Streit um Zoe Saldanas neue Rolle "Nimm Ninas Namen nicht in den Mund!"

Ist Zoe Saldana dunkelhäutig genug, um im Film die afroamerikanische Soulsängerin Nina Simone darzustellen? Die Produzenten verteidigen Saldana - im Gegensatz zu den Nachlassverwaltern der Musikerin.

AP

Welche Rolle spielt die Hautfarbe für Rollen in Kinofilmen? Um diese Frage ist in der Branche nun eine hitzige Debatte entstanden, in deren Mittelpunkt Zoe Saldana steht. Die Schauspielerin, bekannt durch "Avatar" und "Guardians of the Galaxy", porträtiert in einem neuen Film die US-Sängerin Nina Simone - und Kritiker bemängeln, Saldana sei für diese Rolle nicht dunkelhäutig genug.

Nun nimmt die Kontroverse Fahrt auf: Die Produktionsgesellschaft des Biopics über die Jazzmusikerin hat die Besetzung mit der Amerikanerin Saldana verteidigt, sie hat Wurzeln in Purto Rico und der Dominikanischen Republik. Der Chef von RLJ Entertainment, Robert L. Johnson, forderte, die Protagonistin nicht aufgrund ihrer Hautfarbe zu beurteilen - sondern aufgrund ihrer darstellerischen Leistung.

Despite significant controversy, #Nina, a years-in-the-making biopic of the so-called “High Priestess of Soul,” will debut in theaters this April.

Ein von Entertainment Weekly (@entertainmentweekly) gepostetes Foto am

Allerdings wurde erneut auch heftige Kritik an Saldana laut. Auf einen Tweet der Schauspielerin, in dem sie Simone zitierte, reagierten die Nachlassverwalter der 2003 gestorbenen Sängerin empört: "Coole Geschichte, aber nimm bitte Ninas Namen nicht in den Mund", heißt es in dem Tweet: "Für den Rest deines Lebens."

In dem Streit geht es im Kern um eine Debatte, die auch bei der Oscar-Verleihung ein Thema war: Kritiker monieren, dass weiße Schauspieler Rollen übernehmen, die eigentlich mit Afroamerikanern, Asiaten oder amerikanischen Ureinwohnern besetzt werden müssten - um die Filme mainstreamfähiger zu machen. Dieses sogenannte Whitewashing führt unter anderem dazu, dass es kaum starke Rollen für nichtweiße Schauspieler gibt, was wiederum zu einer recht überschaubaren Diversität in der Filmszene führt.

Das Casting von Saldana im Jahr 2012 schien vielen auch nicht richtig, weil die Hautfarbe Simones und die damit einhergehende Diskriminierung einen großen Teil ihrer Biografie ausmachte. "Ein großer Teil von Nina Simones Arbeit und Aktivismus resultierte aus den Herausforderungen, die sich ihr wegen ihrer dunklen Hautfarbe stellten", schrieb etwa die Medienkritikerin Tiffani Jones.

Nina Simone (l.) und Zoe Saldana
Getty Images/ Redferns

Nina Simone (l.) und Zoe Saldana

Selbst Simones Tochter schaltete sich in die Debatte ein. "Meine Mutter wurde in einer Zeit groß, in der ihr gesagt wurde, ihre Nase sei zu breit und ihre Haut zu dunkel", sagte Lisa Simone Kelly der "New York Times". "Vom Äußeren her ist das nicht die beste Wahl", sagte sie mit Blick auf Saldana. Bilder vom Set zeigen Saldana mit einer Nasenprothese und dunkler geschminkter Haut. Ein Foto aus dem Film wurde auch für das Filmplakat verwendet, das nun heftig kritisiert wird.

Saldana selbst hat sich zur aktuellen Diskussion bislang nicht geäußert. 2013 erklärte sie, sie mache den Film für "ihre Schwestern und Brüder" und es sei ihr egal, wenn Leute ihr sagten, was sie zu tun und was sie zu lassen habe. 2015 hörte sich das schon weniger selbstbewusst an: Sie sei vielleicht nicht die Richtige für den Part gewesen, sagte sie dem Magazin "Instyle". "Aber ich glaube, Elizabeth Taylor war auch nicht richtig als Kleopatra."

mxw/AP/Reuters

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