Verschollenes Flugzeug Was geschah mit Flug MH370?

"Es ist ein Mysterium ohne Beispiel", sagt der Chef der Luftfahrtbehörde: Eine Maschine der Malaysia Airlines verschwand auf dem Weg nach China, die Fachleute stehen vor einem Rätsel. Welche Fakten sind gesichert, worüber wird gemutmaßt? Der Überblick.

Suche nach verschollener Malaysia-Airlines-Maschine: Keine Spur vom Wrack
REUTERS/ MMEA

Suche nach verschollener Malaysia-Airlines-Maschine: Keine Spur vom Wrack


Kuala Lumpur/Peking - Das Verschwinden von Flug MH370 bleibt für Ermittler und Behörden ein Rätsel. Es handle sich um ein "Luftfahrt-Mysterium ohne Beispiel", sagte der Chef von Malaysias ziviler Luftfahrtbehörde, Azharuddin Abdul Rahmanthe. Sicher ist nur, dass die Maschine am frühen Samstagmorgen von den Radarschirmen verschwand, als sie auf die Reiseflughöhe von 10.670 Metern gestiegen war. Die Suche blieb bislang vergeblich.

Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Wer war an Bord?

227 Passagiere - etwa zwei Drittel davon Chinesen - und zwölf Besatzungsmitglieder. Besonders zwei Passagiere stehen nun im Fokus der Ermittler. Die Männer waren mit gestohlenen Pässen an Bord gelangt. Sie wurden vor dem Einsteigen von Sicherheitskameras am Flughafen von Kuala Lumpur gefilmt. Die gestohlenen Pässe stammen von einem Österreicher und einem Italiener. Die Papiere waren in den vergangenen zwei Jahren in Thailand gestohlen worden. Einen konkreten Hinweis, dass die zwei Benutzer der gestohlenen Pässe etwas mit dem Verschwinden des Flugzeugs zu tun haben, gibt es allerdings nicht.

Die beiden Männer hatten die Tickets gemeinsam in Thailand bei China Southern Airlines gekauft, die den Flug gemeinsam mit Malaysia Airlines betrieben hatte. Beide wollten über Peking nach Amsterdam fliegen, um dort nach Frankfurt beziehungsweise Kopenhagen umzusteigen. Einen der Passbenutzer konnten die Behörden inzwischen durch die Auswertung von Überwachungsvideos identifizieren.


Wie gut waren die Sicherheitskontrollen?

Der Chef von Malaysias ziviler Luftfahrtbehörde bezeichnet die Kontrollen in Kuala Lumpur als streng, sie entsprächen internationalen Standards. Es gebe eine Videoüberwachung. Mit dieser Einschätzung steht er aber ziemlich allein da.

Malaysias Innenminister Datuk Seri Zahid Hamidi zeigte sich verwundert, dass den Kontrolleuren nichts verdächtig vorgekommen sei. "Können diese Passbeamten nicht denken? Italienisch und österreichisch, aber mit asiatischen Gesichtszügen", sagte er in Bezug auf die Männer mit den gestohlenen Pässen. Die Dokumente waren nicht mit einer Interpol-Datenbank abgeglichen worden, in der gestohlene Papiere gelistet sind.

Laut Interpol wurden weitere verdächtige Pässe benutzt. Nur wenige Länder machen laut Interpol-Generalsekretär Ronald Noble standardmäßig den Abgleich mit der Datenbank. Er kritisierte die Behörden dafür, "auf eine Tragödie gewartet zu haben, um kluge Sicherheitsmaßnahmen an Grenzen und beim Boarding zu installieren". Seit Jahren fordere seine Behörde angemessene Sicherheitskontrollen.


Welche Theorien gibt es zum Verschwinden der Maschine?

Solange die Behörden keine Spur von der Maschine haben, können sie kaum etwas ausschließen. Derzeit sind sehr unterschiedliche Theorien im Umlauf:

  • Anschlag: Manche Experten werten das plötzliche Verschwinden des Flugzeugs als Hinweis darauf, dass es an Bord eine Explosion gegeben haben muss. Das wiederum - zusammen mit den gestohlenen Pässen mehrerer Passagiere - deuten manche als Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund. Eine plötzliche Katastrophe würde auch erklären, warum kein Notruf abgesetzt wurde.
  • Menschliches Versagen: Ein erfahrener Pilot steuerte die Maschine. Der 53-Jährige hatte nach Angaben der Airline mehr als 18.000 Flugstunden hinter sich. Auch der 27-jährige erste Offizier war mit 2800 Stunden Flugerfahrung kein Anfänger. Manche Beobachter spekulieren über einen Suizid des Piloten.
  • Technisches Versagen: Mängel an der Maschine sind nicht bekannt. Die Boeing 777-200 gilt zudem als sehr zuverlässiges und sicheres Verkehrsflugzeug.
  • Fatale Turbulenzen: Dies halten die Behörden für ein relativ unwahrscheinliches Szenario. Sie glauben nicht, dass schlechtes Wetter der Maschine zum Verhängnis wurde. Zum Zeitpunkt des Verschwindens sei die Wetterlage gut gewesen.


Wich die Maschine von ihrer Route ab?

Das Suchgebiet im Meer umfasst Tausende Quadratkilometer. Für zusätzliche Verwirrung sorgen Aufzeichnungen des militärischen Radars in Malaysia. Demnach kehrte das Flugzeug vor dem Verschwinden womöglich um.


Was geschieht mit den Angehörigen der Insassen?

Hunderte von ihnen sind in einem Hotel in Peking untergebracht. Sie warten darauf, nach Malaysia geflogen zu werden. Malaysia Airlines soll den Transfer nach Kuala Lumpur organisieren. Die chinesischen und malaysischen Behörden bemühen sich, Reisewilligen umgehend die nötigen Dokumente zu beschaffen.

Eine 93-köpfige Arbeitsgruppe von Malaysia Airlines ist von Kuala Lumpur nach Peking geflogen, um sich um die Familien zu kümmern. In dem verzweifelten Warten auf Neuigkeiten hatte es anfänglich Kritik an der Reaktion und Informationspolitik der Fluggesellschaft gegeben.


Welche Folgen hat der Fall für die Fluggesellschaft?

Malaysia Airlines ist eine staatliche Fluggesellschaft, die einen soliden Ruf hat. Dieser ist nun allerdings stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Aktienkurs sank um vier Prozent. Das Ziel der Fluggesellschaft, bis Ende des Jahres wieder profitabel zu arbeiten, dürfte nun deutlich schwieriger zu erreichen sein.

Die Airline fliegt mit Boeing- und Airbus-Maschinen nach eigenen Angaben täglich 37.000 Passagiere zu 80 Zielen im In- und Ausland.

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Malaysia-Airlines-Maschine: Suche vor Südvietnam

ulz/Reuters/AP/dpa



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Seite 1
4magda 10.03.2014
1.
Zitat von sysopREUTERS/ MMEA"Es ist ein Mysterium ohne Beispiel", sagt der Chef der Luftfahrtbehörde: Eine Maschine der Malaysia Airlines verschwand auf dem Weg nach China, die Fachleute stehen vor einem Rätsel. Welche Fakten sind gesichert, worüber wird gemutmaßt? Der Überblick. http://www.spiegel.de/panorama/malaysia-airlines-flug-mh370-fragen-und-antworten-a-957832.html
..und noch keine Wrackteile gefunden. Vielleicht steht sie auf einem abgelegenen Militärflughafen in Nordkorea als Faustpfand.
axel666 10.03.2014
2. österreicher und...
italiener mit asiatischen gesichtszügen! soll es doch tatsächlich geben! da sollte heutzutage niemand mehr stutzig werden! diesen kritikpunkt verstehe ich deshalb nicht. inwiefern, die pässe beim einchecken mit interpol-suchdaten abgeglichen werden entzieht sich meiner kenntnis. ist das standard? hat ein check-in-schalter überhaupt diese möglichkeiten? darf eine bedienstete einer airline das überhaupt? in deutschland wäre das eine überprüfung personenbezogener daten und nur durch polizei oder bundespolizei möglich!
Mannfreed 10.03.2014
3. Twa800
Ich erinnere mich noch an die TWA800, bei der am Ende leere Tanks i.V.m. der Klimaanlage den Absturz verursacht haben. Mithin ein rein technisches Problem. Jedenfalls freue ich mich schon darauf, wenn in vielleicht drei Jahren die Fakten auf dem Tisch liegen, hier so prominent und übersichtlich darüber lesen zu können. Bisher ist alles nicht mehr als Spekulation. Was wird das erst für ein Rummel werden, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen. /Ironie off. Natürlich werden wir in weiter Ferne nur als Fußnote informiert werden. So ist das eben mit heißer Luft. Wenn die erst sachlich kalt ist, wird nicht mehr geklickert.
Forums-Geschwurbel 10.03.2014
4.
Zitat von axel666italiener mit asiatischen gesichtszügen! soll es doch tatsächlich geben! da sollte heutzutage niemand mehr stutzig werden! diesen kritikpunkt verstehe ich deshalb nicht. inwiefern, die pässe beim einchecken mit interpol-suchdaten abgeglichen werden entzieht sich meiner kenntnis. ist das standard? hat ein check-in-schalter überhaupt diese möglichkeiten? darf eine bedienstete einer airline das überhaupt? in deutschland wäre das eine überprüfung personenbezogener daten und nur durch polizei oder bundespolizei möglich!
Malaysische Behörden haben mittlerweile dementiert, dass die Männer "asiatische Gesichtszüge" hätten. Eine erneute Sichtung der Videos/Fotos hätte das nicht bestätigt.
colinchapman 10.03.2014
5. Gab es ACARS-Meldungen ?
Ein modernes Flugzeug wie die vermißte 777-200ER müßte im Falle einer technischen Störung eine oder mehrere ACARS-Funkmeldungen abgesetzt haben (aircraft communications addressing and reporting system). Wieso hat noch keiner danach gefragt? Das offenkundige Fehlen von ACARS-Meldungen und das Verschwinden vom Radar ohne vorherigen Sprechfunkkontakt legen zumindest ein spontanes Auseinanderbrechen in der Luft sehr nahe (ich will noch nicht von Attentat sprechen, auch wenn ich mir persönlich nichts anderes als Ursache vorstellen kann). Mich wundert außerdem, dass man den Kurs der Maschine bis zum Verschwinden nicht aus den Radarauswertungen der angrenzenden Nationen rekonstruieren kann, da dort mehrere Hoheiten (Malaysia, Thailand, China) aneinander grenzen, ist der Luftraum dort das vielleicht am besten radarüberwachte Gebiet der Welt.
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