Love-Parade-Katastrophe Veranstalter stellt Überwachungsvideos ins Netz

Jetzt geht Rainer Schaller in die Offensive: Der Love-Parade-Veranstalter erhebt im SPIEGEL schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Sie hätte Sperrketten gebildet, die nach Meinung Schallers zur Duisburger Katastrophe führten. Dies sollen Überwachungsvideos beweisen, die nun ins Internet gestellt werden.

Eingedrückter Zaun bei Love Parade: Veranstalter Schaller sieht Mitschuld der Polizei
ddp

Eingedrückter Zaun bei Love Parade: Veranstalter Schaller sieht Mitschuld der Polizei


Hamburg - 21 Menschen starben vor vier Wochen bei der Duisburger Love Parade, mehr als 500 wurden verletzt. Noch immer ist unklar, was zu der Katastrophe führte - nun greift Veranstalter Rainer Schaller im SPIEGEL die Polizei massiv an. Der Chef der Fitnessstudiokette McFit wirft ihr vor, sie sei mitverantwortlich für das Duisburger Desaster. Schallers Vorwurf: Die Polizei hätte - als sich vor den Zugängen im westlichen und im östlichen Bereich des Veranstaltungsgeländes ab 15.50 Uhr die Massen stauten - aus unerklärlichen Gründen drei Sperrketten gebildet, zwei in den Tunnels und eine auf dem unteren Teil der Zugangsrampe.

Diese Ketten, sagt Schaller, seien "vermutlich die Ursache der Katastrophe" gewesen: "Für uns stellt sich die Frage, warum die Polizei dies tat." Ohne die Polizeikette auf der Rampe würden die "Menschen heute noch leben", behauptet Schaller.

Um diese aus Sicht des Veranstalters taktischen Fehlleistungen der Polizei dokumentieren zu können, lässt er das gesamte Videomaterial seiner sieben Überwachungskameras mit einer Laufzeit von mehr als 22 Stunden ins Internet stellen. "Jeder soll sich selbst ein Bild von den Abläufen machen können."

Kein Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss

Schaller wird nicht vor dem Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags, der sich am 2. September zum wiederholten Male mit der Duisburger Katastrophe beschäftigt, Rede und Antwort stehen, er werde "Vertreter meiner Firma" schicken.

Ihm sei jedoch "bewusst", dass er eine "moralische Verantwortung habe. Ich war Veranstalter, und die Menschen wären nicht gestorben, wenn die Veranstaltung nicht gewesen wäre. Wer Schuld hat, muss juristisch geklärt werden, selbstverständlich stelle ich mich auch hier der Verantwortung".

Zuletzt waren die Büros des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Die Ermittlungen laufen weiterhin gegen unbekannt. Ein vorläufiger Love-Parade-Bericht des nordrhein-westfälischen Innenministeriums hatte Vorwürfe gegen die Stadt Duisburg und Veranstalter Schaller erhoben.

flo

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Forum - Love Parade - Welche Lehren müssen aus Duisburg gezogen werden?
insgesamt 5984 Beiträge
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Seite 1
fiutare 31.07.2010
1.
Zitat von sysop21 Tote und Hunderte von Verletzten mussten nach der Katastrophe von Duisburg im Rahmen der diesjährige Love Parade beklagt werden. Welche Lehren für die Zukunft von Großveranstaltungen dieser Art sind aus dem Desaster zu ziehen?
Wieviel Spass um jeden Preis verträgt die Gesellschaft? Diese Frage sollte sich jeder stellen.
donbilbo 31.07.2010
2. Persönlich
Persönlich ziehe ich daraus keine Lehre sondern eine Bestätigung: Menschenmassen meide ich, wenn nur irgendwie möglich. Ob das nun eine Loveparade ist, Public Viewing, Rock Festivals oder die Mitternachtseröffnung eines Elektromarktes. Das tue ich mir nicht an! Wenn ich feiern und tanzen will kann ich das auf einer Party für 1000 Leute genauso gut, wie auf einer für 1.000.000. Ein Unterschied für den Einzelnen ist eh nicht festzustellen, ausser vielleicht Schwierigkeiten bei Anreise/Abreise/Toilettensuche usw.
betawa 31.07.2010
3.
Die selbe Lehre die wir auch in vielen anderen Bereichen wieder neu erlernen müssen: Es geht um Menschen und demenstrechend sorgfältig sollte man handeln. Unsere Gesellschaft ist menschenfeindlich geworden. Profit, Erfolg und Geld steht über allem.
Sumerer 31.07.2010
4.
Zitat von sysop21 Tote und Hunderte von Verletzten mussten nach der Katastrophe von Duisburg im Rahmen der diesjährige Love Parade beklagt werden. Welche Lehren für die Zukunft von Großveranstaltungen dieser Art sind aus dem Desaster zu ziehen?
Es muß generell gewissenhaft geprüft und überprüft werden ob die Wegekapazitäten dem Besucherandrang und der Kapazität des Veranstaltungsortes tatsächlich entsprechen. Veranstaltungen dieser Größenordnung können generell nicht auf einem hermetisch abgeriegelten Areal, mit nur einem Zu- und Abgang durchgeführt werden. Die Veranstaltung hätte weder so geplant, beantragt, genehmigt, noch durchgeführt werden dürfen. Sie war von der Planung an zum unweigerlichen Scheitern verurteilt.
IsArenas, 31.07.2010
5. Chaos-Theorie und Praxis
Dazu wurde ja schon einiges und eigentlich alles gesagt. Technisch-planerisch-organisatorisch wird man gewiss viel versuchen zu verbessern, das liegt in der Natur des Menschen. Ansonsten: Shit happens oder feiner,neutraler: Murphys Gesetz (das vom Toast, der immer mit der belegten Seite nach unten faellt), alles, was passieren kann, passiert eben irgendwann...ich denke mal, das weiss man allerspaetestens seit Tschernobyl (im Negativen) und dem Fall der Berliner Mauer (im Positiven). Lebe jeden Tag, als waere es dein letzter, waere auch noch so ein Lehrsatz. Der beruehmte Fluegelschlag des Falters im Amazonas-Urwald bestimmt vielleicht jetzt gerade meinen Tod...
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