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Sexistische Beleidigungen: TV-Moderatorin schmeißt Islamist aus der Schalte

TV-Moderatorin Rima Karaki bietet Sebai die Stirn - mit ihren eigenen Methoden Zur Großansicht
YouTube/ Al-Jadeed TV/ Memri TV

TV-Moderatorin Rima Karaki bietet Sebai die Stirn - mit ihren eigenen Methoden

"Halten Sie die Klappe, damit ich reden kann." Weil sie ihn auf die schwindende Zeit aufmerksam machte, beschimpfte ein Islamist die libanesische TV-Moderatorin Rima Karaki. Die wusste sich allerdings zu helfen.

Beirut/London - Rima Karaki arbeitet als Nachrichtenmoderatorin bei dem libanesischen Sender Al-Jadeed TV. Für ein Gespräch zum Thema Christen, die sich dem IS anschließen, sollte sie den in London lebenden ägyptischen Islamisten Hani al-Sebai in einer Live-Schalte interviewen. Das Gespräch endete im Streit, Karaki warf Sebai aus dem Programm - und wird nun für ihren Schritt gefeiert.

In einem YouTube-Video, das von der Organisation Memri übersetzt wurde, stellt sich der Vorgang wie folgt dar. Sebai setzt zur Anwort an, verliert sich in Ausführungen zu Christen in Kreuzzügen und der Roten Brigade in Italien. Karaki versucht, ihren Interviewpartner auf Kurs zu bringen: "Lassen Sie uns auf die Gegenwart konzentrieren", fällt sie ihm ins Wort.

Sebai reagiert unwirsch. "Hören Sie mal, unterbrechen Sie mich nicht. Ich werde antworten, wie es mir passt." Er sei hier, weil er an etwas glaube und diese Idee vertreten wolle.

Karaki versucht die Situation zu retten, gestikuliert entschuldigend, beginnt Sätze wie "Wir respektieren..." und erklärt, dass sie nur begrenzt Zeit haben. Doch ihr Gegenüber unterbricht sie, nun wesentlich heftiger und wild gestikulierend. "Was ist das für eine Art von Verhalten?", schnaubt Sebai und zitiert einen Mann, mit dem er ausgemacht haben will, dass er nicht unterbrochen wird.

Beruhigungsversuche schlagen fehl

Die Moderatorin fügt sich zunächst. "In Ordnung, machen Sie weiter, wir haben mehr Zeit bekommen." Doch da scheint die Diskussion bereits verloren. Sebai - nun sichtlich aufgebracht - fragt Karaki: "Sie fühlen sich wohl ganz toll."

Selbst dann behält Karaki die Nerven, sagt, er solle weitermachen, sie aber nicht beschimpfen. Entrüstet wiederholt Sebai, er sei hier für sein Anliegen. Da sagt Karaki, dies sei ihre Sendung, sie treffe hier die Entscheidungen - und zu seinem eigenen Wohl habe sie ihn darauf hingewiesen, dass die Zeit läuft. "Jetzt liegt es an Ihnen."

Sebai aber hat die Christen beim "Islamischen Staat" längst vergessen. "Sie können so viel entscheiden wie Sie wollen, ich werde tun, was immer ich will." Noch einmal fordert sie Sebai auf, zu antworten. Aber die Beschwichtigungsversuche scheitern: "Sind Sie endlich fertig? Halten Sie die Klappe, damit ich reden kann."

Karaki: "Wie kann ein respektierter Scheich wie Sie einem TV-Moderator sagen, er soll die Klappe halten?"

Sebai: "Ich bin respektiert, ob Sie wollen oder nicht."

Internationaler Beifall

Dann setzt Karaki zu den Worten an, die ihr international Beifall eingebracht haben. "Genug. Lasst uns das hier abschließen." Sebai versucht noch, dazwischenzugrätschen. "Es ist unter meiner Würde, von Ihnen interviewt zu werden. Sie sind eine Frau, die..."

Nochmals unterbricht ihn Karaki, dieses Mal, indem sie Sebais Mikrofon ausschaltet: "Entweder herrscht hier gegenseitiger Respekt, oder die Unterhaltung ist beendet." Sebai antwortet noch irgendetwas, seine Stimme ist nur brüchig oder gar nicht zu hören. Dann ist das Video zu Ende, Karaki hat ihn offenbar aus der Schalte geschmissen.

Viele feiern Karakis Mut, gerade vor dem Hintergrund des Internationalen Frauentags am Sonntag. Das Video wurde weit mehr als eine Million Mal geklickt.

gam

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