+++ Liveticker +++ Energiekonzern rationiert Strom in Tokio

Die Folgen der Tsunami- und Atomkatastrophe sind auch in Japans Hauptstadt Tokio immer stärker zu spüren: Die Regierung lässt die Radioaktivität kontrollieren; Versorgungsengpässe drohen. In Teilen der Region wird die Elektrizität abgeknipst. Die Ereignisse im Liveticker.

Reuters

Die Zusammenfassung der aktuellen Lage finden sie hier.

+++ Erdbeben legt Raumfahrtkontrollzentrum Tsukuba lahm +++

[12.41 Uhr] Das verheerende Erdbeben in Japan hat auch das Raumflugkontrollzentrum in Tsukuba rund 50 Kilometer nordöstlich von Tokio lahmgelegt. Seine Funktion werde derzeit teilweise von der US-Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa in Houston (Texas) übernommen, teilte ein Sprecher am Montag mit. Durch die Erdstöße seien in dem Zentrum Büros verwüstet und Teile eines Daches zerstört worden. Der Weltraumbahnhof Tanegashima im Süden Japans ist Medienberichten zufolge nicht vom Erdbeben oder vom Tsunami betroffen.

+++ Schweiz verabschiedet sich von AKW-Plänen +++

[12.30 Uhr] Nach der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan hat die Schweizer Regierung am Montag alle Pläne für den Bau neuer Atomkraftwerke auf Eis gelegt. Die Leiterin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, Doris Leuthard, sagte am Montag, man werde zunächst sämtliche Sicherheitsstandards prüfen und gegebenenfalls anpassen.

+++ Aktienkurse brechen ein +++

[12.20 Uhr] Am ersten Handelstag nach der Erdbebenkatastrophe in Japan sind die Aktienkurse in Japan und Deutschland eingebrochen. An der Börse in Tokio stürzte der Nikkei-Index am Montag um 6,18 Prozent oder 633,94 Punkte auf einen Schlusskurs von 9.620,49 Punkten. In Frankfurt am Main startete der Deutsche Aktienindex mit einem Minus von zeitweise 1,9 Prozent, erholte sich dann aber etwas und lag am Vormittag rund 0,6 Prozent unter dem Schlusskurs von Freitag.

Im DAX verloren vor allem Versicherungen und Energiekonzerne. Münchener Rück gaben fast 4 Prozent ab, Allianz verloren zeitweise fast 2 Prozent. Die Energiewerte E.ON und RWE gaben mehr als 3 Prozent nach. Ersten Schätzungen zufolge verursachten das Erdbeben und der Tsunami am Freitag Schäden von mehreren Dutzend Milliarden Euro.

+++ Brennstäbe in Fukushima-Reaktor komplett ohne Wasser +++

[12.09 Uhr] Die Brennstäbe in Reaktorblock 2 des Atomkraftwerks Fukushima Eins liegen nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo komplett trocken. Zuvor war am Montag versucht worden, den absinkenden Stand der Kühlflüssigkeit mit Meerwasser aufzufüllen, um eine Kernschmelze zu verhindern.

+++ Bisher keine Erkenntnisse über deutsche Opfer in Japan +++

[11.58 Uhr] Dem Auswärtigen Amt in Berlin liegen auch vier Tage nach dem Ausbruch der Katastrophe in Japan keine Erkenntnisse darüber vor, ob deutsche Staatsbürger unter den Opfern sind. Allerdings fehle weiterhin jeder Kontakt zu einem kleinen Teil der deutschen Gemeinde in Japan, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Montag in Berlin. In Japan hielten sich bei Ausbruch des Erdbebens am vergangenen Freitag rund 5000 Deutsche auf. In der Katastrophenregion im Nordosten waren es etwa 100 Bundesbürger.

+++ Energiekonzern schaltet in Region Tokio vorübergehend Strom ab +++

[11.55 Uhr] Wegen des Ausfalls mehrerer Atomkraftwerke hat der japanische Energiekonzern Tepco am Montag in der Region um Tokio mit der Stromabschaltung begonnen. Statt wie geplant schon tagsüber unterbrach Tepco die Stromversorgung jedoch erst um 17.00 Uhr Ortszeit (09.00 Uhr MEZ), um die Bürger möglichst lange von der Einschränkung zu verschonen. Der Blackout sollte voraussichtlich zwei Stunden dauern.

Etwa 330.000 Haushalte und andere Abnehmer in mehreren Präfekturen, darunter Tokio, Kanagawa, Ibaraki und Saitama, waren von der Unterbrechung betroffen. Tepco hatte von der japanischen Regierung die Genehmigung erhalten, wegen des Versorgungsengpasses kontrolliert den Strom abzuschalten. Dadurch soll verhindert werden, dass einige Regionen aufgrund von Versorgungsengpässen plötzlich ohne Strom sind.

+++ Merkel äußert sich am Nachmittag zu Japan +++

[11.51 Uhr] Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) werden sich um 16 Uhr im Kanzleramt zu den Atomunfällen in Japan äußern. Vermutlich werden sie auch zur möglichen Aussetzung der verlängerten Atomlaufzeiten in Deutschland Stellung nehmen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag in Berlin, die Vorgänge in Japan müssten Deutschland zum Nachdenken bringen. Es stelle sich die Frage, "was daraus zu lernen ist" und welche Konsequenzen umzusetzen seien.

Die Bundesregierung sicherte Japan Hilfe zu. "Deutschland steht bereit, in dieser Notlage rasch und dauerhaft zu helfen", sagte Seibert. Es müsse nun geklärt werden, welche Hilfe sinnvoll sei.

+++ Euro-Finanzchefs sprechen über Katastrophe in Japan +++

[11.36 Uhr] Die Euro-Finanzminister sind am Montag in Brüssel zusammengekommen, um über die Konsequenzen der Erdbeben- und Atomkatastrophe in Japan beraten. Auf der offiziellen Tagesordnung des regulären März-Treffens steht das Thema allerdings nicht.

"Wir beschäftigen uns mit den Fragen, wie das Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte haben wird", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). "Keiner weiß es im Augenblick." In zwei Wochen solle bei einem schon länger geplanten Treffen der Finanzminister der G20-Gruppe über Reaktionen gesprochen werden.

+++ Putin hält an Russlands Atompolitik fest +++

[11.32 Uhr] Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin erklärte am Montag, sein Land werde auch nach der nuklearen Katastrophe in Japan an seine Atompolitik festhalten. Er sehe die Gefahr eines globalen Desasters nicht gegeben, sagte der Premier in der sibirischen Stadt Tomsk. Demnach sollen alle für die kommenden Dekaden geplanten Atomkraftwerke gebaut werden.

+++ Indien kündigt Überprüfung eigener Atomreaktoren an +++

[11.30 Uhr] Angesichts der dramatischen Schwierigkeiten in japanischen Atomanlagen hat der indische Ministerpräsident Manmohan Singh am Montag eine Überprüfung aller eigenen Reaktoren angekündigt. Er habe die Atomenergiebehörden und die staatliche Betreiberfirma angewiesen, die Sicherheitssysteme zu kontrollieren, sagte Singh vor Parlamentariern. Es solle geprüft werden, ob die Reaktoren Ereignissen wie einem Erdbeben oder einem Tsunami standhalten könnten. Indien verfügt über 20 Atomkraftwerke, die meisten davon stehen entlang der Küste.

+++ Daimlers japanisches Lastwagengeschäft ruht +++

[11.25 Uhr] Infolge des Erdbebens in Japan ruhen die japanischen Nutzfahrzeugaktivitäten des Stuttgarter Autoherstellers Daimler. Produktion und Verwaltung der japanischen Tochter Mitsubishi Fuso blieben geschlossen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Nach heutigem Kenntnisstand sei keiner der 12.836 Mitarbeiter in Japan zu Schaden gekommen. Ein Großteil der Angehörigen von deutschen Mitarbeitern sowie Dienstreisende befänden sich schon auf der Rückreise.

+++ Deutsche Atomtechniker wohlbehalten zurück +++

[11.15 Uhr] Zehn deutsche Kerntechniker, die sich während des Erdbebens im japanischen Atommeiler Fukushima aufgehalten hatten, sind wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Ihnen gehe es gut, teilte das Unternehmen Areva in Erlangen mit. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes konnten die Fachleute am Sonntagabend über Tokio ausreisen. Die Techniker des französischen Atomkonzerns Areva hatten in Reaktor 4 von Fukushima ein Verfahren zur Ultraschall-Prüfung von Schweißnähten vorgestellt.

+++ Mindestens sechs japanische Häfen schwer beschädigt +++

[10.58 Uhr] Mindestens sechs Häfen in Japan sind schwer beschädigt. Die nordöstlichen Häfen Hachinohe, Sendai, Ishinomaki und Onahama dürften nach Angaben von Hafenbetreibern und Reedereien für Monate, wenn nicht sogar Jahre außer Betrieb bleiben. Japans neuntgrößter Container-Hafen Kashima und der kleinere Hafen Hitachinaka seien weniger stark beschädigt, würden aber voraussichtlich erst in einigen Wochen wieder in Betrieb gehen. Zudem seien Dutzende Containerschiffe zerstört worden.

Die Hafenausfälle dürften die Hilfs- und Aufräumarbeiten erschweren und zu erheblichen Störungen der internationalen Handelsströme führen. Dies wird die japanische Volkswirtschaft laut dem Schifffahrtsmagazins "Lloyd's List Intelligence" voraussichtlich 3,4 Milliarden Dollar täglich kosten.

+++ Westerwelle erwägt Aussetzung der Laufzeitverlängerung +++

[10.53 Uhr] Vizekanzler Guido Westerwelle hält einen vorübergehenden Ausstieg aus der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke für denkbar. "Ich kann mir das vorstellen", sagte der Außenminister. Zugleich forderte Westerwelle die Bildung einer Expertenkommission: "Wir brauchen auch eine neue Risikoanalyse." Sollte sich herausstellen, dass die Kühlsysteme einzelner deutscher Kraftwerke nicht mehrfach gesichert seien, müssten die entsprechenden Meiler solange abgeschaltet werden, "bis die Lage völlig klar ist". Sicherheit habe Vorrang.

+++ Bemühung um Kühlung in zweitem AKW +++

[10.28 Uhr] Im zweiten beschädigten Atomkraftwerk Fukushima 2 arbeiten Experten weiter an der Wiederherstellung der Kühlung von zwei Reaktoren. Obwohl man sich darauf vorbereitet habe, habe man bisher bei keinem der vier Reaktoren Druck abgelassen, teilten die japanischen Behörden der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA mit. Die Radioaktivitätswerte rund um die Anlage seien normal.

+++ Offizielle Opfer-Zahl steigt auf 5000 +++

[10.21 Uhr] Die offiziell bestätigte Zahl der Toten und Vermissten ist laut Polizei auf 5000 gestiegen. Lokale Behörden befürchten jedoch, dass die tatsächliche Opferzahl weit darüber liegt - Zehntausende Menschen werden noch vermisst. Allein in der am schwersten getroffenen Präfektur Miyagi werden nach wie vor mehr als 10.000 Menschen vermisst. In der Stadt Otsuchi in der Präfektur Iwate werden 12.000 Menschen vermisst, in den Städten Iwaki und Minamisoma in der Präfektur Fukushima 1200.

+++ Europas Börsen im Minus, Versicherer unter Druck +++

[10.15 Uhr] Die europäischen Aktienmärkte sind am ersten kompletten Handelstag nach dem verheerenden Erdbeben in Japan mit Verlusten in den Handel gestartet. Der EuroStoxx 50 verlor 0,78 Prozent auf 2861,30 Punkte. Für den Leitindex FTSE 100 in London ging es um 0,37 Prozent auf 5807,38 Punkte nach unten, der Cac 40 in Paris büßte 0,47 Prozent auf 3910,02 Punkte ein.

Besonders stark unter Druck gerieten die Aktien von Versicherern. Der Stoxx 600 Insurance verlor 1,98 Prozent - so viel wie kein anderer Branchenindex. Die Papiere der Swiss Re, des weltweit zweitgrößten Rückversicherers verloren am Ende des Swiss-Market-Index (SMI) 3,19 Prozent. Aktien von Axa sanken um 1,68 Prozent, von Aegon um 1,59 Prozent.

+++ Söder: "Japan ändert alles" +++

[10.01 Uhr] Der bayerische Umweltminister Markus Söder will die deutsche Atompolitik nach den Katastrophen in Japan grundsätzlich überprüfen. "Ich glaube, dass Japan generell alles ändert, auch bei mir", sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Rundfunk. Sicherheitsaspekte müssten umfassend neu diskutiert werden. Dazu gehörten alle möglichen Risiken - auch Flugzeugabstürze. Söder forderte auch eine neue Diskussion über die von Union und FDP Ende vergangenen Jahres gegen heftigen Widerstand durchgesetzte Verlängerung der Laufzeit der deutschen Kernkraftwerke.

+++ AKW-Betreiberfirma: Meerwasser kühlt Reaktoren +++

[9.52 Uhr] Nach Angaben der Betreiberfirma Tepco hat die Einleitung von Meerwasser eine Überhitzung des Reaktors 2 im Kernkraftwerk Fukushima 1 (Daiichi) verhindert. Die Temperatur im Reaktor sei auf unter 100 Grad Celsius gesunken, berichtete die Nachrichtenagentur Jiji. Die japanische Atomaufsicht schließt eine Katastrophe wie vor 25 Jahren in Tschernobyl aus, wie der Minister für Nationale Strategie, Koichiro Genba, laut Jiji sagte.

+++ Credit Suisse Japan: Schäden von bis zu 180 Milliarden Dollar +++

[9.47 Uhr] Die japanische Niederlassung der Schweizer Großbank Credit Suisse schätzt die wirtschaftlichen Schäden der Katastrophe auf rund 170 bis 180 Milliarden Dollar. Der Chefvolkswirt von Credit Suisse Japan, Hiromichi Shirakawa, kam nach einem Vergleich mit dem schweren Erdbeben in der japanischen Stadt Kobe 1995 zu dem Schluss, dass die jüngste Katastrophe knapp 40 Prozent der wirtschaftlichen Schäden von damals verursacht haben dürfte. In Nordjapan habe es weniger Bürogebäude, Fabriken und Autobahnen gegeben als damals in Kobe.

+++ Weltverband sagt Eiskunstlauf-WM in Tokio ab +++

[9.36 Uhr] Der Eislauf-Weltverband ISU hat die vom 21. bis 27. März geplanten Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Tokio abgesagt. "Angesichts der katastrophalen Ereignisse in Japan haben wir in Absprache mit den japanischen Behörden und dem japanischen Verband festgestellt, dass eine planmäßige Durchführung der WM in Tokio derzeit nicht möglich ist", heißt es in dem von ISU-Präsident Ottavio Cinquanta unterzeichneten Statement. Ein Ersatztermin werde geprüft.

+++ Radioaktivität in Fukushima nach zweiter Explosion nicht erhöht +++

[8.59 Uhr] Nach der Explosion am Reaktor 3 im Atomkraftwerk Fukushima soll im Umfeld der Anlage keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Das sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Die zweite Explosion in dem AKW habe das Gebäudes des Reaktors 3 zerstört, der innerste Sicherheitsbehälter sei aber nicht beschädigt worden. Auch der Kontrollraum sei noch benutzbar, teilten die japanischen Behörden mit.

+++ AKW-Betreiber kühlt Reaktor 2 mit Meerwasser +++

[8.46 Uhr] Der Betreiber des Atomkraftwerkes Fukushima, Tepco, hat mit dem Einleiten von Meereswasser in den Reaktor 2 begonnen. Dieser war zuletzt noch mit dem normalen Notsystem gekühlt worden, während in Reaktor 1 und 3 bereits Meerwasser eingeleitet worden war. Die Regierung bestätigte unterdessen, dass bei der Explosion in Reaktor 3 elf Menschen verletzt wurden.

+++ USA ziehen Schiffe und Flugzeuge von Fukushima zurück +++

[8.35 Uhr] Die U.S. Navy hat ihre Schiffe und Flugzeuge den Kurs ändern lassen. Man habe sie zurückgezogen, nachdem der Flugzeugträger "Ronald Reagan" rund 160 Kilometer vor der Küste Radioaktivität gemessen habe, teilte die siebte Flotte mit. Die Menge der Strahlung habe ungefähr der Menge entsprochen, der man in einer normalen Umgebung in einem Monat ausgesetzt sei. Die Schiffe und Flugzeuge waren in Richtung des Unglückskraftwerks Fukushima unterwegs.

+++ Verkehr in Tokio liegt fast still +++

[8.17 Uhr] Das neuerliche Beben hat den Bahnverkehr in der japanischen Hauptstadt nahezu zum Erliegen gebracht. Japan Rail, der größte Verkehrsbetrieb des Landes, stellte alle Stadtlinien bis auf vier ein. Und auch diese sind teilweise unterbrochen. Nur zehn Prozent der Züge auf der wichtigsten Ost-West-Bahnlinie durch Tokio würden verkehren, berichtete das japanische Fernsehen. Reisende drängten sich in den Stationen, um einen Platz in einem Zug zu ergattern. Die Warteschlangen reichten oft bis in die Bahnhofshallen. Zugverbindungen zum Flughafen Narita wurden ebenfalls eingestellt.

+++ Baden-Württemberg schickt Inspekteure in Atomkraftwerke +++

[8.06 Uhr] Baden-Württemberg überprüft seine Kernkraftwerke. Ab dem heutigen Montag seien Inspekteure im Einsatz, die sich vor allem um die Frage der Notstromversorgung kümmern sollen, sagte Landesumweltministerin Tanja Gönner im Deutschlandfunk. Begleitet werde diese Überprüfung von einer unabhängigen Expertenkommission. Sollten die Experten feststellen, dass die Sicherheit in den Kernkraftwerken nicht gewährleistet sei, "wird auch abgeschaltet", so die CDU-Politikerin.

+++ Oettinger hält Schließung alter AKW für möglich +++

[8.02 Uhr] Günther Oettinger schließt als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Japan die vorzeitige Schließung älterer deutscher Kernkraftwerke nicht aus. Die alten Kraftwerke seien zwar ständig und umfassend nachgerüstet worden, dennoch müsse ohne jede Vorbedingung deren Sicherheit geprüft werden, sagte der EU-Kommissar im Deutschlandfunk. Für Dienstag habe er die Aufsichtsbehörden der Mitgliedstaaten zu Beratungen nach Brüssel eingeladen. "Der Vorfall hat die Welt verändert, und vieles, was wir als Industriegesellschaften für sicher und beherrschbar gehalten haben, ist nun in Frage gestellt", so Oettinger.

+++ Kühlsystem in Reaktor 2 von Fukushima ausgefallen +++

[7.40 Uhr] Im Atomkraftwerk Fukushima 1 ist in einem weiteren Reaktor das Kühlsystem zusammengebrochen. Die Kühlung von Reaktor 2 funktioniere nicht mehr, teilte der Kraftwerksbetreiber Tepco nach Angaben der Nachrichtenagentur Jiji mit. Dies könne zu einer Überhitzung und damit zu einer weiteren Explosion führen.

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Japans Atomkatastrophe: Schreckensnachricht aus Fukushima
+++ China billigt massiven Ausbau der Atomenergie +++

[7.36 Uhr] Ungeachtet der Atomkatastrophe in Japan hat Chinas Volkskongress einen massiven Ausbau der Kernenergie beschlossen. Bis 2015 soll mit dem Bau von weiteren 40 Gigawatt an Kapazitäten begonnen werden. Bis 2020 sollen die gegenwärtigen Atomkapazitäten verachtfacht werden, berichten chinesische Staatsmedien. Ohne offene Debatte stimmten 2778 Delegierte in Peking für den neuen Entwicklungsplan. Nur 56 stimmten dagegen, während sich 38 Abgeordnete enthielten.

+++ Toyota stoppt Produktion bis mindestens Mittwoch +++

[7.28 Uhr] Der weltgrößte Autobauer Toyota lässt die Produktion in allen japanischen Werken bis mindestens Mittwoch ruhen. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Der Konzern hatte bereits am Wochenende einen Produktionsstopp für Anfang der Woche angekündigt. Wie viele Autos Toyota wegen des Stopps erst verspätet bauen kann, war zunächst unklar.

An der Börse wurden die Papiere des Autobauers bis Mittag Ortszeit etwa 8,5 Prozent tiefer gehandelt als am Freitag. Insgesamt verlor der Nikkei-Index, der die 225 führenden Werte der japanischen Aktienmärkte listet, bis Mittag rund sechs Prozent.

+++ Malaysische Zeitung entschuldigt sich für Tsunami-Karikatur +++

[6.52 Uhr] Eine Tsunami-Karikatur hat in Malaysia Proteststürme ausgelöst. Die Zeitung "Berita Harian" hatte am Sonntag eine Karikatur veröffentlicht, auf der die japanische Science-Fiction-Figur Ultraman vor riesigen Wellen flieht. Am Montag entschuldigte sich das Blatt dafür und reagierte damit auf Hunderte Protestanrufe und -zuschriften. "Wir hatten nicht die Absicht, uns über das Desaster lustig zu machen", teilte die Zeitung mit.

+++ Zahlreiche Tankstellen ausverkauft +++

[6.14 Uhr] Die Versorgungssituation wird in einigen Regionen Japans immer ernster. Zettel mit der Aufschrift "ausverkauft" hingen an vielen Tankstellen in der Präfektur Ibaraki, die südlich von Fukushima und der Erdbebenregion liegt, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa. "Menschen kamen mit Dutzenden Kanistern, um ihre Benzin- und Heizölvorräte aufzustocken." An den wenigen noch offenen Tankstellen bildeten sich lange Schlangen.

+++ Sprecher: Risiko einer weiteren Explosion gering +++

[5.49 Uhr] Eine erneute Explosion im Reaktor 3 des Kernkraftwerks Fukushima ist nach Angaben der Regierung unwahrscheinlich. Der zentrale Kontrollraum des Reaktors sei unbeschädigt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Montag. Nach der Wasserstoffexplosion in dem Reaktor sei nur eine kleine Veränderung der radioaktiven Strahlung festgestellt worden, fügte er hinzu. Die Gefahr, dass massenweise radioaktive Substanzen verbreitet würden, sei gering.

+++ Katastrophen-Provinz bittet um Särge +++

[5.33 Uhr] Die Behörden der Präfektur Iwate haben an Bestattungsunternehmen im ganzen Land appelliert, Särge und Leichensäcke in die Krisenregion zu schicken. Dies berichtet die BBC unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AP. "Wir haben einfach nicht genug davon", wird ein Offizieller zitiert. "Mit so etwas haben wir nicht gerechnet, es ist einfach überwältigend."

+++ Tsunami-Warnung offiziell aufgehoben +++

[5.25 Uhr] Die Behörden haben die Tsunami-Warnung für die Nordostküste Japans offiziell aufgehoben. Der Fernsehsender NHK hatte kurz zuvor unter Berufung auf die Feuerwehr berichtet, in Folge des schweren Nachbebens vor der Küste Japans rolle eine Tsunami-Welle auf das Land zu, die bis zu drei Meter hoch sein könne. Die örtlichen Behörden hatten daraufhin eine Warnung herausgegeben, hoben diese aber wenig später wieder auf. Das meteorologische Institut konnte diese Angaben jedoch nicht bestätigen, obgleich ein Sprecher einräumte, dass einige Messgeräte durch das schwere Beben vom Freitag und den anschließenden Tsunami beschädigt wurden.

+++ Kriegsschiff fährt durch Strahlenwolke +++

[5.23 Uhr] Der US-Flugzeugträger "Ronald Reagan" passierte auf seinem Weg in das japanische Katastrophengebiet eine radioaktive Wolke aus den beschädigten Kraftwerken an der Ostküste des Landes. Dies berichtet die "New York Times". Die Crew sei binnen einer Stunde der Strahlendosis eines ganzen Monats ausgesetzt gewesen, so das Blatt weiter.

+++ Tsunami bleibt aus, Hubschrauber sorgte für Fehlalarm +++

[5.15 Uhr] Die Gefahr eines Tsunamis scheint nun endgültig gebannt. Noch ist die Warnung zwar nicht offiziell aufgehoben, aber die Anzeichen auf einen Fehlalarm häufen sich. Nach Informationen der BBC hatte die Crew eines Hubschraubers die Meldung einer Welle vor der Ostküste Japans nahe Fukushima abgesetzt.

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Satiro, 13.03.2011
1. bitte bitte
>>> Experten pumpen Meerwasser in die Kühlsysteme der Brennstäbe. Die japanische Regierung sieht inzwischen Anzeichen für eine Kernschmelze in zwei Reaktoren von Fukushima 1. Regierungsprecher Yukio Edano sagte, sowohl bei Block 1 als auch bei Block 3 der Anlage bestehe die Möglichkeit, dass dieser Fall eingetreten sei. Bei einem dritten Reaktor sei das Kühlsystem ausgefallen. Insgesamt gibt damit in drei Reaktoren des Kraftwerks Fukushima Störungen, deren Ausmaß noch ungewiss ist.
Daddeldi 13.03.2011
2. Strahlendosis
Zitat von sysopDie Erde in Japan kommt nicht zur Ruhe: Ein starkes Nachbeben hat am Morgen*den Großraum Tokio erschüttert. Millionen Haushalte sind ohne Wasser und Strom, Zehntausende harren in Notunterkünften aus.*Viele Regionen sind so zerstört, dass Helfer bislang nicht vordringen konnten. Die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,750629,00.html
Liebe Spiegelredaktion, lest doch bitte mal die ersten Zeilen von http://de.wikipedia.org/wiki/Sievert_(Einheit) Dann wäre euch auch klar, dass Angaben einer Strahlendosis unabhängig von der Zeit sind. Entweder ihr gebt die Strahlendosisleistung in z.B. Mikrosievert pro Stunde an, die kann dann auch kurzzeitig auftreten, oder ihr gebt die Gesamtdosis für die Dauer der Erhöhung an, wie z.B. bei einer Röntgenaufnahme. Die Geschwindigkeit eures mobilen Untersatzes gebt ihr doch auch nicht in Kilometern an, oder?
Christiane Schneider 13.03.2011
3. Meine Anmerkungen
Zitat von sysopDie Erde in Japan kommt nicht zur Ruhe: Ein starkes Nachbeben hat am Morgen*den Großraum Tokio erschüttert. Millionen Haushalte sind ohne Wasser und Strom, Zehntausende harren in Notunterkünften aus.*Viele Regionen sind so zerstört, dass Helfer bislang nicht vordringen konnten. Die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,750629,00.html
1. Man sollte sich aus Sicht der Atomkraftgegner mit Schadenfreude zurückhalten(die sofortigen Ausstiegsforderungen zeugen davon) 2. Man sollte trenne zw. einem Atomkraftwerk und einem Atomkraftwerk in Erdbebenregionen. 3. Man sollte sich die Alternativen durchdenken 4. Sind Kohlekraftwerke und ÖL besser? 5. Wer ist bereit auf Strom zu verzichten? 6. Man sollte die Notfallkühlungen in allen AKEs weltweit überarbeiten!
bkaas 13.03.2011
4. Richterskala
Liebe Spiegelredaktion, sie schreiben zur Richterskala: "Die Erhöhung der Magnitude um 1 bedeutet dabei eine 10fach höhere Energiefreisetzung – ein Erdbeben der Magnitude 5,0 ist also zehnmal so stark wie eines der Magnitude 4,0. " Das ist falsch. Die Amplitude ist um den Faktor 10 höher, die Energie ca. um den Faktor 32. Eine gute Erläuterung gibt es bei http://de.wikipedia.org/wiki/Richterskala
macinfo 13.03.2011
5. Zynismus?
Zitat von Christiane Schneider1. Man sollte sich aus Sicht der Atomkraftgegner mit Schadenfreude zurückhalten(die sofortigen Ausstiegsforderungen zeugen davon) 2. Man sollte trenne zw. einem Atomkraftwerk und einem Atomkraftwerk in Erdbebenregionen. 3. Man sollte sich die Alternativen durchdenken 4. Sind Kohlekraftwerke und ÖL besser? 5. Wer ist bereit auf Strom zu verzichten? 6. Man sollte die Notfallkühlungen in allen AKEs weltweit überarbeiten!
Also recht viel zynischer als in diesem Vorschlag kann man wohl nicht mehr reagieren! Ich bin weit davon entfernt mich als politisch-korrekt zu beschreiben, weder für grün/links noch für eine andere Volksvertreter-Sippschaft. Menschen Schadenfreude zu unterstellen, die sich um andere Menschen und um ihre eigene Sicherheit sorgen, finde ich schon anmaßend. Dass die Grünen das auch als "Triumph" ihrer Meinung sehen, ist möglich, aber wie man sieht auch berechtigt, aber dies sollte nicht über das Leid der Menschen hinwegtäuschen, denn soviel Anstand und Mitgefühl traue ich den meisten Grünen schon noch zu!
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