Liebesdrama Schwuler Pinguin verlässt Liebhaber - für ein Weibchen

Männer sind Schweine, selbst wenn sie in Gestalt eines Pinguins daherkommen. So wie Harry. Das Seevogel-Männchen aus San Francisco hat jetzt seinen langjährigen Freund für eine Dame verlassen - und beglückt mit diesem Sinneswandel sogar Fundamental-Christen.


Los Angeles/Hamburg - Geschah es aus Liebe? Tat er es aus Mitleid? Oder ist Pinguin Harry bloß ein skrupelloser Mitgift-Jäger? Sechs Jahre lang hat das Pinguinmännchen im Zoo von San Francisco eine homosexuelle Beziehung mit Pinguin Pepper geführt. Man ist, sozusagen, durch dick und dünn gewatschelt.

Schwule Pinguine in Bremerhaven: Wider die Natur?
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Schwule Pinguine in Bremerhaven: Wider die Natur?

Und jetzt?

Hat sich Harry einfach eine Frau geschnappt - oder sich von ihr schnappen lassen. Denn wie die "Los Angeles Times" am Freitag berichtete, ging der treulose Seevogel eine Beziehung zu der seit einigen Monaten verwitweten Pinguindame Linda ein.

Diese Nachricht, man muss das verstehen, wurde in einigen Internet-Foren offenbar mit Empörung aufgenommen - zumal sich San Francisco einer großen Gay-Community erfreut.

Eine Schuldige war daher auch schnell gefunden. Linda, so war zu lesen, habe Pepper seinen Partner ausgespannt. Die Dame kümmere sich offenbar nur "um ihr eigenes Glück, egal, wen sie damit verletzt", giftete etwa ein anonymer Blogger.

Schließlich, so der Fernanalytiker, hätten Harry und Pepper ja eine nahezu perfekte Beziehung geführt. So weit sei ihre vermeintlich perfekte Liebe gar gegangen, dass die beiden Jungs sogar auf im Stich gelassenen Nestern ihrer Artgenossen gebrütet hätten!

Und jetzt? Alles aus.

Harrison Edell, der sich um das Pinguingehege kümmert, sieht den Partnerwechsel etwas pragmatischer. Linda, so ließ der in Pinguin-Liebesdingen ja sicherlich einigermaßen bewanderte Mann wissen, besitze gleich zwei Nester. Und eben diese beiden Immobilien machten die Witwe nun einmal zu so etwas wie der Chefin der Pinguinkolonie. Diese "gute Partie" habe sich Harry nicht entgehen lassen wollen.

Die christliche Website OneNewsNow.com konnte mit dieser materialistischen Interpretation des Liebesdramas freilich nichts anfangen. Dort wertete ein vermeintlicher Experte die Trennung als Beweis dafür, dass "die Natur heterosexuelle Partnerschaften bevorzugt".

Das kann man so fundamentalistisch sehen, sollte man aber nicht: Im Bremerhavener Zoo adoptierten zwei schwule Humboldtpinguine unlängst sogar ein Küken. Und Zoologen wissen: Homosexuelle Neigungen im Tierreich sind oftmals ähnlich stabil wie beim Menschen - und zudem gar nicht selten.

Der US-Forscher Bruce Bagemihl widerlegte schon 1999 mit einem Standardwerk zum Thema all jene, die Homosexualität immer noch für unnatürlich halten. Mehr als 450 auch mal homosexuell verkehrende Tierarten dokumentierte der Wissenschaftler: Von lesbischen Warzenschweinen ist da die Rede, von schwulen Emus und von Amazonas-Delfinen, die ihren Penis ins Blasloch der Kumpanen stecken.

tdo/AFP



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