Umstrittenes Modevideo: Aufschrei gegen Prostitutions-Chic

Ein Video mit Supermodels, die sich geben wie Prostituierte: Louis Vuitton gerät wegen eines misslungenen Kurzfilms unter Druck. Kritiker werfen der Luxusmarke und der Modeindustrie vor, den Prostitutions-Chic als Marketinginstrument zu nutzen.

James Lima

Paris - Die Frauen räkeln sich leicht bekleidet an Straßenecken, sitzen halbnackt auf dem Rücksitz eines Autos und ziehen sich im Scheinwerferlicht eines Wagens aus: Ein Video zeigt Louis-Vuitton-Models in Posen, die an Prostituierte erinnern. Zu sehen sind unter anderem Cara Delevingne, 20, und Georgia Jagger, 21.

Die Aufmachung des Videos und die Präsentation der Frauen bringt der Luxusmarke nun jede Menge Kritik ein, wie unter anderem "Times" und "New York Daily News" berichten. In einem offenen Brief in der renommierten Tageszeitung "Libération" schreiben die Kritiker, das Modehaus verbinde Luxus "mit der zweiteinträglichsten illegalen Machenschaft nach Drogenhandel".

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Umstrittenes Video: Kritik an Luxusmarke
Die Modeindustrie wolle Prostitution glamourös erscheinen lassen. "Die soziale Situation der großen Mehrheit aller Menschen, die sich prostituieren, ist nicht beneidenswert und in keiner Weise glücklich." Es schließt die Frage an, ob es der Modebranche bewusst sei, dass sie mit dem Prostitutions-Chic Gewalt, Pornografie und sexueller Sklaverei Vorschub gebe?

Zu den Unterzeichnern gehört auch die Fondation Scelles. Die Organisation setzt sich gegen sexuelle Gewalt und Ausbeutung ein. Louis Vuitton mache Prostitution zu einem Marketinginstrument, sagte Yves Charpenel, Vorsitzender der Organisation. Selbstverständlich müssten Modeschöpfer künstlerische Freiheit haben, "aber dies läuft auf die Ausbeutung von Frauen hinaus".

Das Video springt zwischen den Straßenszenen und Aufnahmen der Models bei einer Modenschau in Paris hin und her. Der Film wurde für die britische Zeitschrift "Love" gemacht, wie die "Times" berichtet. "Love"-Chefredakteurin Katie Grand arbeitet auch als Beraterin für Louis Vuitton. Regisseur des Kurzfilms ist James Lima. Bei seinem Video steht, es sei eine "Hintergrundgeschichte" zur "sinnlichen und glamourösen" Louis-Vuitton-Kollektion von Marc Jacobs.

Allerdings zitiert die "Times" einen Insider, demzufolge Louis Vuitton das Video nicht abgesegnet hat. Seltsam ist freilich, dass es in den Credits heißt, besonderer Dank gehe an Jacobs, den Chefdesigner der Marke. Das Modehaus selbst hat sich bislang nicht zu der Kritik geäußert.

ulz

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