"Kino-Ninjas" in London: Pssst!

Der Vordermann telefoniert, der Hintermann wirft mit Popcorn. Nervige Zuschauer können jeden Kinobesuch vermiesen. Das Londoner Prince Charles Cinema hat eine kreative Lösung für dieses Problem gefunden: "Kino-Ninjas" in Ganzkörperanzügen.

"Ninjas" in Londoner Kino: Die leisen Polizisten Fotos
Anthony Hunt

London - Sie kommen im Dunkeln, bewegen sich wie Schattengestalten. Sie tragen Ganzkörperanzüge. Und sie bringen Leute zum Schweigen. Nein, es geht nicht um Bösewichte. Sondern um "Kino-Ninjas", die im Londoner Prince Charles Cinema den Zuschauern ein möglichst ungestörtes Kino-Erlebnis verschaffen sollen.

Das Anliegen ist ehrenwert. Denn wie jeder halbwegs regelmäßige Kinobesucher weiß, werden die "Handy aus!"-Hinweise vor Filmstart reihenweise ignoriert. Popcorn-Werfer, Dauerquassler und Limo-Schlürfer werden noch nicht einmal um Rücksicht gebeten. Deshalb setzt das Kultkino nahe dem Londoner Leicester Square die besonderen Aufpasser ein.

Ein kurzes Video der BBC zeigt die Ninjas bei der Arbeit. Catherine Small ist eine der Freiwilligen, die sich in die Ganzkörperkostüme zwängen. Als Belohnung für ihren Einsatz dürfen die Aufpasser Filme umsonst gucken. "Wir schleichen uns leise heran, ohne jemanden erschrecken zu wollen", sagt Small. Dann erkläre man den Leuten, dass sie aufhören müssten, um anderen den Filmgenuss nicht zu verderben. "Die Reaktionen der Leute waren toll, sie finden es amüsant und nehmen es nicht bierernst. Sie machen mit."

Das Ninja-Konzept sei ein großer Erfolg, sagte Paul Vickery vom Prince Charles Cinema. "Es klingt verrückt, aber sie sind sehr erfolgreich darin, Leute zu stoppen, die mit rücksichtslosem Verhalten die Vorführung für alle anderen Besucher ruinieren." Wie in jedem Kino sei man erbost darüber gewesen, dass eine Minderheit von Besuchern anderen den Spaß nehme.

Ein Film-Störenfried sagte, er habe kurz nach Filmstart telefoniert. "Das Letzte, was ich erwartet hätte, waren zwei völlig schwarz gekleidete Leute an unseren Sitzen, die mir und meinen Kumpels sagten, wir sollten unsere Klappe halten." Zuerst habe er sich ziemlich erschrocken. Dann habe er darüber lachen können - und erkannt, wie er die anderen Besucher beeinträchtigt habe. "Es hat auf jeden Fall gereicht, dass ich das Telefonat beendet habe und für den Rest des Filmes still war."

ulz

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