Umstrittener Limburger Bischof: Tebartz-van Elst fliegt nach Rom

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Skandalbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat laut "FAS" kurzfristig einen Flug nach Rom gebucht. Offenbar möchte er dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz Robert Zollitsch zuvorkommen - der will kommende Woche mit Papst Franziskus über die Situation im Bistum Limburg sprechen.

Limburg/Frankfurt - Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst fliegt laut einem Zeitungsbericht an diesem Samstag nach Rom. Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") zufolge will der umstrittene Geistliche dort dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zuvorkommen.

Zollitsch beginnt am Montag einen Besuch im Vatikan mit Gesprächen. Im Lauf der Woche will er Papst Franziskus über die Situation im Bistum Limburg unterrichten. Zollitsch hatte die deutschen Bischöfe angesichts der Ereignisse in Limburg zu Bescheidenheit aufgerufen.

Der Erzbischof hält die Lage in dem Bistum für untragbar, nachdem die Baukosten für das Diözesane Zentrum stark gestiegen sind. Tebartz-van Elst wird dafür mitverantwortlich gemacht. Zollitsch hatte sich öffentlich vom Gebaren des Limburger Bischofs distanziert.

Der Zeitung zufolge hat Tebartz-van Elst einen Flug mit der Lufthansa gebucht, der an diesem Samstag um 16.35 Uhr Frankfurt verlassen soll. Der Rückflug ist für kommenden Donnerstag, 17. Oktober, vorgesehen. Das Bistum wollte den Bericht nicht kommentieren. "Ich kann das weder bestätigen noch dementieren", sagte ein Sprecher.

"Viele in der Kirche erwarten einen Rückzug"

Tebartz-van Elst steht wegen gestiegener Kosten beim Bau der Limburger Bischofsresidenz in der Kritik. Statt der ursprünglich veranschlagten 5,5 Millionen Euro wird der Bau mindestens 31 Millionen kosten. Bei der Limburger Staatsanwaltschaft sind deswegen gegen Tebartz-van Elst mehrere Anzeigen wegen Untreueeingegangen. In der kommenden Woche soll es eine Entscheidung geben, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.

Zudem hat die Staatsanwaltschaft Hamburg Strafbefehl gegen den Bischof wegen falscher eidesstattlicher Erklärung in zwei Fällen beantragt. Es geht um Aussagen des Bischofs, die er in einem Rechtsstreit mit dem SPIEGEL über einen Flug nach Indien gemacht hatte.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, hält einen Verbleib von Tebartz-van Elst im Bischofsamt für unwahrscheinlich. "Viele in der Kirche, auch viele seiner bischöflichen Amtsbrüder, erwarten einen Rückzug", sagte Glück der "Welt". "Aber sehr viele befürchten, dass der Bischof nicht zu dieser Einsicht kommt. Am Ende wird wohl Rom die Entscheidung treffen."

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Franz-Peter Tebartz-van Elst: Bischof unter Druck

Glück hofft, dass es im Vatikan schon in der nächsten Woche zu einer klaren Entscheidung kommt. "Die katholische Kirche in Deutschland muss von der Last dieser schon solang schwelenden Affäre möglichst rasch befreit werden", sagte der Vorsitzende der katholischen Laienorganisation. "Es ist nicht mehr ein Problem eines Bischofs allein, sondern der katholische Kirche in ganz Deutschland."

"Offensichtlich hat nicht nur im Bistum die Kontrolle versagt"

Deutlicher wurde der ehemalige Weihbischof aus Limburg, Gerhard Pieschl. "Wenn der Bischof auch nur einen Funken Ehrgefühl in sich hat, bietet er dem Papst sofort seinen Rücktritt an", sagte er der "Frankfurter Neuen Presse". Einen Bischof, der öffentlich als Lügner, Betrüger oder Kranker bezeichnet werde, könne der Papst nicht im Amt belassen. Vertrauen und Glaubwürdigkeit seien nicht mehr wiederherzustellen.

Kritik richtet sich auch gegen den Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, den Oberhirten der Kirchenprovinz, zu der auch Limburg gehört. "Offensichtlich hat nicht nur im Bistum die Kontrolle versagt, sondern auch auf der nächsthöheren Ebene, der Kirchenprovinz", sagte Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Die Grünen-Politikerin gehört dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken an. Meisner hatte Mitte September in einem Interview des Kölner Domradios gesagt, die Urteile über Tebartz-van Elst entbehrten der Realität.

Rückendeckung bekam Tebartz-van Elst von dem Kirchenkritiker und Theologen Eugen Drewermann. "Ich finde es nicht richtig, dass ein Mann, der mit dem Rücken zur Wand steht, skandalisiert wird für ein Problem, das nicht personell, sondern strukturell ist", sagte der 73-Jährige der "Neuen Westfälischen".

Auch bei einflussreichen Personen der Kurie verfügt der Limburger Bischof weiter über Rückhalt. Dazu gehört der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller. Er hatte Mitte September von einer "Kampagne" gegen Tebartz-van Elst gesprochen und gesagt, dieser bleibe im Amt.

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ulz/dpa

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insgesamt 382 Beiträge
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1. 1. Klasse?
herr_jaspers 12.10.2013
mfg
2. optional
Mehrleser 12.10.2013
Wie wäre es mal mit einer Atempause für SPON? Das ist ein kleiner mieser Bischof, der hier die Schlagzeilen beherrscht wie eine nationale Katastrophe - das wird langsam unangemessen und peinlich! 1-2 Meldungen dazu pro Woche sollten reichen.
3. Und?
roflem 12.10.2013
Business oder erster Klasse? Oder gar mit einem Billigflieger?
4. Hoffentlich ftritt er zurueck
markmue 12.10.2013
Dieser Mensch schadet dem Ansehen der Kirche.
5.
apfeldroid 12.10.2013
Viel Komfort in der First Class! Was mich an der ganzen Sache sehr wundert ist, dass der Geistliche überhaupt keine Befürworter hat, das muss doch darauf deuten, dass etwas stinkt.
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