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23. Februar 2013, 15:53 Uhr

Schrottreife "Lyubow Orlowa"

Russisches Geisterschiff nähert sich Europa

Ohne Besatzung treibt die schrottreife "Lyubow Orlowa" im Atlantik, nun nähert sie sich Irland. Das russische Geister-Kreuzfahrtschiff ruft Umweltaktivisten auf den Plan, sie fürchten eine Verschmutzung des Meeres. Doch niemand fühlt sich für das schwimmende Altmetall zuständig.

Die einzigen Passagiere an Bord sind Ratten. Die "Lyubow Orlowa", ein schrottreifes russisches Kreuzfahrtschiff, treibt seit fast einem Monat im Nordatlantik. Ohne Kapitän, Mannschaft und Warnlichter nähert sie sich nun Europa.

Die französische Umweltschutzorganisation Robin des Bois schlägt Alarm: Das Schiff sei eine "akute Gefahr". Im Falle einer Kollision oder eines Zerbrechens des Wracks würden große Mengen an Treibstoff, Chemikalien, Asbest und andere giftige Stoffe ins Meer gelangen.

Eigentlich sollte die 1976 erbaute "Lyubow Orlowa" in der Dominikanischen Republik von ihrem gegenwärtigen Eigentümer, einem Schrotthändler, in ihre Einzelteile zerlegt werden. Dahin sollte sie von einem Schlepper gebracht werden. Doch schon einen Tag nach der Abfahrt von der kanadischen Insel Neufundland am 23. Januar riss das Abschleppkabel. Der Schlepper, der offenbar auch nicht gerade im besten Zustand war, wurde daraufhin von den kanadischen Behörden für eine Inspektion zurückbeordert.

Niemand fühlt sich verantwortlich

Das Schrottschiff wurde einfach seinem Schicksal überlassen. Lange wussten die Behörden nicht einmal, wo sich das Geisterschiff befindet, weil es an Bord kein Ortungsgerät gibt. Nach US-Angaben soll es sich derzeit rund 2400 Kilometer westlich von Irland befinden. Klar ist jedenfalls, dass das rund hundert Meter lange Schiff in internationalen Gewässern treibt - und dass sich somit kein Staat dafür verantwortlich fühlt.

Das Schiff habe keine Warnlichter, sagte Jacky Bonnemain, Sprecher von Robin des Bois. Für Schiffe mit Passagieren gebe es ein internationales Abkommen zur Rettung von Menschenleben auf offener See, sagte er. Doch keine Übereinkunft schreibe vor, wer für ein leeres Schiff zuständig sei. Dies sei umso alarmierender, als das Geisterschiff bald in einen Raum mit hohem Verkehrsaufkommen getrieben werden könnte, warnt der Umweltschützer. Er fordert eine internationale Aktion zur Bergung der "Lyubow Orlowa".

Das Schiff müsse von jenen geborgen werden, die für sein Umhertreiben verantwortlich seien, sagte Michel Quimbert, ein auf Seerecht spezialisierter Anwalt. Allerdings könne niemand die Gesellschaft, welche der Schlepper gehört, zu einer Intervention zwingen. Ein Eingreifen sei allerdings im Interesse der Eigentümer, weil sie im Falle eines Unfalls strafrechtlich verfolgt würden.

Laut geltendem Recht sei der Staat zuständig, unter dessen Flagge ein Schiff fährt, sagte Sébastien Lootgieter, Mitglied der französischen Gesellschaft für Seerecht. Die "Lyubow Orlowa" fuhr zuletzt unter der Flagge der Cook-Inseln.

Zielort schwer vorhersehbar

Falls das ehemalige Kreuzfahrtschiff nicht durch einen Unfall gestoppt wird, dürfte es also weiter unkontrolliert vor sich hin treiben - zumindest bis es in die Hoheitsgewässer eines Staates gelangt. Dieser könnte dann auf der Grundlage der Uno-Seerechtsübereinkommen intervenieren. Aber wo wird das Geisterschiff landen? Das lässt sich Experten zufolge nur schwer voraussagen.

Das Schiff sei leer und liege daher nicht sehr tief im Wasser, sagte Christophe Maisondieu vom französischen Schifffahrtsforschungsinstitut Ifremer. Es sei somit Winden und Wellen mehr ausgesetzt als Strömungen. Er gehe aber davon aus, dass die "Lyubow Orlowa" am ehesten in Richtung Irland abdriften werde. Wann sie vor der irischen Küste auftauche, sei nicht vorherzusagen.

Einem für die Sicherheit auf See zuständigen französischen Beamten zufolge gab es bisher keine Warnungen an Schiffe, denen die "Lyubow Orlowa" in die Quere kommen könnte. Denn es sei schwer zu sagen, wo genau das Wrack zurzeit herumgeistere.

sto/AFP

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