Zurechnungsfähigkeit Gericht prüft Bettencourt-Vormundschaft

Neue Entwicklungen in der Affäre um Frankreichs reichste Frau: Zwei Mal versuchte Françoise Bettencourt-Meyers bereits vergeblich, ihre Mutter entmündigen zu lassen. Nun wird sich ein Gericht mit der Frage beschäftigen, ob die Milliardärin unzurechnungsfähig ist.

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Paris - Eine Vormundschaftsrichterin in Courbevoie bei Paris hat entschieden, dass das Ansinnen von Liliane Bettencourts Tochter zulässig sei und geprüft werden müsse, teilte der Anwalt der Milliardärin mit. Die Tochter, Françoise Bettencourt-Meyers, war bereits zwei Mal mit ähnlichen Vorstößen vor Gericht gescheitert. Ihrer Ansicht nach ist ihre 88-jährige Mutter nicht mehr im Vollbesitz ihrer Kräfte.

Bettencourt-Meyers erhebt den Vorwurf, dass die L'Oréal-Milliardärin von Freunden und Vertrauten ausgenutzt werde. So soll der Künstler François-Marie Banier der alten Dame über die Jahre fast eine Milliarde Euro in Form von Gemälden, Immobilien, Lebensversicherungen und Schecks aus der Tasche gezogen haben.

Die Vormundschaftsrichterin sah dem Anwalt zufolge nun zwar keine Notwendigkeit für eine sofortige Zwangsentmündigung der 88-Jährigen. Doch soll in einer Untersuchung geprüft werden, ob das Begehren der Tochter berechtigt ist. Dazu soll auch ein medizinisches Gutachten eingeholt werden; dies hatte Bettencourt bisher stets verweigert. Ihr Anwalt wollte gegen die Entscheidung Beschwerde einlegen.

Der in mehrere Finanzaffären verstrickten Milliardärin droht zudem weiteres Ungemach: Ein Gericht in Paris ordnete an, dass künftig alle Aspekte dieser Affären - darunter mutmaßliche illegale Bargeldspenden für den Präsidentschaftswahlkampf von Nicolas Sarkozy - in Bordeaux verhandelt werden. Der Sarkozy nahestehende Staatsanwalt Philippe Courroye, der bisher mit der Untersuchung betraut war, stand unter Verdacht, die juristische Aufarbeitung hinausgezögert zu haben.

In den Skandal ist auch der bisherige Arbeitsminister Eric Woerth verwickelt, der der neuen Regierung von Premierminister François Fillon nicht mehr angehört. Er war früher Schatzmeister von Sarkozys UMP-Partei.

can/AFP/dpa

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