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Lippen-Gate bei "Star Search": Alexandra Kamp wehrt sich gegen Vorwürfe

Alexandra Kamp, im "Lippen-Gate" geschasste Moderatorin bei der Sat.1-Show "Star Search", hat sich erstmals zu der vermeintlichen Affäre geäußert: "An bestimmten Punkten muss der Spaß eine Grenze haben", sagte die Schauspielerin SPIEGEL ONLINE. Sat. 1 reagierte mit Unverständnis auf die neuen Aussagen.

Kamp: Grenzen des guten Geschmacks überschritten
DDP

Kamp: Grenzen des guten Geschmacks überschritten

Berlin - Seit Tagen bestimmt der "Lippen-Streit" bei der Sat.1-Sendung "Star Search" die Boulevardmedien der Republik: die angeblichen Schönheits-Operationen der Alexandra Kamp, ihre Entlassung, die Nachfolgerin Eva Padberg. Die einzige, die in der ganzen Affäre bislang nicht zu Wort gekommen ist, ist die Schauspielerin selbst. Denn bisher hat sie zu allen Details des vermeintlichen Skandals geschwiegen.

Erstmals hat die 37-jährige Schauspielerin nun zu der Medienaffäre Stellung genommen. Nüchtern erklärte Kamp, dass sie in den letzten Wochen viel über das deutsche Mediengeschäft gelernt habe. "Ich muss wohl hinnehmen, dass es zu meinen Arbeitspflichten gehört, widerspruchslos hinzunehmen, wenn Kollegen sich über mich derartig geschmacklos äußern dürfen", sagte sie SPIEGEL ONLINE. Dabei sei jedoch der nun beendete Job nur die eine Seite der Geschichte. "Ich verwehre mich gegenüber bestimmten Kernbehauptungen, die weiterhin verbreitet werden", so Kamp weiter.

Balder: Um welche Lippen geht es denn?
DPA

Balder: Um welche Lippen geht es denn?

Hintergrund der Streitigkeiten war eine Bemerkung von Kamps Kollegen Hugo Egon Balder in einer der "Star Search"-Sendungen. Dort wurde noch mehr oder minder lustig darüber gewitzelt, ob Kamps volle Lippen vielleicht aufgespritzt seien. Wenig später war Balder in der TV-Show von Pro7-Krawallexperte Stefan Raab zu Gast. Ungefragt kam er erneut auf die Lippen und auch die Brüste seiner Kollegin zu sprechen, und philosophierte mit Raab darüber, ob die "Titten" (Balder) nicht vielleicht auch operiert seien. Dann wurde es noch zotiger: Der ehemalige Moderator der Erotik-Show "Tutti Frutti" fragte, um welche Lippen es denn eigentlich gehe.

Damit war für die Moderatorin die Schmerzgrenze erreicht. Sie fühle sich durch diese Äußerung verletzt, sagt Kamp heute. Sie sei kein Mensch ohne Humor, die Späße in der Sat.1-Sendung seien ja noch "irgendwo witzig" gewesen. Mit dem Wortspiel in der Pro7-Sendung habe Balder allerdings "das Terrain des guten Geschmacks" eindeutig verlassen. "An bestimmten Punkten muss der Spaß eine Grenze haben", sagt die Schauspielerin. "Irgendwann ist Schluss mit lustig."

Kamp widersprach Darstellungen, sie habe über ihren Anwalt rechtliche Schritte gegen Sat.1 und gegen den Kollegen Balder eingeleitet. Zwar sei sie wegen der Witzeleien in der Pro7-Sendung schon "etwas sauer" gewesen. "Trotzdem war mir klar, dass eine rechtliche Auseinandersetzung zu einem der üblichen Boulevardskandale geführt hätte." Ihr Management und ihr Anwalt hätten mit Sat.1 daher lediglich ihre offizielle Stellungnahme zu Balders Kommentaren abgestimmt.

Über ihren Anwalt Christian Schertz hatte Kamp nach eigenen Angaben sowohl beim Sender Pro7 als auch bei der Produktionsfirma Brainpool, welche Raabs Sendung "TV Total" produziert, Balders anzügliche Aussagen sperren lassen. Der Aufforderung kamen Sender und Produktionsfirma auch unverzüglich nach. "Ich wollte vermeiden, dass die Passagen nach der Sendung wieder und wieder gezeigt werden", sagte Kamp zur Begründung dieser rechtlichen Schritte.

Über die Gründe für die ausschweifende Berichterstattung will Kamp nicht spekulieren. Etwas ist allerdings gewiss: Durch die "Lippen-Affäre" wurde ausführlich über die Show berichtet, die bis dahin unter der Nichtbeachtung durch die Presse litt. Die Zuschauer-Quoten blieben am Sonntag, dem Höhepunkt der Affäre, allerdings unverändert im Keller.

Der Sender Sat. 1 reagierte mit Unverständnis auf die Aussagen von Alexandra Kamp. Eine Sprecherin empfahl der Schauspielerin "bei der Wahrheit" zu bleiben. "Uns liegen Schreiben des Anwaltes von Frau Kamp vor, in dem er uns ihre Vertretung in persönlichkeitsrechtlichen Angelegenheiten anzeigt und uns unter dem Gesichtspunkt der Fürsorgepflicht auffordert, als Sender keine weitergehenden Statements zu der Angelegenheit abzugeben. Das ist ein Maulkorb, den wir nicht akzeptieren konnten", sagte Senderprecherin Kristina Faßler am Mittwoch. Faßler erläuterte, dass sowohl an Pro7 und das Format "TV Total" parallel unter Androhungen einer Vertragsstrafe Unterlassungserklärungen gegangen seien. "Es ist nicht der Stil des Hauses, sich mit anwaltlichen Schreiben zu verständigen", sagte Faßler. Genau dies habe Frau Kamp zu oft getan und sie sei trotz Aufforderung nicht bereit gewesen, dies zu ändern. "Letztlich waren wir deshalb gezwungen, die schwierige Entscheidung zur Trennung zu fällen", so Faßler. Die Maxime des Senders sei klar: "Kommunikation unter Mitarbeitern und Stars eines Senders sollte direkt passieren."

Matthias Gebauer

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