Hochhausfeuer in London Polizei bringt May vor wütenden Demonstranten in Sicherheit

Nach dem verheerenden Hochhausbrand in London richtet sich der Zorn der Hinterbliebenen und Anwohner gegen Regierungschefin Theresa May. Bei einem Besuch musste die Polizei sie in Sicherheit bringen.

REUTERS

Die britische Premierministerin Theresa May ist vor wütenden Demonstranten in Sicherheit gebracht worden. Sie hatte sich in der Nachbarschaft des ausgebrannten Hochhauses in London mit Opfern des Brands und mit Anwohnern getroffen.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, zornige Menschen seien Mays Auto hinterhergelaufen und hätten sie angebrüllt. Demonstranten hätten "Schande über dich" und "Feigling" gerufen, berichteten andere Medien. Nach dem Treffen kündigte May in einer Stellungnahme Hilfen für die Betroffenen in Höhe von fünf Millionen Pfund an und drückte ihr Mitgefühl aus.

Am Nachmittag waren Dutzende Demonstranten in die Lobby und ins Treppenhaus eines Rathauses im Stadtteil Kensington eingedrungen. Laut "Guardian" verlangten sie unter anderem, die vom Brand betroffenen Menschen auch in dem Bezirk unterzubringen, sowie finanzielle Unterstützung.

Fotostrecke

9  Bilder
Wütende Demonstranten: Polizei bringt May in Sicherheit

Als die Aktivisten in die oberen Stockwerke vordringen wollten, stellte sich die Polizei ihnen in den Weg. Unruhe machte sich breit. Die Aktivisten riefen: "Wir wollen Gerechtigkeit!", "Schämt Euch!", "Mörder!". Ein Sprecher des Stadtbezirks Kensington-Chelsea beantwortete laut "Guardian" Fragen der Demonstranten.

Das Feuer in dem Londoner Grenfell Tower war in der Nacht zum Mittwoch ausgebrochen. Mindestens 30 Menschen kamen ums Leben, eine unbekannte Zahl wird noch vermisst. Nach dem Feuer wächst in Großbritannien die Wut auf die Politik. Das Land debattiert über Slums und eine außer Kontrolle geratene Deregulierung. Viele geben nach dem Unglück in dem Sozialbau auch den Behörden eine Mitschuld. Die Organisatoren des Protests bemühten sich, die Menschen zu beruhigen.

Als Antwort auf die Proteste veröffentlichte die Bezirksverwaltung eine Stellungnahme. Darin sicherte sie den obdachlos gewordenen Bewohnern eine rasche Unterbringung innerhalb des Stadtteils zu. Hilfszahlungen für die Opfer seien auf dem Weg. Die Behörde unterstütze zudem die Untersuchung der Brandursache.

Für den Abend ist eine Kundgebung im Londoner Regierungsviertel Westminster geplant. Die Demonstration soll vor dem Wohnungsbauministerium stattfinden. Auf Facebook haben Tausende ihre Teilnahme an der Veranstaltung "Justice for Grenfell!" (Gerechtigkeit für Grenfell) angekündigt.

brt/apr/Reuters/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.