Lichterscheinungen Aufgeregte Bayern melden Ufos, Kometen, Flugzeugabstürze

Helle Aufregung über den Nachthimmel herrschte in der Nacht zum Sonntag bei vielen Menschen in Bayern. Mysteriöse Lichtphänomene und Explosionsgeräusche führten zu unzähligen Anrufen verunsicherter Bürger bei der Polizei.


Lichter unbekannter Herkunft über Bayern: Der Komet Ikeya-Zhang war's laut Wetterdienst nicht
DDP

Lichter unbekannter Herkunft über Bayern: Der Komet Ikeya-Zhang war's laut Wetterdienst nicht

München - Bei etlichen Polizeidienststellen standen die Telefone nicht still: Hunderte Anrufer meldeten ungewöhnliche Blitze, die mit unglaublichem Tempo über den Himmel geschossen seien. Die geheimnisvollen Nachtlichter hätten Funkenschweife hinter sich hergezogen und den Himmel teilweise taghell erleuchtet. Manche Anrufer vermeldeten zudem ein längeres Donnergrollen und laute Explosionsgeräusche.

Die Herkunft der Lichter ist noch immer unklar: Zunächst wurde ein Zusammenhang mit dem bevorstehenden Absturz von Weltraummüll vermutet, den die Nasa angekündigt hatte. Das schloss die US-Raumfahrtbehörde jedoch aus. Ufo-Experten gingen von einem "Feuerball-Boliden" aus.

Dies vermutete zunächst auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Später schloss der DWD einen Zusammenhang mit dem Kometen "Ikeya-Zhang" jedoch definitiv aus. Der Komet sei zum fraglichen Zeitpunkt zu weit von der Erde entfernt gewesen, so die Begründung.

Allein bei den Behörden in Garmisch-Partenkirchen gingen rund 50 Anrufe ein. Doch nicht nur Anrufer, auch Polizisten wunderten sich über die Lichter am Himmel: "Was war denn gerade so hell da draußen?", fragte sich ein Polizeisprecher, während er Fernsehen schaute. Ein Kollege von ihm beschrieb das fragwürdige Schauspiel: "Es gab mehrere Blitze, und sogar die Fenster haben geklirrt. Ich bin selbst aufgeschreckt und habe geglaubt, es sei ein Erdbeben."

Beunruhigung auch der Zugspitze: "Zuerst dachte ich, ein Flugzeug sei abgestürzt", berichtete Werner Hahmann, Wetterbeobachter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf Deutschlands höchstem Berg. "Erst zuckten drei Blitze über den Himmel, dann folgten Explosionsgeräusche. Sie waren sehr laut und dauerten mindestens eine halbe Minute."

Der Schwerpunkt der rätselhaften Lichtblitze war über Südbayern: Nach Polizeiangaben schlugen von etwa 22 Uhr bis zum Sonntagmorgen zahlreiche besorgte Bürger in Oberbayern, Schwaben und der Oberpfalz, aber auch in Franken Alarm. Auch außerhalb des Freistaates sorgten die mysteriösen Lichter für Aufregung: Im Frankfurter Raum, in Oberösterreich und selbst im weit entfernten Münsterland meldeten sich besorgte Anrufer.

Allein in München gingen mehrere 100 Anrufe ein. Auch am Münchner Flughafen wurde im Bereich der Südbahn eine Lichterscheinung beobachtet. Ein Mitarbeiter des Airports sei zu der Landebahn gefahren, um nach möglichen Spuren zu suchen. Er habe jedoch nichts gefunden, berichtete eine Flughafen-Sprecherin.

Eine mögliche Erklärung lieferte die Mannheimer Ufo-Meldestelle: Die Lichtblitze seien vermutlich auf einen "Feuerball-Boliden", ein großes Stück kosmischer Materie, zurückzuführen. Dabei handele es sich um eine Art "megagroßen Bruder der Sternschnuppe", der in flacher Bahn in die Erdoberfläche eingetreten und dann in mehrere Einzelteile zerbrochen sei, sagte Ufo-Experte Werner Walter.

An solchen Spekulationen wollte sich ein DWD-Meteorologe in München dagegen nicht beteiligen: "Die einzige Möglichkeit wäre Polarlicht, aber das ist sehr unwahrscheinlich", sagte er. "Für uns ist das wirklich unerklärlich - wie ein Ufo."



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