Mai-Krawalle in Berlin Randalierer greifen Polizei an

Bis zum Einbruch der Dunkelheit war es ruhig in Berlin - dann ging es los. Nach friedlichen Demonstrationen linker Gruppen und einem Anwohnerfest rasteten in Kreuzberg einige Jugendliche aus. Viele Schaulustige verfolgten das Aufflackern der Gewalt.


Berlin - Nach Einbruch der Dunkelheit flogen in der Skalitzer Straße/Ecke Mariannenstraße sowie am Görlitzer Bahnhof aus mehreren Gruppen von Jugendlichen heraus Pflastersteine, Flaschen und Feuerwerkskörper in Richtung Polizei. Zuvor hatte es nach dem offiziellen Ende der "Revolutionären 1.-Mai-Demonstration" zwei sogenannte Spontandemonstrationen mit mehreren Hundert Teilnehmern gegeben.

Am U-Bahnhof Görlitzer Straße wurden einige Störer festgenommen. Polizeibeamte gingen Augenzeugenberichten zufolge entschlossen gegen die Angreifer vor und brachten die Lage immer wieder rasch unter Kontrolle. Dabei setzten sie auch Tränengas ein. "Es gibt Provokationen, aber nichts, was eskalieren könnte", sagte ein Polizeisprecher. Er sprach von einem insgesamt ruhigen und friedlichen Abend. Es könne maximal von Scharmützeln die Rede sein. "Wir haben den einen oder anderen Steinewerfer rausgeholt. Sonst nichts Bewegendes."

Bis zum Einbruch der Dunkelheit waren die Demonstrationen
friedlich geblieben. Auf Initiative des Bezirksamtes und
verschiedener Interessengruppen hatten sich weit über zehntausend Menschen an dem "Myfest" beteiligt, wie die Polizei weiter mitteilte. Die Teilnehmer wollten damit möglichen Randalierern Platz nehmen und ein Zeichen gegen Gewalt setzen.

Auch in früheren Jahren war es in der Nacht zum 1. Mai und am Tag der Arbeit selbst in Berlin zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Polizei befürchtete in diesem Jahr wegen des bevorstehenden G-8-Gipfels Anfang Juni und dem 20. Jahrestag der Krawalle in Berlin eine höhere Gewaltbereitschaft in der autonomen Szene.

Angefangen hatten die Randale zum Tag der Arbeit in Berlin 1987 im Anschluss an eine Demonstration in Kreuzberg: Damals war es zu Straßenschlachten gekommen und ein Supermarkt brannte ab. Das war die Initialzündung für die jährlichen Krawallrituale.

kai/ddp/AP/Reuters



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