Londoner Anschläge Polizei fasst mutmaßlichen Bombenleger

Schlag gegen die Terroristen: Die britische Polizei hat einen der mutmaßlichen Rucksackbomber gestellt. Der Terrorverdächtige, Yasin Hassan Omar, wehrte sich bei seiner Verhaftung. Daraufhin setzten ihn die Polizisten mit einer Elektroschockpistole, einem sogenannten Taser, außer Gefecht.


Ein Polizist steht vor der aufgebrochenen Tür eines der durchsuchten Häuser in Birmingham
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Ein Polizist steht vor der aufgebrochenen Tür eines der durchsuchten Häuser in Birmingham

London - Am Abend bestätigten die Behörden auf einer Pressekonferenz: Yasin Hassan Omar ist gefasst. Weiterhin werde aber nach drei seiner Komplizen gefahndet, sagte der Chef der Anti-Terroreinheit der Londoner Polizei, Peter Clarke.

Die Polizei veröffentlichte ein neues Fotos, das einen der mutmaßlichen Täter zeigt, nachdem er sich auf der Flucht seines blauen Hemdes entledigt hat. Auf dem Bild ist er in einem weißen Unterhemd in einem Bus zu sehen. Clarke forderte die Bürger auf, verdächtige Beobachtungen an die Behörden zu melden. Gleichzeitig warnte er, die noch flüchtigen Verdächtigen seien gefährlich.

Bei seiner Festnahme war der 24-Jährige von den Beamten mit einem Taser betäubt worden. Wie die britische Zeitung "Guardian" berichtet, sei es zuvor zwischen Omar und den Beamten zu einem Handgemenge gekommen, als die Beamten am frühen Morgen die Wohnung des gebürtigen Somaliers in Birmingham stürmten.

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7/7/2005: Splitterbomben und Sprengstoffpäckchen

Die Betäubungswaffe sei eingesetzt worden, um eine sichere Festnahme zu gewährleisten, sagte Polizeisprecher Stuart Hyde. Außer der Elektroschockpistole sei bei dem Einsatz keine Waffe abgefeuert worden, teilte die Polizei mit.

Möglicherweise reagierte die Polizei mit dem Einsatz eines Tasers auf den tragischen Tod des Brasilianers Jean Charles de Menezes. Dieser war in der vergangenen Woche fälschlicherweise in einer U-Bahn-Station von Beamten mit mehreren Kopfschüssen getötet worden. Polizisten hatten de Menezes als Terrorverdächtigen eingestuft - diese Annahme erwies sich im Nachhinein jedoch als falsch. Der Tod des unschuldigen Brasilianers hatte eine Debatte über die "Shot-to-Kill"-Strategie der Polizei ausgelöst.

Yasin Hassan Omar wurde zu Verhören nach London transportiert. Er wird verdächtig, für einen fehlgeschlagenen Bombenanschlag in der Londoner U-Bahn-Station Warren Street am vergangenen Donnerstag verantwortlich zu sein. Die Ermittler hatten dank der Überwachungskameras der Londoner U-Bahn am Montag Fahndungsfotos von ihm und drei mutmaßlichen Komplizen veröffentlichen können.

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Fahndung: Bilder der Terrorverdächtigen

Bei der Durchsuchung von Omars Haus entdeckten die Beamten ein verdächtiges Packet. Die BBC meldet, ein Polizist habe einen Rucksack aus dem Fenster geworfen. Nach Angaben des Senders Sky News brachte ein Spezialteam das Gepäckstück kontrolliert zur Explosion gebracht. 100 Wohnungen in der Umgebung wurden stundenlang evakuiert.

Kurz nach Omars Festnahme stürmten Beamte eine weitere Wohnung in Birmingham und nahmen drei weitere Männer fest. Ein Polizeisprecher bestätigte der Zeitung "The Independent" zufolge, dass die Festnahmen in direktem Zusammenhang mit den gescheiterten Attentaten vom 21. Juli stattfanden. In Polizeikreisen war von dem bislang wichtigsten Fahndungserfolg die Rede. Auch Premierminister Blair zeigte sich erfreut über den Fahndungserfolg.

Terrorverdächtiger Yasin Hassan Omar: Mit Taser betäubt
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Terrorverdächtiger Yasin Hassan Omar: Mit Taser betäubt

Der amerikanische Fernsehsender ABC berichtete, die Anschläge vom 7. Juli hätten möglicherweise noch verheerender ausfallen sollen. Nach Angaben des Senders seien in einem von der Polizei sichergestellten Auto insgesamt 16 Sprengsätze gefunden worden, von denen einige wie Pfannkuchen verpackt gewesen seien. Die Bomben seien mit langen Nägeln umbunden gewesen, um die Splitterwirkung zu erhöhen. Die Polizei wollte den Bericht nicht bestätigen. Sie hatte das Fahrzeug nach den Anschlägen vom 7. Juli am Bahnhof von Luton entdeckt. Die Ermittler glauben, dass die Selbstmordattentäter den Wagen gemietet hatten.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Polizei einen Terrorverdächtigen wieder freigelassen hat, den sie am Flughafen von Luton festgenommen hatte. Der Mann, der mit einem Billigflieger ins französische Nîmes hatte fliegen wollen, durfte seine Reise fortsetzen. Der Festgenommene habe sich äußerst kooperativ verhalten, sagte eine Polizeisprecherin. Er habe einem der gefilmten Bombenleger vom Donnerstag geähnelt und sei so lange festgehalten worden, bis seine Identität geklärt gewesen sei. Der Polizeieinsatz hatte dazu geführt, dass der Luftraum nördlich von London kurzzeitig gesperrt wurde.

Die Londoner Polizei durchsucht zurzeit noch zwei Wohnungen in der britischen Hauptstadt. Die Wohnungen in den beiden nördlichen Stadtteilen Finchley und Enfield seien am frühen Morgen auf Grundlage der Anti-Terror-Gesetzgebung überprüft worden, teilte eine Polizeisprecherin mit. Festnahmen habe es aber nicht gegeben. Die Spurensicherung sei noch im Gang.



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