen Ego der Allgemeinheit dienen. Yours Karl
Corpirate 25.02.2015
3. Dreadlocks ...
... sind bei den Rastafaris notgedrungen aus dem Glauben heraus entstanden, dass es "böse" ist Teile des Körpers zu entfernen, die Haare eingeschlossen. Hipp geworden sind Dreadlocks natürlich durch den guten alten Bob. Daher auch das Vorurteil mit dem Cannabis. Kurz gedacht, schnell gesprochen.
Blitzmesser 26.02.2015
4.
Gras riecht doch verführend. Was ist das Problem?
Beinlausi 26.02.2015
5. Ja, das war doof.
Ich kenne aber auch viele hellhäutige Menschen mit Dreads bzw. Marihuanaaroma. Die Schnittmenge ist groß. Und Marihuana ist-wie die Frisur-für ein kosequentes Praktizieren der Rastafari-Religion schwer verzichtbar. Die Frage ist: Ist es rassistisch, beim Anblick eines Mannes mit Kippah zu äußern, dass man für ihn hofft, dass es etwas koscheres zu essen gibt? Ungeschickt, besonders aufgrund der immer noch großflächigen Prohibition der Cannabinoide, ja, rassistisch? Nein.
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