Loch in Kabinendecke Fluggesellschaft entdeckt Schäden an drei weiteren Maschinen

Ein 50 Zentimeter großes Loch in der Kabinendecke zwang eine Boeing der US-Fluggesellschaft Southwest Airlines zur Notlandung. Jetzt wurden bei Kontrollen drei Flugzeuge mit ähnlichen Schäden entdeckt. Eine verheerende Bilanz für die ohnehin umstrittene Airline.

DPA

Phoenix - Nach der dramatischen Notlandung einer Boeing 737-300 im US-Bundesstaat Arizona hat die verantwortliche US-Fluggesellschaft Southwest Airlines am Montag rund 600 Flüge absagen lassen. Sämtliche ältere Maschinen des Typs 737-300 sollten vor Wiederaufnahme des normalen Flugbetriebs auf Sicherheitsmängel untersucht werden, hieß es.

Am Freitag hatte es in einer Boeing der Fluggesellschaft auf einer Flughöhe von 11.000 Metern plötzlich einen Druckabfall in der Kabine gegeben. Der Grund: In der Kabinendecke klaffte ein etwa 50 Zentimeter großes Loch. Die defekte Maschine war auf dem Weg von Phoenix nach Sacramento und musste in Yuma im US-Bundesstaat Arizona notlanden. Einige der insgesamt 118 Insassen verloren wegen Sauerstoffmangels das Bewusstsein, schwerer verletzt wurde niemand.

Bei der Inspektion ihrer Flugzeuge entdeckte die Fluggesellschaft nun aber an drei weiteren Maschinen ähnliche Schäden. Es seien "kleine verdeckte Risse" gefunden worden, sagte der Ermittler der Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, Robert Sumwalt, am Sonntag. Southwest hatte zuvor von zwei beschädigten Maschinen gesprochen.

Die Risse sollten nun begutachtet und repariert werden, bevor die Flugzeuge wieder in Betrieb genommen würden, hieß es in einer Erklärung der Airline. Bei 19 weiteren 737-300-Maschinen seien keine Probleme festgestellt worden. Die Kontrollen an knapp 60 weiteren Jets sollten bis voraussichtlich Dienstagabend abgeschlossen sein.

Ermittler Sumwalt erklärte, der Riss an der am Freitag notgelandeten Maschine sei an einem verdeckten Teil des Flugzeuges aufgetreten und mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen gewesen. Die Boeing 737-300 sei das letzte Mal im März 2010 generalüberholt worden.

Erst im Juli 2009 hatte ein etwa 30 Zentimeter langes Loch im Rumpf eine Maschine der Southwest Airlines zur Notlandung gezwungen. Vier Monate zuvor hatte die Airline eine Strafe von 7,5 Millionen Dollar (5,3 Millionen Euro) gezahlt, weil sie vorgeschriebene Untersuchungen ihrer Flugzeuge auf Risse im Rumpf unterließ. Bei der Überprüfung von 200 Maschinen gab es dann keine Beanstandungen. 1988 wurde eine Stewardess ins Freie gerissen, nachdem sich bei einer Boeing 737 der Fluggesellschaft Aloha Airlines ein Loch in der Flugzeughülle aufgetan hatte.

ala/dapd/Reuters



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insgesamt 17 Beiträge
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sappelkopp 04.04.2011
1. Sind diese...
...Schäden nur bei dieser Airline aufgetreten oder ist das ein Problem der Boing 737, wer weiß da mehr?
guhor 04.04.2011
2. Schon 1988 ähnliches passiert
Beim Aloha-Airlines-Flug 243 einer Boeing 737-200 am 28.4.1988 von Hilo (Big Island) nach Honolulu (Oʻahu) brach nach dem Steigflug im vorderen Rumpfbereich ein Stück des oberen Rumpfes und des Kabinendachs heraus. So ganz neu ist das Problem bei diesem Flugzeugtyp, wenn bei der Wartung geschlampt wird, nicht.
kuschl 04.04.2011
3. Wartungsproblem
Zitat von sysopEin 50 Zentimeter großes Loch in der Kabinendecke zwang eine Boeing der US-Fluggesellschaft Southwest Airlines zur Notlandung. Jetzt wurden bei Kontrolluntersuchungen drei Flugzeuge mit ähnlichen Schäden entdeckt. Ein verheerende Bilanz für die ohnehin umstrittene Airline. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,754805,00.html
Wie schon bei Aloha Airlines eine Ermüdungserscheinung .Im Kurzstreckeneinsatz ist die Anzahl der "Pressure Cycles", also letztlich Flüge mit voller Druckhaltung der Zelle,ein Faktor für die Lebensdauer der Maschine.Wird hier bei der Wartung nicht die Zelle mit moderner Technik überprüft,kommt es zu Ermüdungsrissen,die bei hohen Belastungen zu diesen Schäden führen kann.Tolle Bemalung gann täuschen,wichtig ist,was darunter steckt.Soliden Airlines mit guter Wartung passiert das nicht.Aber der Kunde möchte ja immer billig.
Lonsinger 04.04.2011
4. Eintagsfliege?
Eintagsfliegen tauchen zuhauf auf. Diese Platzer gab es auch bei der Boeing 747-8 im vergangenen Jahr. Auch dabei ging es um den oberen Rumpfbereich. Also: Prüfen und Materialdicken messen, erst dann fliegen. Diese Reihenfolge ist mitunter auch umgekehrt, oft nur einmal.
vostei 04.04.2011
5. Relativ
Was ist Fakt? Exakt diese Fluggesellschaft hatte schon mehrfach bei diesem Flugmuster das gleiche Problem. Es wurde geschlampt und sie musste Strafe zahlen. Ok. Jetzt ist es wieder passiert. Diese Gesellschaft hat deswegen 81 Boeing 737 geggroundet und weitere Schäden entdeckt. Fiktiv: Außer der Frage, ob die Gesellschaft wieder geschlampt hat, wird und muss also weiter geklärt werden, ob man den vorgeschriebenen Vorgang der Überprüfung des Flugwerks, nach soundsoviel Starts und Landungen, bezogen auf das Flugmuster einengen muss, oder eben nicht. Bei der Menge von Boeing 737 weltweit, wird das noch interessant, ob aus fiktiv Fakt wird. Noch interessanter wäre es, ob man sich dazu durchringt die sog. Lifecycles bei allen ähnliche belasteten Flugmustern zu überdenken, hier wird es jetzt aber megafiktiv... ;) Das betr. Flugzeug hatte knapp 40.000 Cycles bei 47.000 Flugstunden - wann GENAU, also umfassend gecheckt werden muss, weiß ich nicht genau - Frage: bei der 737 bei 60.000 Cycles?
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