Malaysia-Airlines-Flug MH370 Die schwierige Suche nach dem Boeing-Wrack

Neun Länder, 40 Schiffe, mehr als 30 Flugzeuge: Die Suche nach der verschollenen Boeing wird mit immensem Aufwand betrieben. Die Ermittler fahnden nach dem Flugschreiber. Doch für den Einsatz von Tauchrobotern ist das Gebiet noch viel zu groß.

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Kuala Lumpur/Peking - Seit drei Tagen ist die Boeing 777-200 der Malaysia Airlines verschwunden, doch der Chef der malaysischen Luftfahrtbehörde, Azharuddin Abdul Rahman, hatte keine guten Nachrichten, als er am Montag vor die Journalisten trat: "Leider haben wir weder Teile gefunden, die zum Flugzeug gehören könnten, noch das Flugzeug selbst."

Von Flug MH370 und den 239 Insassen fehlt noch immer jede Spur - und das, obwohl über 40 Schiffe und mehr als 30 Flugzeuge zwischen den Küsten Malaysias und Vietnams im Einsatz sind. Hoffnung auf Überlebende gibt es kaum noch. Das mögliche Absturzareal ist riesig - und wurde nun sogar ausgeweitet. Auch westlich von Malaysia und auf dem Festland wird gesucht.

Diese Länder sind mit folgendem Equipment im Einsatz:

  • Malaysia: 18 Flugzeuge, 27 Schiffe.
  • Vietnam: zwei Flugzeuge, sieben Schiffe. Weitere fünf Flugzeuge und vier Schiffe stehen bereit.
  • China: vier Such- und Rettungsschiffe, zwei Kriegsschiffe. Eines der Kriegsschiffe hat zwei Hubschrauber sowie zehn Taucher an Bord.
  • Singapur: zwei Kriegsschiffe, ein U-Boot, ein Sikorsky-Marine-Hubschrauber, ein C130-Flugzeug. Das U-Boot hat Taucher an Bord.
  • Thailand: ein Super-Lynx-Hubschrauber, ein Patrouillenboot. Zwei weitere Schiffe sind im Golf von Thailand abrufbereit.
  • Australien: zwei AP-3C Orion-Langstreckenflugzeuge.
  • Philippinen: ein Fokker-27-Flugzeug, ein Islander-Flugzeug und zwei Patrouillenboote. Ein weiteres Schiff und ein Flugzeug stehen auf Abruf bereit.
  • Indonesien: eine Korvette und vier Schnell-Patrouillenboote sowie ein Aufklärungsflugzeug.
  • USA: zwei Kriegsschiffe, die USS "Pinckney" and die USNS "John Ericsson", ein P-3C Orion-Flugzeug. Der Zerstörer USS "Pinckney" hat zwei MH-60R-Hubschrauber für Such- und Rettungseinsätze an Bord.

Wie lange solche Suchen andauern, variiert von Fall zu Fall, es können Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre vergehen, bis das Wrack entdeckt wird. Prominentes Beispiel ist der Absturz des Air-France-Flugs 447: Im Juni 2009 war das Flugzeug mit 228 Insassen über dem Atlantik verunglückt. Die Suche nach dem Wrack dauerte fast zwei Jahre.

"Wenn der Suchraum zu groß ist, sind die Chancen sehr gering"

Damals waren es Tauchroboter, die das Wrack in 4000 Metern Tiefe fanden. "Autonome Unterwasserfahrzeuge liefern bei großen Wassertiefen eine viel genauere Auflösung der zu durchsuchenden Gebiete und sind deshalb besser als schiffsgesteuerte Sonare geeignet, um so kleine Dinge wie einen Flugschreiber zu finden", sagt Andreas Villwock vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, das bei der Air-France-Suche einen der Tauchroboter zur Verfügung gestellt hatte.

Allerdings macht der Einsatz der Roboter nur in eingegrenzten Gebieten Sinn: "Die maximalen Geschwindigkeiten liegen bei vier Knoten", sagt Vilwock. "Wenn der Suchraum zu groß ist, sind die Chancen sehr gering."

In Malaysia konzentriert sich die Suche derzeit auf ein Tausende Quadratkilometer großes Areal. Alle Anhaltspunkte, die bislang aufgetaucht waren, erwiesen sich jedoch als Fehlschläge. Eine im Südchinesischen Meer gefundene kilometerlange Ölspur stamme von Schiffen, teilte eine Sprecherin der malaysischen Küstenpolizei mit. Mehrere auf dem Wasser treibende Objekte konnten nicht dem Wrack zugeordnet werden.

Hoffen auf den Flugschreiber

Doch selbst gefundene Wrackteile wären noch keine Garantie für einen erfolgreichen Verlauf der Suche. Strömungen könnten die auf dem Meer schwimmenden Objekte kilometerweit von der Absturzstelle fortgetrieben haben, sagt Jens Friedemann von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU).

Ohne das Wrack sind nur Spekulationen zu der möglichen Absturzursache möglich. Bei der Aufklärung dieser Frage schreiben die Experten dem Flugschreiber der Maschine eine zentrale Rolle zu, der sogenannten Blackbox: "In jedem Flugzeug sind zwei Geräte eingebaut: ein Voice Recorder, der Stimmen und Geräusche aus dem Cockpit aufzeichnet, und ein Datenschreiber. Dieser sammelt generelle Daten und Parameter des Fluges", sagt BFU-Mann Friedemann.

Die Blackbox - im Übrigen nicht schwarz, sondern orange - ist aufprall-, druck- und hitzebeständig. Sie ist knapp 50 Zentimeter lang, 20 Zentimeter breit und 13 Zentimeter hoch, wiegt zwischen sieben und 15 Kilogramm. Voice Recorder und Datenschreiber sind mit einem Ultraschallsender ausgerüstet, der beim Eintauchen in Meerwasser für einen Zeitraum von mindestens 30 Tagen sendet.

Eine Blackbox hält großen Belastungen stand. Laut BFU muss sie in der Lage sein, Temperaturen von bis zu tausend Grad sowie den Wasserdruck in 6000 Metern Tiefe zu überstehen. Im Fall des Air-France-Unglücks konnten Flugschreiber und Stimmenrecorder auch nach zwei Jahren auf dem Meeresboden noch ausgelesen werden.

Doch solange die Ermittler im Fall der Malaysia-Airlines-Maschine nicht zumindest einen Ansatz haben, wo das Wrack und der Flugschreiber liegen könnten, stehen alle Beteiligten, so formuliert es ein Ermittler, vor einem "beispiellosen Rätsel".

Mit Material von dpa und Reuters

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insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
averell 10.03.2014
1.
ich verstehe nicht, warum man die daten des flugschreibers nicht auch permanent an einen empfänger streamt - geht ja auch mit servicemeldungen des flugzeugs und die datenmenge wäre marginal. und könnte nach erfolgreicher landung gelöscht werden heutzutage will man passagieren internet ermöglichen, ignoriert aber die chancen die sich in punkto sicherheit daraus ergäben
killuminati 10.03.2014
2. ölspur?
warum interessierr es so ganz nebenbei niemanden, dass schiffe kilometerlange ölspuren auf dem meer hinterlassen?
flugzeugfreak 10.03.2014
3. neue Infos
also der avherald hat schon seit heute vormittag von einer neue information berichtet: http://avherald.com/h?article=4710c69b&opt=0 In dem Beitrag ist auch ein bild von dem möglichen Trümmerfeld.
stani 10.03.2014
4.
Zitat von killuminatiwarum interessierr es so ganz nebenbei niemanden, dass schiffe kilometerlange ölspuren auf dem meer hinterlassen?
Wahrscheinlich weil es zu oft vorkommt. Das wird ja normalerweise nicht großartig überwacht. Klappe auf, Zeug raus.
manfred_eisenhardt 10.03.2014
5. Spurlos...?
Zitat von sysopREUTERSNeun Länder, 40 Schiffe, mehr als 30 Flugzeuge: Die Suche nach der verschollenen Boeing wird mit immensem Aufwand betrieben. Die Ermittler fahnden nach dem Flugschreiber. Doch für den Einsatz von Tauchrobotern ist das Gebiet noch viel zu groß. http://www.spiegel.de/panorama/malaysia-airlines-flug-mh370-suche-nach-dem-boeing-wrack-a-957883.html
Wenn weder Black-Box noch ELT Signale senden - ist das Flugzeug auch nicht abgestürzt. (Flugzeugabstürze ohne Spuren gibts nur in den USA ;) )
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