Decken-Einsturz in London "Wir dachten, es wäre Teil des Theaterstücks"

Der Schock kam kurz nach 20 Uhr: Mehr als 700 Menschen wollten sich im Londoner Apollo-Theater das Stück "The Curious Incident of the Dog in the Night-Time" ansehen - dann stürzte ein Teil der Decke ein. Knapp 80 Menschen wurden verletzt, wie durch ein Wunder gab es keine Toten.


London - Das Londoner Westend ist am frühen Donnerstagabend offenbar nur um Haaresbreite einer Katastrophe entgangen. Während einer Vorstellung im historischen Apollo-Theater vor mehr als 700 Zuschauern stürzte ein Teil der Decke ein. Nach Angaben der Rettungskräfte wurden knapp 80 Menschen verletzt, wie durch ein Wunder gab es keine Todesopfer. Wie es zu dem Unglück in dem voll besetzten Theatersaal kam, ist bislang unklar.

Der London Ambulance Service teilte auf seiner Internetseite mit, 76 Menschen seien medizinisch versorgt worden, 58 davon in Krankenhäusern. Ein Großteil habe das Gebäude aus eigener Kraft verlassen können. Sieben Menschen hätten allerdings schwerere Verletzungen erlitten. Die Polizei hatte zuvor von fünf Schwerverletzten gesprochen.

"Es ist ein Glück, dass es keine Toten gegeben hat", sagte Nick Harding, Einsatzleiter der Feuerwehr, der BBC. Viele Besucher hätten durch herabfallenden Putz oder Steine Kopfverletzungen und Schnittwunden erlitten. Wie die Londoner Feuerwehr mitteilte, war ein Teil der Decke niedergegangen und hatte dabei Teile der Ränge mitgerissen, die in der Folge ebenfalls auf die Zuschauer stürzten.

Erstversorgung im Foyer

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Viele Verletzte, keine Toten: Beinahe-Katastrophe in London
Der Saal des Bühnenhauses an der Shaftesbury Avenue in Londons Theaterdistrikt wurde sofort geräumt. Einsatzkräfte suchten nach möglichen Verschütteten. Diejenigen, die festsaßen, hätten aber befreit werden können, hieß es. Die Erstversorgung der Verletzten erfolgte noch im Foyer und in umliegenden Gebäuden. Die Polizei sperrte die Gegend um das Theater weiträumig ab. In der beliebten Ausgehstraße gibt es zahlreiche Theater, Restaurants und Bars.

Besucher sprachen von einer immensen Staubwolke im Zuschauersaal. Viele dachten zunächst, der Lärm und der Nebel wären Teil der Bühnenshow. "Es gab Panik, und ich hörte Schreie. Ich habe viele erschrockene und blutüberströmte Gesichter gesehen", sagte Augenzeuge Simon Usborne der BBC. Die Rettungsdienste seien "extrem schnell" vor Ort gewesen.

"Wir hörten ein Krachen in der Decke und dachten, es wäre Teil des Theaterstücks", berichtete ein weiterer Augenzeuge. "Die Schauspieler zeigten auf die Decke, dann brach Panik aus." Steine, Gips und Holzteile flogen demnach durch den Raum. Dann sei das Licht ausgegangen, und alles wurde in Staub gehüllt.

"Wir dachten, das ist der Regen"

Ähnliches berichtete der 18-jährige Desmond Thomas, der sich mit Schulkameraden das Stück angeschaut hatte. Etwa zehn Minuten nach Beginn der Vorstellung hätten sie eine Art Klopfen gehört, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. "Wir dachten, das ist der Regen." Dann habe es gekracht, und plötzlich sei die Decke eingestürzt. "Und dann war das ganze Theater plötzlich voller Staub."

Dee Kearney, die als Zuschauerin in der dritten Reihe gesessen hatte, berichtete dem "Independent", einer der Schauspieler habe sich plötzlich auf der Bühne umgedreht und gesagt: "Watch out!" (Vorsicht!) Danach habe sie gespürt, wie Trümmerteile auf sie herabfielen.

Die Schauspieler reagierten entsetzt auf das Unglück. Nach Angaben des Theaterdirektors blieben alle unverletzt. Kurz vor der Aufführung hatte es in London einen heftigen Sturm gegeben. Was zu dem Einsturz führte, war zunächst aber noch völlig unklar. Die Polizei leitete Ermittlungen ein.

Der britische Premierminister David Cameron dankte den Rettungskräften über Twitter für ihren raschen Einsatz. Die ersten von ihnen trafen laut London Ambulance Service binnen drei Minuten am Theater ein. Der Notruf ging demnach gegen 20.10 Uhr (Ortszeit) ein.

Das Apollo-Theater wurde 1901 eröffnet und 1932 generalsaniert. Das Unglück ereignete sich kurz vor der Pause in dem beliebten Theaterstück "The Curious Incident of the Dog in the Night-Time" von Mark Haddon (deutscher Titel der Buchvorlage: "Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone"). Viele Familien mit Kindern waren unter den Besuchern.

Ende November waren beim Einsturz eines Supermarktdachs in der lettischen Hauptstadt Riga 54 Menschen ums Leben gekommen.

rls/dpa/AFP



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megamekerer 20.12.2013
1. "Wir dachten, es wäre Teil des Theaterstücks"
typisch britisch :-) Sorry für alle Verletzten, ich wünsche sie baldige Genesung.
JaguarCat 20.12.2013
2. Decke vs. Deckenverkleidung
Zum Glück kam wahrscheinlich "nur" die Deckenverkleidung runter, nicht die eigentliche Decke selber. Noch mal Glück gehabt. Mein Beileid für alle, die unter Schock stehen!
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