Love Parade Panikforscher will nicht an Planung beteiligt gewesen sein

Die Staatsanwaltschaft Duisburg will demnächst die ersten Beschuldigten im Ermittlungsverfahren zur Love-Parade-Katastrophe benennen. Der Panikforscher Michael Schreckenberg erhebt im SPIEGEL erneut schwere Vorwürfe gegen die Veranstalter: Sie hätten ihm gezielt Informationen vorenthalten.

REUTERS

Hamburg - Im Ermittlungsverfahren zur Love-Parade-Katastrophe hat der Panikforscher Michael Schreckenberg schwere Vorwürfe gegen die Stadt Duisburg und den Veranstalter Lopavent erhoben. Beide hätten dem Wissenschaftler vor der Techno-Veranstaltung, bei der im Juli 21 Menschen ums Leben kamen, gezielt Informationen vorenthalten und eine kritische Prüfung der Planungen offenbar nicht gewollt. Dies schreibt Schreckenbergs Kölner Anwalt Thomas Herbert in einer 60-seitigen Stellungnahme, die am 8. November bei der Duisburger Staatsanwaltschaft einging.

Demnach sei Schreckenberg, der die Stadt bei der Vorbereitung des Großereignisses beraten sollte, "zu keinem Zeitpunkt in die Planungen eines Sicherheitskonzeptes einbezogen worden". Man habe ihm weder das Sicherheitskonzept vom 28. Juni noch die Veranstaltungsbeschreibung vom 16. Juli vorgelegt, heißt es weiter.

Der Professor für Physik von Transport und Verkehr an der Universität Duisburg-Essen sei auch nicht zu den Sitzungen des Arbeitskreises Sicherheit eingeladen worden. Zudem habe der Veranstalter Lopavent sich geweigert, Schreckenberg konkrete Zahlen zu nennen, wie viele Besucher man erwarte.

"Zusammenfassend kann man sagen, dass Nachfragen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge nicht gewünscht waren", schreibt der Anwalt.

Zusammen mit den Schilderungen stellte Schreckenbergs Anwalt nach SPIEGEL-Informationen bei der Staatsanwaltschaft Duisburg den Antrag, kein Ermittlungsverfahren gegen den Wissenschaftler einzuleiten. Bislang wird das Verfahren zur Love Parade noch gegen unbekannt geführt. Demnächst wollen die Ermittler die ersten Beschuldigten in dem Großverfahren benennen.

Schreckenberg habe "wiederholt und nachhaltig vor dem Karl-Lehr-Tunnel", durch den sowohl die herein- als auch die herausströmenden Massen geleitet wurden, gewarnt, heißt es in der Stellungnahme des Anwalts. Entgegen anderslautenden Darstellungen habe der Wissenschaftler kein eigenes Gutachten für die Stadt verfasst, sondern lediglich auf Anfrage zu einzelnen Aspekten Stellung genommen.

In dem Schriftsatz an die Staatsanwaltschaft äußert Schreckenbergs Anwalt den Verdacht, die Stadt habe sich womöglich nur mit dem Namen des Wissenschaftlers schmücken wollen, um "kritische Stimmen zu beruhigen".

Der Veranstalter Lopavent und die Stadt Duisburg äußerten sich zu den Vorwürfen am Freitag unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.



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