Organisierte Kriminalität Deutlich mehr Mafiosi in Deutschland

Die Zahl der Mafiosi in Deutschland hat sich in den vergangenen neun Jahren vervierfacht. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus einer Antwort der Bundesregierung hervor.

Tatort in Duisburg (2007)
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Tatort in Duisburg (2007)

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Es war der Höhepunkt einer Fehde zwischen zwei Familien der italienischen 'Ndrangheta: Früh am Morgen des 15. August 2007 fielen 54 Schüsse vor dem Duisburger Restaurant "Da Bruno". Sechs Menschen starben in ihren Autos. Die Bluttat offenbarte der Öffentlichkeit, dass sich die italienische Mafia auch in Deutschland niedergelassen und ihre Konflikte offensichtlich mitgebracht hatte. Die brutalen "Da Bruno"-Morde machten das mit einem Schlag deutlich.

Zehn Jahre später ist die Zahl der Mafiosi in Deutschland offenbar stark gestiegen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. Zählten die Sicherheitsbehörden im Jahr 2008 noch 136 Mitglieder der italienischen organisierten Kriminalität (IOK), waren es im Juni 2017 mit 562 Mitgliedern gut viermal so viel.

Zwei Gruppierungen sind in diesem Zeitraum besonders schnell gewachsen: Die sizilianische Cosa Nostra mit 520 Prozent Zuwachs auf heute 124 Mitglieder und die kalabrische 'Nrdangheta, die heute mit Abstand die meisten Mitglieder hat: 333 in 51 Untergruppierungen (455 Prozent Zuwachs). Deutlich kleiner sind die deutschen Ableger der Camorra (87 Mitglieder), die aus Neapel und Kalabrien stammt, sowie der apulischen Mafia (18 Mitglieder), die sich in mehrere Gruppierungen aufsplittet.

"Zehn Jahre nach den Morden von Duisburg sehen wir, dass alle relevanten italienischen Mafiagruppierungen in Deutschland aktiv sind, und die Anzahl von mutmaßlichen Mitgliedern stark gestiegen ist", sagt Irene Mihalic, die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. "Diese Entwicklung verdeutlicht, wie dringend der Handlungsbedarf bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität ist."

Die tatsächliche Zahl könnte noch viel größer sein

Die Zahlen beschreiben nur die Strukturen, die Behörden wie das Bundeskriminalamt aufklären konnten. Aus ihnen könne "keine fundierte Einschätzung zu Art und Umfang eines Dunkelfeldes abgeleitet werden", schreibt die Bundesregierung. Die tatsächliche Zahl könnte also noch viel größer sein.

Trotz der enormen Steigerung sind die Erfolgsmeldungen im Kampf gegen die Mafia eher überschaubar. Nur knapp 5,6 Millionen Euro an Vermögenswerten beschlagnahmten die Behörden bei den deutschen Mafiagruppen in den vergangenen zehn Jahren.

Wie viel kriminelles Geld in Deutschland im Umlauf ist, weiß niemand genau. Der Strafrechtler Kai Bussmann kam in einer Studie für die Bundesregierung zu dem Ergebnis, dass - konservativ geschätzt - jährlich etwa 100 Milliarden Euro, die aus Verbrechen stammen, in der Bundesrepublik angelegt werden. Alleine für bis zu 20 Milliarden Euro kauften Kriminelle oder ihre Handlanger jedes Jahr Immobilien in Deutschland, so Bussmann.

Aus der Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen geht auch hervor, dass Bund und Länder in den vergangenen 10 Jahren 102 Ermittlungsverfahren gegen italienische Mafiosi anstrengten. Im Bereich des islamistischen Terrorismus liegen die Zahlen um ein Vielfaches höher: Der Generalbundesanwalt rechnet hier allein für dieses Jahr mit bis zu 900 neuen Ermittlungsverfahren.

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"Die geringe Anzahl von Ermittlungsverfahren gegen die italienische Mafia kann ein Hinweis darauf sein, dass insbesondere bei den kriminalpolizeilichen Fachdienststellen nicht genügend Ermittlerinnen und Ermittler für den Bereich der organisierten Kriminalität zur Verfügung stehen", sagt Mihalic. "Das wäre ein Missstand, dem wir entschieden begegnen müssten."

Hinweis der Redaktion: Im Vorspann dieses Textes stand, dass sich die Zahl der Mafiosi in Deutschland verdreifacht habe. Tatsächlich hat sie sich vervierfacht.



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