Grenfell Tower Kühlschrank löste Hochhausbrand in London aus

Der Hochhausbrand in London wurde laut Polizei durch einen defekten Kühlschrank ausgelöst. Wegen der mangelhaften Fassade seien Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung denkbar.

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Ein defekter Kühlschrank soll den verheerenden Brand im Londoner Grenfell Tower in der vergangenen Woche ausgelöst haben. Das teilte die Polizei mit. Es handelt sich um ein Modell der Reihe Hotpoint Fridge Freezer.

Premierministerin Theresa May ordnete eine sofortige Untersuchung der Modellreihe an. Der Hersteller Whirlpool äußerte sich betroffen: "Worte können unser Bedauern über diese schreckliche Tragödie nicht ausdrücken", teilte das Unternehmen mit. Man arbeite mit den Behörden zusammen. Es wurde eine Hotline eingerichtet.

Bei dem Feuer in dem Sozialbau im Stadtteil Kensington sind bisherigen Erkenntnissen zufolge 79 Menschen ums Leben gekommen. Es seien keine weiteren Vermissten gemeldet worden, teilte die Polizei mit, aber noch habe man "nicht das komplette Bild". Die gefundenen Leichen seien inzwischen aus dem Gebäude gebracht worden.

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Hochhausbrand in London: Defekter Kühlschrank war Brandursache

Die Ermittler befürchten, dass sich weitere Menschen in dem Hochhaus befunden haben könnten, über die nichts bekannt sei. Berichten zufolge sollen möglicherweise zahlreiche Menschen illegal in dem Hochhaus gelebt haben. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hatte zuvor eine Amnestie für solche Bewohner des Gebäudes gefordert.

Die Polizei erwägt unter anderem eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Die Ermittler hätten Unterlagen von mehreren Organisationen beschlagnahmt, sagte Fiona McCormack von Scotland Yard. Die Behörde untersuche allgemeine Sicherheitsverstöße und Verstöße gegen den Brandschutz. Man sehe sich alle Unternehmen an, die am Bau und an der Sanierung des Grenfell Tower beteiligt gewesen seien, hieß es weiter.

Sowohl die Isolierung als auch die Platten, die für die Verkleidung des Hochhauses genutzt wurden, seien bei Sicherheitstests durchgefallen. Das Hochhaus war erst vor Kurzem renoviert worden.

Beim Grenfell Tower soll die Fassade mit Aluminium-Verbundplatten verkleidet gewesen sein, die einen Polyethylen-Kern haben. Dieses Material gilt als brennbar. Bei einem Brand schmilzt der Kunststoff und tropft herunter. So können sich die Flammen rasch in mehrere Richtungen ausbreiten.

Amateurvideo zeigt Ausmaß der Katastrophe:

Georgina Aguirre

Insgesamt wurden bei dem Brand 151 Wohnungen zerstört. 129 davon hätten sich in dem Hochhaus selbst befunden, 22 weitere in der unmittelbaren Umgebung, teilte die Bezirksverwaltung von Kensington und Chelsea mit. Die Bewohner von 363 Haushalten seien in Hotels innerhalb des Stadtteils oder in der Nähe untergebracht worden. Niemand habe außerhalb Londons unterkommen müssen, hieß es. Mitarbeiter der Bezirksverwaltung kümmerten sich zusammen mit den betroffenen Familien um eine angemessene dauerhafte Unterbringung für die Opfer.

brt/Reuters/AP

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