London Mehrere Tote bei Brand in Hochhaus

Bei dem Feuer in einem Londoner Hochhaus sind mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen, Dutzende wurden in Kliniken gebracht. Bürgermeister Khan fordert: Etwaige Mängel beim Brandschutz müssen geklärt werden.


Es sind dramatische Bilder: Im Westen Londons steigt Rauch aus einem 24-stöckigen Hochhaus. Bei dem Großbrand sind mehrere Menschen gestorben. Das teilte die Feuerwehr in der britischen Hauptstadt mit. Die Londoner Feuerwehrchefin Dany Cotton sprach von einer unbestimmten "Anzahl Todesopfer".

Die Londoner Polizei meldete später, es gebe mindestens sechs Tote. Es werde aber befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer noch steige. Die Rettungskräfte hatten zuvor mitgeteilt, mindestens 50 Verletzte seien in fünf Krankenhäuser gebracht worden.

Das Feuer in dem Grenfell Tower mit 120 Wohnungen war in der Nacht ausgebrochen. Die Brandursache ist noch unklar. Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit 200 Leuten und 40 Löschfahrzeugen im Einsatz.

Die Einsatzkräfte halten das Gebäude derzeit für stabil genug, um weiter darin nach möglicherweise eingeschlossenen Menschen zu suchen. Ein Experte überprüfe laufend die Statik des Grenfell Towers, sagte Cotton. Einsatzkräfte seien bislang bis zum 19., 20. Stockwerk gelangt. Die Feuerwehrleute hätten bereits sehr früh eine große Menge Menschen gerettet.

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London: Inferno im Grenfell Tower

Die Einsatzkräfte waren eigenen Angaben zufolge innerhalb von sechs Minuten am Ort des Geschehens. Der erste Notruf sei um 0.54 Uhr Ortszeit eingegangen, hieß es in einem Feuerwehr-Statement.

Der BBC zufolge befanden sich auch Stunden nach Ausbruch des Feuers noch immer Menschen in dem Gebäude. Augenzeugen berichteten, Menschen seien aus dem Hochhaus gesprungen.

Nach Angaben einer Augenzeugin war es unmöglich, den um Hilfe schreienden Menschen im brennenden Hochhaus zu helfen. Das ganze Gebäude habe in relativ kurzer Zeit in Flammen gestanden, sagte die Frau. "Wir konnten nichts tun. Ich habe viele Leute gesehen, die mit Laken am Fenster standen. Meine Freunde haben beobachtet, wie Menschen weit oben aus den Fenstern gesprungen sind."

"Harte Einsatzbedingungen"

Feuerwehrleute mit Beatmungsgeräten seien im Einsatz, sagte Brigadeführer Dan Daly. "Die Einsatzbedingungen sind sehr hart." Dutzende Einwohner, viele von ihnen im Pyjama, standen im Freien und versuchten, mit Angehörigen Kontakt aufzunehmen. In einem nahe gelegenen Restaurant wurden Verletzte versorgt.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach von einem "bedeutenden Vorfall" - eine Bezeichnung der britischen Behörden für eine Lage, die besondere Vorkehrungen durch einen oder mehrere Rettungsdienste erfordert. Scotland Yard richtete am Morgen eine Notfallnummer ein - für Menschen, die Freunde und Familienangehörige vermissen.

Große Trümmerstücke stürzten von dem Gebäude, das 1974 in einem Arbeiterviertel des Stadtteils North Kensington errichtet worden war. Die Polizei räumte nahe gelegene Gebäude, die von den herabstürzenden Trümmern gefährdet waren.

Die angrenzende U-Bahn-Linie wurde bei der Station Latimer Road gesperrt, ebenso wie ein Abschnitt der Autobahn A40, die nördlich an dem Komplex vorbeiführt. Einwohner wurden gebeten, die Gegend nordwestlich vom Hyde Park zu meiden. Eine Schule in der Nähe des brennenden Gebäudes blieb geschlossen.

Anwohnerkollektiv warnte vor Brandgefahr

Ein Anwohnerkollektiv hatte vor einem Jahr vor der Gefahr eines Brandes im Grenfell Tower gewarnt. In einem Blogeintrag der Grenfell Action Group heißt es: Ein Feuer würde verheerende Folgen haben. "Die Einwohner würden in dem Gebäude in der Falle sitzen, ohne jede Fluchtmöglichkeit."

Feuerwehrchefin Cotton warnte davor, über die Ursache des verheerenden Brandes zu spekulieren. "Wir werden in den kommenden Stunden und Tagen sorgfältig nach dem Grund für dieses Feuer suchen und untersuchen, was passiert ist", sagte sie. Zu diesem Zeitpunkt sei es aber "falsch", über die Ursache zu spekulieren. Die Polizeibehörde Scotland Yard schloss einen Terroranschlag aus.

Bürgermeister Khan forderte, etwaige Mängel beim Brandschutz müssten geklärt werden. Die Fragen nach der Sicherheit von Hochhäusern in solchen Fällen seien "wirklich wichtig und müssen beantwortet werden", sagte er der BBC.

Es gebe viele dieser Wohnblöcke in London, so Khan. Und es dürfe nicht zu der Situation kommen, dass Menschenleben in Gefahr sind, weil der Brandschutz nicht ausreichend sei oder falsche Ratschläge gegeben würden. Einige Bewohner des Grenfell Towers sagten, ihnen sei geraten worden, im Fall eines Feuers in ihren Wohnungen zu bleiben.

wit/ala/AFP/Reuters/dpa/AP



insgesamt 88 Beiträge
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Fassungsloser 14.06.2017
1. Dämmungsbrand?
Wie konnte sich denn der Brand so großflächig über das ganze Haus ausbreiten? Auf den Bildern sieht das so aus, als brenne die (gedämmte?) Fassade ab. Der Alptraum der Feuerwehrleute...
gruebi01 14.06.2017
2. Brennender Kühlschrank im 2. Stock soll Feuer verursacht haben
Heute früh auf BBC gehört. Ein brennender Kühlschrank in einer Wohnung im 2. Stock soll den Brand verursacht haben. Wohnungsinhaber soll noch Nachbarn gewarnt haben. Das Haus wurde erst vor kurzem wärmegedämmt. Die Dämmung brannte wohl lichterloh, aber of das Haus ungedämmt weniger schnell durchgezündet hätte - keine Ahnung.
kai kojote 14.06.2017
3.
Was für ein Albtraum, es wird sicher noch mehr Tote geben, und auch die ganzen Haustiere. Man sieht wirklich deutlich wie die Dämmung brennt. Warum dämmt man nicht gleich mit Benzinfässern? Genau davor haben Experten gewarnt. Natürlich muss man auf die Ermittlungen abwarten aber ich fürchte, dass sich solche Bilder in Zukunft häufen.
biensur 14.06.2017
4. Dämmungsbrand
Zitat von FassungsloserWie konnte sich denn der Brand so großflächig über das ganze Haus ausbreiten? Auf den Bildern sieht das so aus, als brenne die (gedämmte?) Fassade ab. Der Alptraum der Feuerwehrleute...
Ist auch mein Eindruck, denn die Fassade brennt und nicht nur die Räume, außerdem scheint brennendes Styropor abzutropfen. Das ist richtig übel, denn so eine brennende Fassade lässt Fenster bersten und verteilt das Feuer immer weiter. Das Haus scheint aber auch keine wirksame Sprinkleranlage zu haben und wie man liest, kommt das Wasser der Feuerwehr nur bis zum 10. Stock. Egal, wie das Feuer entstanden ist, das Haus hat schwere Sicherheitsmängel - ein Feuer darf sich nicht so ausbreiten können. Das ist richtig übel. Hoffentlich haben sich viele retten können! Mein tiefstes Mitgefühl für die Betroffenen.
ken-stumich 14.06.2017
5. Aber
dass das Gebäude noch steht wundert mich wirklich sehr. Normalerweise stürzen doch die Hochhäuser nach einem feuer Brand senkrecht in sich zusammen.
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