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27. Juli 2010, 18:51 Uhr

Love-Parade-Tragödie

Widersprüche, Ausflüchte, Lügen

Eine Analyse von , , und , Duisburg

Veranstalter, Verwaltung, Politik und Polizei schieben sich nach dem Desaster von Duisburg die Verantwortung zu - und verstricken sich in Widersprüche, die für Opfer und Hinterbliebene wie Hohn erscheinen müssen. Niemand will schuld sein an 21 Toten und mehr als 500 Verletzten, dabei ist klar: Alle haben ihren Anteil.

So viele Fragen.

So wenige Antworten.

In diese sechs Wörter lässt sich das Drama nach dem Drama fassen - die katastrophale Aufarbeitung des Love-Parade-Desasters von Duisburg. Drei Tage ist es jetzt her, dass 21 Menschen in einer Massenpanik so schwer verletzt wurden, dass sie qualvoll gestorben sind, zerquetscht, zu Tode getrampelt. Die Republik will endlich wissen, wer dafür verantwortlich ist. Aber die Politik, Polizei, Verwaltung, Veranstalter hüllen sich in beredtes Schweigen.

Sie mauern, und wenn sie mal etwas sagen, ist es entweder nichts Erhellendes. Oder sie versuchen, sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben.

SPIEGEL ONLINE rekonstruiert den stellenweise grotesken Kampf um die Verantwortung für eines der schlimmsten Unglücke seit Jahren in Deutschland. Einen Kampf mit Widersprüchen, Ausflüchten, Lügen.

So geht es seit der ersten Pressekonferenz am Abend des Unglücks.

Schon damals, Stunden nach dem Desaster, verblüffte Oberbürgermeister Adolf Sauerland, als er mit überraschender Gewissheit verkündete, das Sicherheitskonzept sei nicht schuld. Der CDU-Politiker verstieg sich zu der These: "Wenn Sie jetzt hören, was wohl die Ursachen sind, dann lag es nicht am Sicherheitskonzept, was nicht gegriffen hat, sondern wahrscheinlich an individuellen Schwächen." Genauer: individuelle Schwächen auf Seiten der Raver. Die Opfer sind selbst Schuld, haben da viele herausgehört.

Was wie Hohn klang, lässt sich vielleicht damit erklären, dass Sauerland zu jenem Zeitpunkt noch unter Schock stand. Dass er möglicherweise noch nicht begriffen hatte, welche Tragödie sich im Tunnel in der Duisburger Innenstadt abgespielt hatte. Doch auch am Sonntag, einen Tag nach dem Geschehen, wirkten die Verantwortlichen überfordert.

Sie schoben sich auf einer verheerenden Pressekonferenz die Fragen zu, ohne Antworten zu geben. Keiner fand erhellende Worte, keiner bekannte sich zur eigenen Rolle, keiner sprach über Schuld. Beinahe konnte man den Eindruck gewinnen, als habe die Love Parade in einem Verantwortungsvakuum stattgefunden, in einem politisch luftleeren Raum - und das in einem Land, dessen Bürokratie angeblich ihresgleichen sucht.

Von den Verantwortlichen traf nur einer den richtigen Ton - Fritz Pleitgen, Geschäftsführer des europäischen Kulturhauptstadtjahrs Ruhr.2010. "Die Sache beschäftigt mich zutiefst", sagte der frühere WDR-Intendant, der sich dafür eingesetzt hatte, dass die Party im Rahmen von Ruhr.2010 stattfand. Obwohl beide Veranstaltungen nichts miteinander zu tun haben, "kann ich nicht so tun, als hätte ich damit nichts zu tun", sagte Pleitgen SPIEGEL ONLINE. "Ich fühle mich moralisch mitverantwortlich, auch wenn ich es aus veranstalterischer Sicht nicht bin."

"Moralische Verantwortung" - ein Wort, das keiner der anderen Beteiligten in den Mund genommen hat. Obwohl alle darauf warten.

Der Schuld-Poker zwischen Politik und Polizei, Veranstaltern und Verwaltung - SPIEGEL ONLINE dokumentiert, wie sich die Verantwortlichen bei fast jeder zentralen Frage zur Katastrophe von Duisburg widersprechen:

Warum drängten sich die Massen?

Der Love-Parade-Chef Rainer Schaller, der auch den Hauptsponsor McFit betreibt, erhebt inzwischen schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Der 41-Jährige sagte, zur Katastrophe von Duisburg habe eine "verhängnisvolle Anweisung" der Beamten geführt, den westlichen Tunneleingang zu öffnen. Zuvor hätten die Veranstalter dort zehn der 16 Schleusen schließen lassen, weil bereits eine Überfüllung gedroht habe.

Auch Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland machte in der "WAZ" ein Fehlverhalten der Polizei für die Katastrophe am Tunnel verantwortlich - und denkt deshalb nicht an Rücktritt. "Ich muss das durchhalten", sagte der CDU-Politiker in einem Interview mit der Zeitungsgruppe. Er werde nachweisen, keine Fehler begangen zu haben. Wenn er für die Tragödie die Verantwortung übernähme, würde er für den Rest seines Lebens für 21 Tote verantwortlich gemacht. Das wäre quasi wie ein Eingeständnis, den Tod der 21 Menschen verursacht zu haben.

Die Polizei in Köln, die inzwischen in der Sache ermittelt, bezeichnete die Kritik an den Beamten dagegen als verfrühte Spekulation. "Wir sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in der Lage zu sagen, was der Auslöser für das Ganze war. Das kann man jetzt noch nicht seriös feststellen", sagte eine Sprecherin. "Wir fänden es gut, wenn sich Herr Schaller nicht in Spekulationen verlieren würde."

An dem Einsatz beteiligte Beamte sagten SPIEGEL ONLINE, sie hätten eher den Eindruck, die Ordner an der Einlasskontrolle seien dermaßen überfordert gewesen, dass es zu dem massiven Rückstau auf der Rampe gekommen sei. Ein Polizist warf außerdem die Frage auf, wann die angeblich verhängnisvolle Öffnung des Tunnels geschehen sein soll. Der Zeitpunkt sei schließlich entscheidend.

"Alle warteten auf Befehle, aber es kamen keine", sagte einer der 1080 Ordner der "Bild"-Zeitung. "Irgendwann lagen dann überall Leichen. Die Notausgänge oberhalb der Rampe wurden erst durch die Polizei geöffnet, als es schon zu spät war", zitiert das Blatt den 40-Jährigen.

Versagte die Kommunikation?

Feuerwehrleute und Polizisten, die am Samstag in Duisburg Dienst taten, beklagten, sie hätten Schwierigkeiten mit ihren analogen Funkgeräten gehabt. Die Verständigung zwischen den Einsatzkräften sei zumindest schwierig, zeitweise sogar unmöglich gewesen. Gab es eine Kommunikationslücke? Wussten die Beamten an den Tunneleingängen nicht, dass sich die Menschen längst auf der Rampe drängten? Bislang will zu diesen Fragen niemand Stellung nehmen.

Die Funkgeräte "sind teilweise so alt, dass man keine Ersatzteile mehr dafür bekommt", sagte Andreas Nowak von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Nordrhein-Westfalen. Immer wieder komme es vor, dass sich Beamte mit den Geräten im sogenannten Funkschatten befänden und in gefährlichen Situationen nicht erreichbar seien. "Es ist häufig so, dass Polizisten ihr privates Handy mitbringen, falls sonst gar nichts mehr geht", so Nowak. Doch als am Samstag die Handynetze zusammenbrachen, half auch das nicht mehr.

Wie viele Raver waren in Duisburg?

Täglich gibt es neue Zahlen, wie viele Raver nun in Duisburg gefeiert haben sollen. Jetzt sagte der Duisburger Polizeisprecher Ramon van der Maat, über den ganzen Tag verteilt seien auf dem Veranstaltungsgelände und auf dem Weg dorthin höchstens 300.000 bis 400.000 Menschen gewesen. Loveparade-Organisator Schaller sprach nur von 187.000 Besuchern auf dem Gelände.

Der Innenminister hingegen teilte den Sprechern der Landtagsfraktionen am Montag mit, es seien 350.000 Menschen in der Stadt und 120.000 auf dem Gelände gewesen.

Die vom Love-Parade-Veranstalter und dem Oberbürgermeister am Samstag genannte Zahl von 1,4 Millionen in Duisburg sei aus Sicht der Polizei schon "rechnerisch unmöglich", sagte Polizeisprecher van der Maat. Derart viele Menschen hätten mit den zur Verfügung stehenden Verkehrsmitteln nicht in der gegebenen Zeit anreisen können. Sie hätten auch niemals auf dem Gelände Platz gefunden, das 230.000 Quadratmeter groß, aber zur Hälfte bebaut sei.

Nach einer Faustregel der Polizei können pro Quadratmeter bis zu vier Menschen dicht gedrängt stehen. Da das Gelände nach den Beobachtungen der Polizei aus der Luft zu keinem Zeitpunkt wirklich voll war, erscheinen Schätzungen von etwa 200.000 Partygästen zurzeit plausibel.

Stark abweichende Teilnehmerzahlen gab es bereits bei früheren Raves. 2006 etwa hatte der Veranstalter 1,2 Millionen Besucher bei der Love Parade in Berlin gewähnt. Die Polizei sprach seinerzeit hingegen von 500.000 Menschen.

2008 glänzte Dortmund bei der Love Parade mit der offiziellen Zahl von 1,6 Millionen Teilnehmern - einem Rekord. Auch diese Zahl wurde angezweifelt. Nur die Hälfte der Besucher sei wirklich da gewesen, schrieben Dortmunder Zeitungen.

Wie viele Polizisten waren in Duisburg?

Auch darüber gehen die Darstellungen auseinander. In der Spitze waren nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen am Samstag 14 Einsatzhundertschaften sowie 800 Duisburger Beamte vorgesehen, insgesamt etwa 2200 Polizisten. Inzwischen verbreitet das Innenministerium in Düsseldorf, es seien nach der Mobilisierung von Reserven insgesamt 4000 Polizisten in der Stadt gewesen. Die Duisburger Polizei spricht hingegen immer noch von 3000 Beamten.

In jedem Fall wirkt die Zahl der Ordnungshüter im Verhältnis zu den Hunderttausenden Besuchern eher niedrig, zumal es sich nicht nur um friedlich Feiernde handelte. Die Stimmung sei von Anfang an explosiv gewesen, sagte ein Polizist SPIEGEL ONLINE. "Viele Raver schienen berauscht."

Die Genehmigung - kurz und kurzfristig

SPIEGEL ONLINE enthüllte bereits am Sonntag die skandalös erscheinende "Genehmigung einer vorübergehenden Nutzungsänderung" für das Gelände der Love Parade. In diesem gerade einmal zwei Seiten umfassenden Schriftstück an die Berliner Lopavent GmbH befreite ein Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht die Organisatoren von der Vorschrift, die vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege einhalten zu müssen.

Dafür gab der Beamte Ralf J. (der sich in seinem Schriftstück vom 21. Juli übrigens in geradezu prophetischer Voraussicht schon auf ein Dokument vom 22. Juli zu beziehen vermochte) den Ausrichtern der Mega-Party vor: "Die maximale Personenzahl, die sich gleichzeitig auf dem Veranstaltungsgelände aufhalten darf, wird (...) auf 250.000 Personen begrenzt."

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE erteilte der Duisburger Baudezernent die endgültige ordnungsbehördliche Erlaubnis für die Love Parade erst am Samstagmorgen. Der Duisburger Oberbürgermeister habe sich zu diesem Zeitpunkt mit seiner Familie im Österreich-Urlaub befunden, berichtete "Bild".

Ein Sprecher der Stadtverwaltung ließ eine SPIEGEL-ONLINE-Anfrage dazu unbeantwortet.

Warnungen und Bedenken

SPIEGEL ONLINE erfuhr, dass die Duisburger Polizei wiederholt massive Bedenken gegen das Sicherheitskonzept der Love-Parade-Veranstalter angemeldet hat. Der frühere Polizeipräsident Rolf Cebin teilte bereits im Februar 2009 mit: "In Duisburg eine Veranstaltungsfläche für 500.000 oder gar mehr Menschen zu finden, inklusive eines geordneten An- und Abreiseverkehrs, ist nicht einfach. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung hätte auch einen entsprechend großen Polizeieinsatz zur Folge."

Der CDU-Kreisvorsitzenden Thomas Mahlberg schwärzte daraufhin den inzwischen pensionierten Cebin beim FDP-Innenminister an: "Der Eklat veranlasst mich zu der Bitte, Duisburg von einer schweren Bürde zu befreien und den personellen Neuanfang im Polizeipräsidium Duisburg zu wagen", schrieb Mahlberg.

"Es gab 12 bis 13 Ortstermine in Duisburg. Und jedes Mal waren wir uns einig, dass das geplante Konzept im Chaos enden wird, dass es Verletzte und Tote geben wird", sagte ein Gruppenführer der Kölner Einsatzhundertschaft dem "Express". Bedenken seien ignoriert worden, so der Beamte. "Uns wurde immer wieder mitgeteilt, es werde nicht diskutiert. Im Rathaus stehe man auf dem Standpunkt: Die Loveparade muss funktionieren."

Auch der Direktor der Berufsfeuerwehr warnte Zeitungsberichten zufolge im Oktober 2009 in einem Brief an den Oberbürgermeister, das Gelände am alten Güterbahnhof sei "physikalisch nicht geeignet" für eine Veranstaltung dieser Größenordnung. "Hier wurde sträflichst die Versammlungsstättenverordnung missachtet", sagt nun der Landesvorsitzende der Interessenvertretung der Feuerwehr, Michael Böcker, SPIEGEL ONLINE. "Schuld sind die, die die Genehmigung unterschrieben haben."

Oberbürgermeister Sauerland indes, der mittlerweile von Polizisten des Polizeipräsidiums Duisburg beschützt werden muss, versicherte hingegen noch in der am Dienstag erschienenen "Rheinischen Post": "Mir sind keine Warnungen bekannt."

Vorwürfe gegen den Bürgermeister

An diesem Dienstagnachmittag berichtete das Nachrichtenportal "DerWesten", dass Sauerland entgegen seiner Äußerungen sehr wohl über die Bedenken der Beamten informiert worden sein soll - und zwar schon vier Wochen vor der Love Parade. Die Internetseite veröffentlicht ein mutmaßliches Sitzungsprotokoll (zum PDF auf derwesten.de...), in dem die Einwände der Verwaltung im Detail formuliert sind und auf dessen handschriftlich vermerktem Verteiler auch der Oberbürgermeister stehen soll.

Laut "DerWesten" geht es in dem Dokument vom 18. Juni um ein Treffen des Love-Parade-Veranstalters Lopavent mit der Feuerwehr, dem Ordnungsamt und dem Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe. Bei dem Treffen sei über die Fluchtwege gestritten worden. Demnach habe sich der Veranstalter dagegen gewehrt, für 220.000 Besucher 440 Meter Fluchtwege bereitzustellen. Stattdessen habe Lopavent auf nur 155 Wegmetern bestanden.

Ordnungsdezernent Rabe soll daraufhin Druck auf das Bauordnungsamt ausgeübt haben. "Herr Rabe stellte in dem Zusammenhang fest, dass der OB die Veranstaltung wünsche und dass daher hierfür eine Lösung gefunden werden müsse. Die Anforderungen der Bauordnung, dass der Veranstalter ein taugliches Konzept vorlegen müsse, ließ er nicht gelten", zitiert "DerWesten" aus dem Protokoll.

An das Bauordnungsamt, das eigentlich nur eine kontrollierende Funktion habe, soll Rabe die Order ausgegeben haben, "konstruktiv mitzuarbeiten".

Der Leiter des Baudezernats, Jürgen Dressler, soll auf dem Protokoll handschriftlich jede Zuständigkeit und Verantwortung abgelehnt haben: "Dieses entspricht in keinerlei Hinsicht einem ordentlichen Verwaltungshandeln und einer sachgerechten Projektstellung."

Eine Sprecherin der Stadt Duisburg wollte SPIEGEL ONLINE mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen am Dienstag keine Stellungnahme dazu abgeben.

Welche Rolle spielte die (Landes-)Politik?

Nach der Absage Bochums wuchs der Druck auf Duisburg, die Love Parade im Jahr 2010 auf jeden Fall stattfinden zu lassen. Man hatte die Love Parade zum Prestigeobjekt erhoben, die Bilder feiernder junger Menschen sollten das Image eines sterbenden Ruhrgebiets aufpolieren. Auch die Düsseldorfer Landesregierung baute auf das Projekt, Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff sagte nach der Bochumer Absage: "Ich hoffe nicht, dass nun auch noch die Love Parade 2010 ausfällt - zumindest die muss jetzt stattfinden."

In Düsseldorf war man über die Planungen informiert: Das Innenministerium war über das Einsatz-Referat der Polizeiabteilung in die Vorbereitungen einbezogen.

Nach der Katastrophe unterrichtete Innenminister Ralf Jäger (SPD) die innenpolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen in einer zweieinhalb Stunden langen Besprechung. Anwesend waren auch der Inspekteur der Polizei, der Landeskriminaldirektor, ein Vertreter des Einsatzreferats, die Abteilung Katastrophenschutz und der Staatssekretär des Innenministeriums. Bei dem Treffen wurden Aufnahmen aus Hubschraubern und vom Boden gezeigt und ausgewertet. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden klare Versäumnisse bei der Organisation der Love Parade erkannt - und diskutiert.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" (Mittwochausgabe) berichtet, wirft das Innenministerium dem Veranstalter der Loveparade vor, weniger eigene Ordnungskräfte eingesetzt zu haben als zuvor angekündigt. So habe Jäger (SPD) dem Kabinett mitgeteilt, der Veranstalter habe in seinem Sicherheitskonzept 150 Ordner für den Bereich der Rampe und der Zugangstunnel versprochen. Tatsächlich seien dann aber offenbar viel weniger Ordner eingesetzt worden, sagte Jäger laut "SZ". Der Innenminister will am Mittwoch auf einer Pressekonferenz weitere Details bekannt geben. Dies kündigte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) an.

Wie finanzierte Duisburg die Love Parade?

Der Handlungsspielraum Duisburgs ist mehr als begrenzt: Die Stadt befindet sich im sogenannten "Nothaushaltsrecht", das heißt, sie muss sich alle Investitionen von der Landesregierung genehmigen lassen.

Duisburg bat bei der Bezirksregierung Düsseldorf um die "Tätigung freiwilliger Ausgaben", man wollte 840.000 Euro in die Love Parade investieren. Doch die zuständige Finanzaufsicht untersagte das Vorhaben. Daraufhin bettelten die Organisatoren der Stadt das Geld bei Sponsoren und der Landesregierung zusammen. Duisburgs Marketing-Chef Uwe Gerste richtete gar ein Spendenkonto ein, in der Hoffnung, Techno-begeisterte Menschen würden einige Euros für die Massenveranstaltung locker machen.

Schließlich klaubte man das Geld zusammen, folgende Geber ermöglichten das Event, von dem sich Duisburg über Merchandising-Verkäufe 185.000 Euro versprach:

Dieses Finanzierungskonzept, das lange wackelig schien, wurde schließlich vom Innenministerium als oberster Kommunalbehörde genehmigt und mit Erlass vom 14. April 2010 an die Düsseldorfer Bezirksregierung weitergegeben.

Wie starben die Opfer?

Nach Angaben von Ministerpräsidentin Kraft sind alle Opfer erdrückt worden. "Alle 20 Todesopfer sind an einer Brustdruck-Kompression gestorben, an einer Brustquetschung", sagte die Politikerin am Dienstag. Dies habe die Obduktion der Leichen ergeben.

Damit hätten sich frühere Angaben der Verantwortlichen, Stürze hätten die tödlichen Verletzungen verursacht, nicht bestätigt, sagte Kraft. Vor allem Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland hatte das am Samstag in der allerersten Pressekonferenz suggeriert.

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