"Bucket List" Malaysia Airlines irritiert mit makabrer PR-Aktion

Flug MH370 verschwand, MH17 wurde abgeschossen: In kurzer Zeit starben Hunderte Menschen auf Flügen von Malaysia Airlines. Die Fluggesellschaft hat dennoch mit der Frage geworben, wohin man vor dem Tod unbedingt noch reisen will.

Maschine von Malaysia Airlines: PR-Aktion bringt Fluggesellschaft Kritik ein
AP

Maschine von Malaysia Airlines: PR-Aktion bringt Fluggesellschaft Kritik ein


Kuala Lumpur - Malaysia Airlines hat den Namen einer PR-Aktion zurückgenommen. Sie hieß "My Ultimate Bucket List", frei übersetzt etwa: "Die ultimative Liste an Dingen, die ich vor meinem Tod tun will". Es ging darum, Passagiere zu fragen, an welche Orte sie unbedingt noch reisen wollen - vorzugsweise in einer Maschine von Malaysia Airlines, versteht sich. Für die originellsten Antworten sollte es Preise geben, etwa Freiflüge von Australien oder Neuseeland nach Malaysia.

"Kicking the Bucket" ist ein salopper Ausdruck für sterben. "Bucket List" ist ebenfalls ein gebräuchlicher Begriff, es gibt sogar einen Film dieses Namens mit Jack Nicholson und Morgan Freeman. Auf Deutsch heißt er "Das Beste kommt zum Schluss".

Dass eine Fluggesellschaft, die innerhalb kurzer Zeit zwei Maschinen mit Hunderten Menschen an Bord verloren hat, diesen Titel wählt, empfinden viele als pietätlos.

Am 8. März verschwand der Flug MH370 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. An Bord waren 239 Menschen, von der Maschine fehlt jede Spur. Im Juli wurde Flug MH17 über der Ostukraine abgeschossen, alle 298 Menschen an Bord starben. Die Frau eines MH370-Passagiers sagte, die PR-Aktion sei grausam und zeige den unsensiblen Umgang der Airline mit Angehörigen von Opfern.

Schon kurz nach Bekanntwerden der Kampagne gab es heftige Kritik. Nun teilte die Airline mit, derzeit sei der Name unangemessen. Man schätze und respektiere die Gefühle der Öffentlichkeit und habe in keiner Weise beabsichtigt, jemanden zu beleidigen. Der Wettbewerb soll nun bis zum Ende des Jahres laufen - ohne neuen Titel. Der Fokus "liegt auf den Preisen", hieß es von der Airline.

Vor den beiden Katastrophen hatte die Fluggesellschaft eine gute Sicherheitsbilanz und den Ruf, qualitativ hochwertigen Service zu bieten. Insbesondere der Umgang mit dem Absturz von MH370 hat das Image der Airline allerdings schwer beschädigt. Auch die wirtschaftliche Lage ist schwierig. Vergangene Woche kündigte der Staatsfonds Khazanah als Hauptanteilseigner an, 6000 Mitarbeiter zu entlassen.

ulz/AP

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