Tod von Löwe Cecil Hobby-Großwildjäger Walter P. rechtfertigt sich

Er gilt als verantwortlich für den Tod des Löwen Cecil, nach der weltweiten Empörung war er abgetaucht. Nun ist Zahnarzt Walter P. aus Minnesota wieder da: In einem Interview bedauert er vor allem die Folgen für seine Familie und Mitarbeiter.

DPA/Zimbabwe Parks and Wildlife Management Authority

Walter P. würde gerne ein paar Dinge klarstellen. Der Zahnarzt und Hobby-Großwildjäger aus Minnesota wurde Ende Juli zur Hassfigur, weil er in Simbabwe den Löwen Cecil gejagt hatte. Der Tod des beliebten und verehrten Tiers aus dem Hwange Nationalpark berührte viele Menschen, die ihre Wut auf P. unter anderem bei Demonstrationen vor dessen Praxis und im Internet zeigten.

Angesichts der Empörung schloss P. seine Praxis, tauchte unter. Mehr als eine Erklärung über eine PR-Firma gab es von ihm zu Cecils Tod nicht zu hören - bis jetzt. Der Zeitung "Minneapolis Star Tribune" und der Nachrichtenagentur Associated Press" hat P. nun ein Interview gegeben. Es soll das einzige bleiben. Video- und Fotoaufnahmen waren bei dem Gespräch nicht gestattet. Die Gesprächsatmosphäre war nach Beschreibung eines beteiligten Journalisten nicht gerade entspannt. P. hatte einen Anwalt an seiner Seite.

P. ist der Überzeugung, dass er bei der Jagd auf Cecil nichts Illegales getan hat. Er sei verblüfft gewesen, dass es sich bei dem Löwen um eines der beliebtesten Tiere Simbabwes gehandelt habe.

"Wenn ich gewusst hätte, dass dieser Löwe einen Namen hat und für das Land oder eine Studie wichtig war, hätte ich ihn selbstverständlich nicht genommen", sagte er. Keiner der an der Jagd Beteiligten habe gewusst, dass es sich um Cecil gehandelt habe. Cecil war eines der beliebtesten und bekanntesten Tiere im Hwange Nationalpark. Er war mit einem GPS-Halsband ausgestattet, mit dem Forscher der Oxford University Daten sammelten.

Walter P. widerspricht der Schilderung von Tierschützern

Simbabwe geht davon aus, dass P. keine Lizenz dafür hatte, Cecil zu töten. Mit Hilfe anderer Jäger soll P. den Löwen aus einem Nationalpark - wo die Jagd illegal ist - herausgelockt haben. Sein Pfeil traf Cecil anschließend, tötete das Tier aber nicht. Erst nach 40 Stunden erschossen die Jäger den Löwen schließlich mit einem Gewehr.

Theo B., ein professioneller Jäger, der P. begleitete, ist angeklagt, weil er eine illegale Jagd nicht verhindert haben soll. Ein Farmer muss sich vor Gericht verantworten, weil er die Löwenjagd auf seinem Land zuließ, obwohl er dafür keine Berechtigung hatte.

In dem Interview bestätigte P., Cecil zunächst mit Pfeil und Bogen gejagt zu haben - außerhalb des Nationalparks. Der Löwe sei aber nicht sofort tot gewesen. P. bestritt allerdings, dass Cecil noch 40 Stunden umhergelaufen sei. Das Tier sei am folgenden Tag mit einem Pfeil getötet worden.

P. gab keine Auskunft darüber, wie viel er für den Jagdtrip nach Simbabwe und andere Touren gezahlt hat. Dafür sprach er über die Wut seiner Kritiker. Sie demonstrierten nicht nur vor seiner Praxis, sondern verschandelten auch sein Ferienhaus in Florida.

"Meine Mitarbeiter und meine Patienten unterstützen mich"

Besonders für seine Frau und seine erwachsene Tochter seien die Wochen nach Cecils Tod hart gewesen, sagte P. Beide hätten sich bedroht gefühlt. Er verstehe diese Ebene der Menschheit nicht, dass man auf Leute losgehe, die überhaupt nicht beteiligt gewesen seien.

Er sei untröstlich, dass seinen Mitarbeitern wegen der Sache Unannehmlichkeiten entstanden seien. Die Praxis war erst Ende August wieder geöffnet worden, allerdings ohne P. Er will am Dienstag zur Arbeit zurückkehren. "Meine Mitarbeiter und meine Patienten unterstützen mich."

Wo er sich in den vergangenen sechs Wochen aufhielt, wollte P. nicht genau sagen. "Ich war nicht in der Öffentlichkeit. Das bedeutet nicht, dass ich mich verstecke", sagte er. Er sei bei Angehörigen und Freunden gewesen.

Cecils Tod hatte eine scharfe Debatte über Großwildjagd in Afrika ausgelöst. Simbabwe verschärfte die Vorschriften für die Jagd auf Löwen, Elefanten und Leoparden. Drei große US-Fluggesellschaften teilten mit, erlegtes Großwild nicht mehr zu transportieren.

Es wurde auch bekannt, dass P. sich als Jäger nicht immer an die Vorschriften gehalten hatte. Nach der Jagd auf einen Schwarzbären in den USA war er 2008 wegen Wilderei verurteilt worden. Er gab damals zu, die Behörden über den Abschussort belogen zu haben.

ulz/AP



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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
praetor300 07.09.2015
1. Er wollte den Löwen
nicht essen. Er war auf das Fell nicht angewiesen. Der Löwe bedrohte nicht sein Nutzvieh. Der Löwe hat ihn nicht angegriffen. Dieser Mensch hat nur aus Lust am Töten getötet. Und noch dazu grausam. Was soll man mehr sagen? Verachtenswert!!!
Mr Bounz 07.09.2015
2.
ein bereits verurteilter Wilderer tut es erneut und wundert sich ...... Er hat sich entschieden weiter gegen Gesetze zu verstoßen und braucht sich wirklich nicht zu wundern ..... "nicht 40h sondern nur 1Tag, das macht es VIEL besser." NEIN!
lequick 07.09.2015
3.
Jagd ist kein Sport. Beim Sport wissen beide Seiten das sie mitspielen. Ich sehe aber durchaus einen Bedarf an der Jagd um die Systeme im Gleichgewicht zu halten, in unserer Gegend vermehren sich z.B. Wildhasen wie die, nun ja, Karnikel, und wenn man die nicht jagen würde hätten wir definitiv eine Plage. Aber Löwen jagen? Davon gibts schon so wenige... Shitstorm ist berechtigt Herr Walter Palmer, ich hoffe das sie weiterhin von Tierschützern heimgesucht werden.
wortmacht 07.09.2015
4.
Wie krank ist es nur so aus Spaß oder Nervenkitzel zu töten? In einem hat dieser dumme Mensch recht. Das Miteinbeziehen seiner Familie quasi als Sippenhaft in nicht zu tolerieren.
HenryFromWob 07.09.2015
5.
Der Mann mag vielleicht nicht verstehen, wie er für diese Tat angefeindet werden kann. Hätte er allerdings nur einen Funken Empathie, dann wüsste er, dass der Großteil der Menschen sich wahrscheinlich eher fragt, warum man solch ein Tier töten muss. Mitleid muss er jedenfalls nicht erwarten, oder hatte er welches, als er auf den Löwen schoss?
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