Schiffsunglück vor Libyen Schlauchboot mit Dutzenden Migranten an Bord gesunken

Vor Libyen ist ein Boot mit mutmaßlich 120 Migranten an Bord gesunken. Nur drei Menschen konnten gerettet werden.

Flüchtlinge im Mittelmeer
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Flüchtlinge im Mittelmeer


Rund 90 Kilometer nordöstlich von Tripolis ist ein Flüchtlingsboot gesunken. Laut Angaben von Überlebenden sollen sich 120 Menschen auf dem Schlauchboot befunden haben, sagte der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration, Flavio Di Giacomo. Den Augenzeugen zufolge war das Boot Donnerstagabend aus Garabulli gestartet, einem Ort rund 65 Kilometer östlich von Tripolis.

"Nach zehn bis elf Stunden Fahrt begann dem Boot die Luft auszugehen, und es fing an zu sinken. Die Menschen sind ins Meer gefallen und ertrunken", sagte Di Giacomo der Nachrichtenagentur Adnkronos. An Bord seien demnach auch zehn Frauen und zwei Kinder gewesen, eines davon nur zwei Monate alt.

Ein Rettungsboot der libyschen Küstenwache war bereits auf dem Weg zur Unglücksstelle, sagte deren Sprecher Ajub Kasim. Unterwegs habe das Boot der Küstenwache jedoch eine Panne erlitten.

Drei Menschen seien von der italienischen Marine aus einem Hubschrauber gerettet und auf die Insel Lampedusa gebracht worden, berichtete der "Fatto Quotidiano". Bei den Überlebenden handelt es sich um zwei Männer aus dem Sudan und einen aus Gambia. Sie sollen bis zu ihrer Rettung drei Stunden im Wasser ausgeharrt haben.

80 Prozent weniger Geflüchtete über die Route Libyen-Italien

Die Zahl der Migranten, die illegal über deutsche Grenzen einreisen wollen, hat im vergangenen Jahr offenbar erheblich abgenommen. Das geht aus einer Erhebung des vom Bundesinnenministerium eingerichteten Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums Illegale Migration hervor, über die der SPIEGEL berichtete.

Demnach zeigt der restriktive Kurs der italienischen Regierung an der ehemaligen Hauptroute aus Libyen nach Italien Wirkung. Dort sank die Zahl der Migranten, die auf dem Seeweg Europa erreichten, von 119.369 in 2017 auf 23.371 im vergangenen Jahr - ein Rückgang von 80 Prozent. In der Folge weichen Schleuser auf andere Wege aus.

"Mittelmeer bleibt ein Friedhof"

"Ohne sichere und legale Wege für Menschen, die Sicherheit in Europa suchen (...), bleibt das Mittelmeer ein Friedhof", twitterte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Seit Beginn des Jahres waren - das letzte Unglück nicht eingerechnet - laut IOM im Mittelmeer 83 Menschen umgekommen. Im Vorjahreszeitraum waren es 199.

"Solange Europas Häfen offen bleiben, solange jemand den Schleppern hilft, machen die Schlepper leider weiter Geschäfte und töten weiter", erklärte Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini. In den letzten Monaten wurden mehrere Rettungsschiffe mit Migranten tagelang auf dem Meer blockiert. Darunter waren zuletzt zwei Schiffe der deutschen Hilfsorganisationen Sea-Watch und Sea-Eye. Erst nach wochenlangen Verhandlungen nahm Malta die Geflüchteten auf, wo sie dann auf andere Länder verteilt werden sollten.

Sea-Watch nahm laut eigenen Angaben erneut 47 Menschen von einem Schlauchboot auf, das im Mittelmeer trieb. Wohin die "Sea-Watch 3" fahren kann, ist allerdings unklar. Salvini erklärte umgehend, nach Italien dürften sie nicht.

ala/dpa



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