Zoë Saldanas umstrittene Rolle "Für eine schlechte Halloween-Party schwarz angemalt"

In ihrem neuen Film porträtiert Zoë Saldana die afroamerikanische Soulsängerin Nina Simone. Doch bereits im Vorfeld sieht sich die Schauspielerin massiver Kritik ausgesetzt - sie sei nicht dunkelhäutig genug für die Rolle.

face to face/ CapFSD

Im April kommt ein Film über die US-Sängerin Nina Simone in die amerikanischen Kinos. Die Afroamerikanerin aus North Carolina wird in "Nina" von der Schauspielerin Zoë Saldana verkörpert, die mit Filmen wie "Avatar" und "Guardians of the Galaxy" einem breiten Publikum bekannt ist. Von Anfang an hat diese Besetzung jedoch Kritik ausgelöst. Nun wurde ein erstes Werbeplakat veröffentlicht - und erneut kocht bei einigen Fans Wut hoch.

Der Vorwurf: Saldana, Amerikanerin mit dominikanischen Wurzeln, habe zu helle Haut, um die schwarze Jazz-Legende (1933 bis 2003) zu verkörpern. Gemeint ist, dass weiße Schauspieler Rollen übernehmen, die eigentlich mit Afroamerikanern, Asiaten oder amerikanischen Ureinwohnern besetzt werden müssten - um die Filme mainstream-fähiger zu machen. "Whitewashing" wird so etwas in Hollywood genannt. Das führt unter anderem dazu, dass es kaum starke Rollen für nicht-weiße Schauspieler gibt, was wiederum zu einer recht überschaubaren Diversität in der Filmszene führt - eine Diskussion, die auch bei der Oscar-Verleihung Thema war.

Despite significant controversy, #Nina, a years-in-the-making biopic of the so-called “High Priestess of Soul,” will debut in theaters this April.

Ein von Entertainment Weekly (@entertainmentweekly) gepostetes Foto am

Andere aktuelle Beispiele, die zuletzt Kontroversen auslösten: Rooney Mara spielte in "Pan" die Ureinwohner-Prinzessin Tiger Lily. In "Aloha" übernahm Emma Stone die Rolle einer hawaiianisch-asiatischen Soldatin.

Das Casting von Saldana im Jahr 2012 schien vielen auch nicht richtig, weil die Hautfarbe Simones und die damit einhergehende Diskriminierung einen großen Teil ihrer Biografie ausmachte. "Ein großer Teil von Nina Simones Arbeit und Aktivismus resultierte aus den Herausforderungen, die sich ihr wegen ihrer dunklen Hautfarbe stellten", schrieb etwa die Medienkritikerin Tiffani Jones.

Nina Simone (l.) und Zoë Saldana
Getty Images/ Redferns

Nina Simone (l.) und Zoë Saldana

Selbst Simones Tochter schaltete sich in die Debatte ein. "Meine Mutter wurde in einer Zeit groß, in der ihr gesagt wurde, ihre Nase sei zu breit und ihre Haut zu dunkel", sagte Lisa Simone Kelly der "New York Times". "Vom Äußeren her ist das nicht die beste Wahl", sagte sie mit Blick auf Saldana.

Bilder vom Set zeigen Saldana mit einer Nasenprothese und dunkler geschminkter Haut. Ein Foto aus dem Film wurde nun auch für das Filmplakat verwendet, das nun so heftig kritisiert wird.

Zoë Saldana sehe auf dem Bild aus, als habe sie sich "für eine schlechte Halloween-Party schwarz angemalt", schrieb beispielsweise Anthea Butler, Professorin für Afrika-Studien an der Universität Pennsylvania auf Twitter.

Der afroamerikanische Regisseur Matthew Cherry fragte: "War es ok, Zoe Saldanas Haut dunkler zu schminken, damit sie Nina Simone spielen konnte, oder hätten sie vielleicht einfach eine dunkelhäutigere Schauspielerin casten sollen?"

Saldana äußerte sich zur aktuellen Diskussion bislang nicht. 2013 erklärte sie, sie mache den Film für "ihre Schwestern und Brüder" und es sei ihr egal, wenn Leute ihr sagten , was sie tun und was sie zu lassen habe. 2015 hörte sich das schon weniger selbstbewusst an: Sie sei vielleicht nicht die Richtige für den Part gewesen, sagte sie der "Instyle". "Aber ich glaube, Elizabeth Taylor war auch nicht richtig als Kleopatra."

gam

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