Bischofssitz in Limburg Macht auf die Tür

Das Bistum Limburg versucht den Neuanfang: Der luxuriöse Bischofssitz von Franz-Peter Tebartz-van Elst wird künftig öffentlich zugänglich sein. Jetzt gab es die erste Führung.

Peter Wensierski/ DER SPIEGEL

Von , Limburg


Auf dem Domberg zu Limburg geht es an Wintertagen eher still zu. Auch an diesem Freitagmorgen zieht es durch die Altstadtgassen kaum Touristen zum windigen und kühlen Platz vor dem Dom hinauf. Die wenigen Flaneure drücken sich am Eingang des verschlossenen "Diözesanen Zentrums St. Nikolaus" die Nasen an den Scheiben platt. "Ist er das, der Protzbau?"

Hinter einer schweren Bronzeplatte des Entrees stehen zur gleichen Zeit die Erben des Skandalbaus, den Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ihnen vor einem Jahr hinterlassen hat, und mühen sich um Normalität. "Es ist ein wertvolles Gebäude, es kann sich doch sehen lassen", sagt der Apostolische Administrator, Weihbischof Manfred Grothe. Sein Vertreter Wolfgang Rösch sekundiert vor den ausgestreckten Mikrofonen der Kamerateams: "Das Haus muss mit Leben gefüllt und angenommen werden, denn wir wollen aus den Schlagzeilen heraus und in die Wirklichkeit des Lebens kommen."

Beten mit dem iPad

Was Rösch und Grothe ankündigen, ist das Ende des berühmtesten Leerstands in Deutschland. Tebartz-van Elst ließ sich einen Bischofssitz auf den Domberg bauen, wie ihn das Land noch nicht gesehen hat. 30 bis 40 Millionen Euro sollen investiert worden sein, auf dass der Bischof einen komfortablen Rückzugsort erhielt, zugleich eine luxuriöse Durchgangsstation zu noch größerer Macht: Er strebte wohl die Nachfolge des Kölner Kardinals Joachim Meisner an. Auf dessen Wunsch hatte Papst Benedikt XVI. Tebartz-van Elst auf den Limburger Bischofsposten gehievt.

Das mit dem Amt in Köln ist bekanntlich schiefgegangen, im März 2014 nahm Papst Franziskus Tebartz-van Elsts Angebot zum Amtsverzicht an, wie es offiziell hieß. Der Bischof war weg, sein Rückzugsort blieb. Nun wartet man auf den neuen Bischof und dessen Ideen für den Bau. Wann der allerdings ernannt wird, weiß keiner so genau, und so stellte das Bistum Limburg nun sein Konzept zur "Zwischennutzung" des Gebäudekomplexes vor.

Journalisten wurden dazu in drei Runden durch das Zentrum geführt, inklusive des leergefegten privaten Wohnbereichs.

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An den Wänden finden sich rund ein Dutzend iPads, man kann mit ihnen die Medien steuern, das Licht, die Vorhänge. Oder man lässt sich das Stundengebet anzeigen. Auf Nachfrage werden auch der Ort für die ursprünglich vorgesehene Sauna und der noch nie gezeigte Weinkeller vorgeführt. Er ist leer, versteht sich. Tebartz-van Elst hat schließlich drei komplette Umzugswagen vollgeräumt, als er Limburg verließ.

Die Bistumsvertreter gaben an, mit einer Öffnung des Bischofshauses für Veranstaltungen, Sitzungen und Konferenzen einen weiteren Schritt auf dem "Weg der Aufarbeitung und Neuausrichtung" gehen zu wollen.

Es ginge schließlich darum, das Gebäude zu "entmystifizieren und zu entmythologisieren", um "die Architektur, die Funktionen und die Bedeutung für die Diözese" zu vermitteln.

Entmythologisieren? Ein Mythos, kann man nachlesen, ist in seiner ursprünglichen Bedeutung eine Erzählung, mit der Menschen und Kulturen ihr Welt- und Selbstverständnis zum Ausdruck bringen. In einem weiteren Sinn bezeichnet Mythos auch Personen, Dinge oder Ereignisse von hoher symbolischer Bedeutung oder auch einfach nur eine Lüge.

Das Gebäude heißt jetzt "Bischofshaus"

Das Gebäude steht für viele große und kleine Lügen, für Machtmissbrauch, Angst und Einschüchterung. So hat der Hoffnungsträger der katholischen Kirche Tebartz-van Elst sein Welt- und Selbstverständnis praktiziert. Und nun? Aufarbeitung durch Verschwindenlassen von Namen, durch Verdrängen und Vergessen?

Von der ursprünglichen Bezeichnung "Diözesanes Zentrum Sankt Nikolaus" für das Gebäudeensemble auf dem Domberg will das Bistum abrücken. Der Begriff sei irreführend, sagt Bistumssprecher Stephan Schnelle. Der vom Papst eingesetzte Administrator Grothe legte darum jetzt nach Beratung mit den zuständigen Gremien "Bischofshaus" als passende Bezeichnung fest.

Offensichtlich will das Bistum so auch dem künftigen Bischof von Limburg den Weg ins teure Haus ebnen. Nur: Beginnt eine neue Zeit allein schon mit neuen Namen? Und welche Weichen stellt dieser Name für die Zeit nach der Zwischennutzung?

Rösch ist seit Kurzem Domkapitular und gehört somit zu den Bischofsmachern. Er sagt, der neue Bischof solle selbst sagen, ob er dort wohnen möchte. Wer auch immer es wird: Schon zu Beginn seiner Amtszeit wartet eine schwierige Entscheidung. Eines stellt Rösch vorsichtshalber klar: Man werde "sicherlich kein zweites Bischofshaus bauen".

Dabei hatten Limburger Katholiken viele Vorschläge gemacht, wie der Bau genutzt werden könnte: als Flüchtlingsheim etwa oder Touristenattraktion. Es wurde nichts draus. Den vor fast einem Jahr abberufene Bischof Tebartz-van Elst ficht das alles nicht mehr an. Er hat mittlerweile einen neuen Posten im Vatikan übernommen, und erhält noch auf Jahre knapp 7000 Euro monatliches Salär weiterhin aus Limburg. Über seine Nachfolge wird wohl vor 2016 nicht entschieden.

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Tebartz-van Elst: Der Bischof, der die Kirche erschütterte

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insgesamt 45 Beiträge
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Palmstroem 20.02.2015
1. Gut gelungen
Limburg darf sich freuen. Die Altstadt um den Dom hat mit der Bischofsresidenz gewonnen. Mittelalter und Moderne finden hier großartig zusammen. Limburg hat eine Attraktion mehr.
rexsayer 20.02.2015
2. Also ich finde, das ist Architektur vom Feinsten !
Geschaffen für Jahrhunderte. Passt bildschön ins Stadtbild. Führer können sich jetzt eine goldene Nase verdienen, wie zuvor die Handwerker und Architekten. Die Ausgaben kommen sicher wieder herein. Warum soll die Kirche, wie in Köln, auf einem Berg von Geld sitzen ? Unter die Leute soll Geld doch kommen !
pfzt 20.02.2015
3.
Zitat von PalmstroemLimburg darf sich freuen. Die Altstadt um den Dom hat mit der Bischofsresidenz gewonnen. Mittelalter und Moderne finden hier großartig zusammen. Limburg hat eine Attraktion mehr.
Das sehe ich auch so. Ich habe den "Skandal" damals auch nie wirklich verstanden. Gute Architektur kostet halt Geld. Was passiert wenn man keines dafür ausgibt, das kann man sich in deutschen Innenstädte anschauen.
spon-1280943165745 20.02.2015
4. Angemessener Lebensstil des Klerus
Zitat von rexsayerGeschaffen für Jahrhunderte. Passt bildschön ins Stadtbild. Führer können sich jetzt eine goldene Nase verdienen, wie zuvor die Handwerker und Architekten. Die Ausgaben kommen sicher wieder herein. Warum soll die Kirche, wie in Köln, auf einem Berg von Geld sitzen ? Unter die Leute soll Geld doch kommen !
Die kann man für das ausgegebene Geld auch verlangen. Sie sollten aber beachten das das Geld für die Seelsorge bestimmt ist und nicht für einen allzu luxuriösen Wohnsitz des Bischofs. Es passt nicht in die heutige Zeit und auch Jesus hätte sicher voller Gram den Kopf abgewandt vor dieser Verschwendung von Kirchengeldern.
P-Schrauber 20.02.2015
5. Moderne Architektur mit sensiblem Umgang mit der vorh. Bausbstanz
Das ist eine sehr zurückhaltende klassisch moderne Architektur die sensible in die vorhandene Bausubstanz des Areals integriert ist. Das ist nun einmal kein profaner Allerweltsbau sondern der Sitz eines Bischofs. Über die Koi's mag man gerne streiten, der bauliche "Rest" gibt keinen Anlass zu einer überzogenen Kritik, sondern ist dem Zweck angemessen. Der Weg dahin - und hier darf man zu Recht kritisieren sofern er denn Wahr ist - soll allerdings mit seinen mehrmalig wiederholenden Umbauten recht aufwändig gewesen sein.
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