Verschollene Malaysia-Boeing Der Phantom-Flug MH370

Das spurlose Verschwinden der Boeing 777-200: Warum gab es keinen Notruf? Ist die Maschine wirklich umgekehrt? Warum ist die Absturzstelle so schwer zu finden? Luftfahrtexperten geben Antworten.

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AFP

Kuala Lumpur - Mittlerweile gibt es immerhin eine kleine Spur: Malaysias Militär soll die letzten Signale der verschollenen Boeing 777-200 angeblich über der Straße von Malakka registriert haben - also in entgegengesetzter Richtung der geplanten Route von Kuala Lumpur nach Peking. Offiziell bestätigt ist das noch nicht - aber es gibt Hoffnung, dass möglicherweise bald Licht in den rätselhaften Fall kommt.

Auch am vierten Tag nach dem Verschwinden der Passagiermaschine wurde noch kein einziges Wrackteil gefunden. Und die Angehörigen wissen immer noch nicht, was mit den 239 Menschen an Bord geschehen ist.

Viele Fragen sind offen: Wie kann es sein, dass ein Flugzeug einfach verschwindet? Dass kein Notruf abgesetzt wurde? Dass die Suche nach dem Wrack so schwierig ist? Und wie läuft die Kommunikation mit den Piloten im Normalfall ab? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

1. Wie kann ein Flugzeug einfach verschwinden?

Experten gehen davon aus, dass ein plötzliches Problem aufgetaucht sein muss und dem Piloten keine Zeit für einen Notruf blieb. "Das kann etwa eine Explosion gewesen sein, die entweder durch einen technischen Fehler oder einen Terroranschlag verursacht wurde", sagt Axel Raab von der deutschen Flugsicherung. Über einen Anschlag wurde spekuliert, weil zwei Männer mit gestohlenen Pässen an Bord gelangt waren. Darüber gibt es geteilte Meinungen. "Je mehr Informationen wir bekommen, desto mehr neigen wir zum Schluss, dass es sich nicht um einen terroristischen Vorfall handelt", sagt Ronald Noble, der Generalsekretär von Interpol. Die CIA hingegen schließt einen Anschlag nach wie vor nicht aus.

Wie die These von einer Explosion mit der mutmaßlichen Routenänderung zur Straße von Malakka zusammenpassen könnte, ist unklar. Derzeit lässt sich nur spekulieren.

2. Kann ein fehlender Notruf auch technische Ursachen haben?

Das scheint momentan schwer vorstellbar. "Dass alle drei Funkgeräte und das Satellitentelefon gleichzeitig durch einen technischen Defekt ausfallen, und man sich nicht bemerkbar machen kann, ist sehr unwahrscheinlich", sagt Jörg Handwerg von der Pilotenvereinigung Cockpit.

Geplante Route von Flug MH370: Rätselhaftes Verschwinden
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Geplante Route von Flug MH370: Rätselhaftes Verschwinden

3. Warum ist die Maschine so schwer zu finden?

Weil niemand die Unglücksursache und den genauen Ablauf kennt. "Falls das Flugzeug nicht explodiert ist, kann es ja noch etwas weiter geflogen sein", sagt Raab. Und dann sei es sogar für Experten sehr schwer herauszubekommen, wie die Flugkurve verlaufen ist - und wo die Maschine im Endeffekt aufgekommen ist.

4. Wie wird die Position eines Flugzeugs während des Fluges bestimmt?

Handwerg zufolge gibt es in Küstennähe und über Land überall Radarabdeckung, zudem existiert ein On-Board-System, das die Position gemeinsam mit Informationen wie Geschwindigkeit und Flughöhe an die Flugsicherung schickt. Beide Systeme haben jedoch ihre Grenzen: Das Radar wird durch Sendeleistung und Erdkrümmung eingeschränkt, das On-Board-System hat nur eine Reichweite von 370 Kilometern.

5. Wie funktioniert die Ortung außerhalb des Radars?

Über den Ozeanen melden die Piloten ihre Position, teilweise geschieht das auch automatisch via Satellit. Über dem Nordatlantik liegen die Meldepunkte beispielsweise an jedem zehnten Längengrad. "Zwischen diesen Punkten kann der Lotse die aktuelle Position nur durch Berechnungen der Geschwindigkeit und des Kurses in etwa bestimmen", sagt Handwerg.

6. Wie kommunizieren Flugzeug und Luftsicherung?

Der Luftraum ist in unterschiedliche Sektoren eingeteilt, die von verschiedenen Fluglotsen betreut werden. Über dem Festland wird auf UKW-Frequenzen kommuniziert. Diese haben zwar nur eine geringe Reichweite, dafür aber eine sehr hohe Qualität. Auf Überseeflügen können Pilot und Luftsicherung über Kurzwelle sprechen, dabei ist die Qualität zwar nicht so gut, dafür die Reichweite größer. Und dann gibt es noch das Satellitentelefon.

7. Was passiert im Notfall?

Wenn Zeit bleibt, meldet der Pilot sein Problem beim nächstgelegenen Flughafen. "Das Flugzeug hat dann absoluten Vorrang vor allen anderen, die müssen dann notfalls in die Warteschleife", sagt Raab. "Dann wird abgefragt, wie viel Kerosin an Bord ist, das ist wichtig für die Feuerwehr. Danach wird ein Alarmplan abgearbeitet."

Für die Aufklärung von Unglücksfällen ist die Blackbox von großer Bedeutung. Sie sammelt und speichert Stimmaufzeichnungen aus dem Cockpit und Daten zum Flug. Die Voice Recorder und Flugschreiber sind so konzipiert, dass sie größten Belastungen standhalten. Im Fall des Air-France-Unglücks von 2009 konnten Flugschreiber und Stimmenrecorder auch nach zwei Jahren auf dem Meeresboden noch ausgelesen werden. Das Unglück konnte daher weitgehend aufgeklärt werden.

8. Können die Daten des Flugschreibers nicht schon während des Fluges an die Flugsicherung gesendet werden?

"Bei modernen Flugzeugen geschieht das schon zum Teil. Bei der 2009 über dem Atlantik abgestürzten Air-France-Maschine wurden etwa technische Daten gesendet", sagt Raab. Doch durch den Kontakt zu den Piloten sei das eigentlich nicht notwendig. "Es wäre ja auch ein wahnsinniger Aufwand und eine ungeheure Datenflut. Allein in Deutschland haben wir 10.000 Flüge pro Tag. Da muss es ja auch einen geben, der die Informationen auswertet, sonst macht das keinen Sinn", sagt Raab.

Mit Material von AP und AFP

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Seite 1
shardan 11.03.2014
1. Stimmt nicht ganz
"Es wäre ja auch ein wahnsinniger Aufwand und eine ungeheure Datenflut. Alleine in Deutschland haben wir 10.000 Flüge pro Tag. Da muss es ja auch einen geben, der die Informationen auswertet, sonst macht das keinen Sinn". Ach? Werden denn alle Flugschreiber permanent ausgewertet? Nicht, dass ich wüsste. Die Online übermittelten Daten müssten gar nicht komplett ausgewertet werden, nicht einmal unbedingt gespeichert. Wenn der Flieger heile gelandet ist, braucht sie keiner mehr, der Flugschreiber ist ja da..
topterrortroll 11.03.2014
2. Seltsame bEGRÜNDUNG1
"Da muss es dann ja auch einen geben, der die Informationen auswertet", ist ein seltsames Argument. Genauso wie die Datenschreiber nur nach Unfällen ausgewertet werden müssen, müssten auch die gesendeten Daten nur im Fall eines Unglücks ausgewertet werden. Sie wären aber dann schon vorhanden udn müssten nicht erst mühsam gesucht werden!
guayaquil 11.03.2014
3. Daten auswerten
Es ist sicherlich eine unheimliche Datenmenge, wenn man von jedem Flug automatisch die Daten überträgt. Auswerten muß man die nicht, jedenfalls solange nichts passiert.
chwe 11.03.2014
4. Nsa
einfach mal die NSA fragen wie diese die Telefongespraeche und EMails von Millionen von Buergern speichert und auswertet.
vrieshqdung 11.03.2014
5. lesen UND verstehen
der "wahnsinnige Aufwand" und die "Datenflut" bezieht sich NCIHT auf die Auswertung der beiden "Black boxes", sondern auf die erwähnte "live"-Übertragung bspw. Triebwerksrelevanter Daten, die lt. Artikel teilweise heute bereits stattfindet. Um die aktuellen, verzögerungsfrei abgesetzten technischen Indikatoren und Ist-Zustände des jeweiligen Fluges an die Bodenstation, Airline, Triebwerkshersteller etc.
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